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Wohin mit den Wohnmobilen?

Um wildes Campen einzudämmen, wurden in der Sächsischen Schweiz neue Wohnmobil-Stellplätze freigegeben. Eine Dauerlösung ist das nicht.

Parkplatz für eine Nacht: Wie hier in Altendorf haben die Kommunen zusätzliche Flächen für Wohnmobile ausgewiesen.
Parkplatz für eine Nacht: Wie hier in Altendorf haben die Kommunen zusätzliche Flächen für Wohnmobile ausgewiesen. © Daniel Schäfer

Im zurückliegenden Sommer waren sie nicht zu übersehen: Wohnmobile und Camper-Vans rollten in bisher nicht gekannter Zahl über die Landstraßen des Elbsandsteingebirges. Der Gästeansturm nach dem ersten Corona-Lockdown im Frühjahr rettete den Hoteliers und Gastwirten die Saison und sorgte dafür, dass die Tourismusbranche in der Sächsischen Schweiz besser durch das Krisenjahr kam als in vielen anderen Regionen.

Der bereits zuvor erkennbare Trend zum Urlaub im Wohnmobil oder dem ausgebauten Van wurde durch die Pandemie mit ihren Reisebeschränkungen und Hygieneauflagen nochmals verstärkt. Das warf auch neue Probleme auf. Die Campingplätze waren ausgebucht, nicht wenige Reisemobilisten kurvten auf der Suche nach einem Stellplatz verzweifelt durch die Gegend. Anwohner beschwerten sich über blockierte Parkplätze und wildes Campen am Straßenrand.

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Sebnitz versuchte dem mit zusätzlichen Stellflächen zu begegnen. Man müsse die Camper als Gäste willkommen heißen und ihnen ein Angebot machen anstatt sie pauschal zu verurteilen, hatte Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) erklärt. Die Stadt wies daraufhin in ihren Ortsteilen Hinterhermsdorf, Altendorf und Lichtenhain sowie an der Forellenschenke in Sebnitz und am Sportzentrum Solivital neue Flächen als Reisemobilstellplätze aus.

Neue Wohnmobil-Stellplätze in Sebnitz gut angenommen

Die Bilanz fällt positiv aus. "Die angebotenen Plätze wurde sehr gut angenommen", teilt die Stadt Sebnitz auf Anfrage von Sächsische.de mit. Eine genaue Anzahl der gebuchten Nächte lasse sich nicht nennen, da die Tickets auch über reguläre Parkautomaten gelöst werden konnten und diese nicht zwischen Pkw und Wohnmobil unterscheiden. Die Stadt schätzt die Einnahmen aber auf etwa 2.000 Euro. Bei einem Preis von 12 Euro, den Sebnitz für ein Tagesticket ansetzte, macht das rund 167 Übernachtungen.

Oder anders ausgedrückt: 167 Wohnmobile, die sonst vielleicht irgendwo gestanden hätten, wo sie nicht stehen sollen. Das kurzfristig geschaffene Angebot gilt deshalb als Erfolg. "Definitiv wurde durch die Ordnungsbehörde festgestellt, dass das 'wilde' Campen, vor allem auch an Straßenrändern, deutlich abgenommen hat", erklärt Rathaus-Sprecherin Kerstin Nicklisch. Vor allem im Kirnitzschtal ist das ein Problem. Auf den dortigen Wanderparklätzen, ist das Übernachten verboten, da sie im Nationalparkgebiet liegen.

Voller Parkplatz an der Neumannmühle im Kirnitzschtal: Das Übernachten im Auto ist hier im Nationalparkgebiet nicht gestattet, das Baden in der Kirnitzsch übrigens ebenfalls nicht.
Voller Parkplatz an der Neumannmühle im Kirnitzschtal: Das Übernachten im Auto ist hier im Nationalparkgebiet nicht gestattet, das Baden in der Kirnitzsch übrigens ebenfalls nicht. © Steffen Unger

Ob und wie es in der kommenden Saison weitergeht, steht noch nicht fest. Vor allem in Sachen Müllvermeidung, Sauberkeit und Lärmschutz für die Anwohner müsse man noch nachsteuern, erklärt OB Mike Ruckh. Die Erfahrungen werden noch ausgewertet, eine Entscheidung wird in kommenden Wochen fallen. Trotz der Beschilderung als Reisemobilstellplatz durfte die Wohnmobile rechtlich nur eine Nacht auf den Plätzen stehen. Wasser- oder Stromanschlüsse gab es nicht.

Kein Strom, kein Wasser, keine Toilette

Ganz ähnlich fällt die Bilanz in Bad Schandau aus. "Wir haben noch nicht darüber entschieden, wie wir in der kommenden Saison verfahren", erklärt Andrea Wötzel, Verwaltungskoordinatorin der Stadt. Bad Schandau hatte im Sommer den Parkplatz am Kiefricht, eigentlich für Reisebusse gedacht, kurzfristig für Wohnmobile freigegeben. Im Gegensatz zu den Flächen Sebnitz war das Parken dort kostenlos, was auch damit zusammenhängt, dass bisher kein Strom für einen Parkautomaten anliegt.

Der Platz habe schon eine Entlastung gebracht, erklärt Andrea Wötzel, eine Dauerlösung sei er aber in seinem aktuellen Zustand nicht. Zu einem richtigen Wohnmobilstellplatz gehöre ein Wasseranschluss, Strom und eine Entsorgungsstation für Chemie-Toiletten. Komplett ausgestattete Wohnmobile haben zwar eine Toilette an Bord, immer mehr Urlauber sind aber in Camper-Vans wie VW-Bussen oder selbst ausgebauten Transportern unterwegs. Die verfügen nicht über ein eigenes Klo - und das sieht man dann im angrenzenden Wald.

In der zurückliegenden Saison habe es am Kiefricht-Parkplatz die Sauberkeit betreffend keine größeren Probleme gegeben. Die Stadt hatte einen Müllcontainer aufgestellt, und der wurde genutzt. Für einen Dauerbetrieb als Reisemobilstellplatz müsste aber die genannte Infrastruktur geschaffen werden, erklärt Bad Schandaus Verwaltungskoordinatorin. Hier wiederum sei fraglich, ob sich das für die vielleicht 30 zur Verfügung stehenden Plätze finanziell rechnet.

Campingplatz in Bad Schandau keine Konkurrenz machen

Und eigentlich will die Stadt Bad Schandau auch keinen Wohnmobilstellplatz betreiben. "Wir wollen auf gar keinen Fall den privatwirtschaftlichen Campingplätzen Konkurrenz machen", sagt Andrea Wötzel. Das sei nicht die Aufgabe einer Kommune. In der Saison 2020 war der Andrang aber so groß, dass die Campingplätze komplett ausgebucht waren.

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