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Dicke Fische im Netz

Herbstzeit ist Erntezeit, auch in den Teichen. Die Fisch- und Teichwirte sehen sich dieses Jahr gleich mehreren Problemen gegenüber.

Nick Lerch ist Auszubildender in der Forellen- und Lachszucht Ermisch in Langburkersdorf, hier mit einem Karpfen.
Nick Lerch ist Auszubildender in der Forellen- und Lachszucht Ermisch in Langburkersdorf, hier mit einem Karpfen. © Steffen Unger

In den Teichen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge beginnt die Karpfensaison. Die Fisch- und Teichwirte sehen der Erntezeit mit eher gemischten Gefühlen entgegen. Zum dritten Jahr in Folge macht auch ihnen die Trockenheit zu schaffen. Denn dadurch geht der Grundwasserspiegel zurück. Und in Teichen mit nur wenig Zufluss werden nicht nur Wasser, sondern auch die Luft für alle Fische knapp.

Gunther Ermisch von der gleichnamigen Forellen- und Lachszucht in Langburkersdorf hat da noch etwas Glück. Die Teiche unterhalb der Talsperre Bautzen die er bewirtschaftet sowie die Ratzener Teiche bei Hoyerswerda führen genug Wasser. Anders sieht es bei den Teichen rund um Neustadt aus. Die haben zwar alle einen Wasserzulauf. "Das Wasser was zugelaufen ist, ist aber sofort wieder verdunstet. Wir mussten die Teiche künstlich belüften, sodass wir keine Verluste hatten", sagt er. Er weiß aber auch, dass es in anderen Teichwirtschaften vor allem in der Oberlausitz oder Moritzburg schlimmer steht. Dort sind auch Verluste durch Trockenheit zu beklagen. 

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Achtung, Fischräuber in Sicht

Doch nicht nur die Trockenheit macht den Teichwirten zu schaffen. Mit sinkendem Wasserstand haben Fischräuber wie Komorane, Reiher, Seeadler und auch Fischotter eine leichte Beute. "Das bringt einige Betriebe die vor allem kleinere Fische produzieren an die Grenze der Existenz", sagt Gunther Ermisch. Vor allem der Silberreiher und Komorane würden enorme Schäden anrichten. Und der fühlt sich nun mal genau dort wohl, wo vor allem kleine Fische im Niedrigwasser schwimmen.

Als Mitglied im Vorstand des sächsischen Fischereiverbandes kennt er die Sorgen. Und innerhalb des Verbandes mache man sich nun auch beim Umwelt- und Landwirtschaftsminister dafür stark, dass die Schäden die durch tierische Räuber entstanden sind, auch angemessen ausgeglichen werden. Vergleichbar sei das mit den Schäden, die den Schäfern durch Wolfsrisse entstehen. Auch dafür gibt es Ausgleichszahlungen, wenn die Landwirte den Herdenschutz beachtet haben. 

In Sachsen gibt es bereits eine Ausgleichszahlung, den sogenannten Härtefallausgleich. Der ist aber durch eine europäische Reglung begrenzt. "Wir wollen keine Almosen. Der Minister kann kein Wasser herbeizaubern, sich aber für einen Ausgleich einsetzen. Wir diskutieren derzeit moderat machbare Lösungen, die schnell auf den Tisch müssen. Sonst überleben das kleinere Betriebe nicht", sagt er.

Ein weiterer Grund für die schwierige Situation in fast allen Fischzuchtbetrieben ist die Corona-Pandemie und die damit verbundenen längeren Schließungen von Gaststätten, meist die Hauptabnehmer der heimischen Fische. In der Forellen- und Lachszucht in Langburkersdorf hat man das auch gespürt. Das Gute daran war, der Hofladen sei richtig gut besucht gewesen. "Die Leute haben sich wieder darauf besonnen, zu Hause zu kochen. Und so konnten die Umsatzverluste wenigstens etwas ausgeglichen werden", sagt Gunter Ermisch. Genau das hätten auch alle anderen Fischzuchtbetriebe in der Region so gespürt. 

Hart an der Grenze in Rathmannsdorf und Schmiedeberg

Für den Fischbestand der Forellenzucht am Lachsbach in Rathmannsdorf hat das Wasser in den Flüssen Sebnitz und Polenz, die zum Lachsbach zusammenfließen gerade so gereicht. "Wir hatten keine Probleme. Aber wenn die Hitze noch eine Woche länger angehalten hätte, wäre es kritisch geworden", sagt Axel Tanneberger. Er sieht aber ein ganz anderes Problem und das ist der Winter. Die Flüsse führen Niedrigwasser und das gefriert bei Frost dann ganz schnell und zwar auch komplett durch. Aus seiner Sicht sei das noch schlimmer. Etwa 150.000 Setzlinge muss der Fischerei-Betrieb über den Winter bringen. "Das könnte ziemlich schwierig werden. Aber wir wollen es nicht hoffen. In den nächsten Tagen soll es ja auch wieder regnen", sagt er.

Matthias Richter von der Firma Erzgebirgsforelle & Räucherspezialitäten aus Schmiedeberg hat seine Fischzucht am Pöbeltalbach. "Das Tal ist eng und kalt. Da ging es gerade noch so. Aber es war alles hart an der Grenze", sagt er. Ohne technische Hilfsmittel würde es um seine Fische wohl schlecht stehen. Deshalb musste er in seinen Anlagen mit Pumpe und Sauerstoff arbeiten, damit die Fische überleben. 

Schaufischen auf der Kippe

Im Herbst stehen jetzt wieder die traditionellen Fischerfeste und das Schaufischen bei den Produzenten an. Ob es in Langburkersdorf am 18. Oktober ein Fest geben wird, ist aber noch nicht klar. Möglicherweise muss es ausfallen, nicht weil es keine Fische gibt, sondern weil man bei der Ausrichtung die Hygiene- und Sicherheitsauflagen aufgrund der beengten Platzverhältnisse nicht erfüllen kann. Da gibt es aber noch Gespräche.

Solche Fotos wird es wohl in diesem Jahr von keinem Fischerfest geben, sollten die überhaupt stattfinden.
Solche Fotos wird es wohl in diesem Jahr von keinem Fischerfest geben, sollten die überhaupt stattfinden. © Archiv/Steffen Unger

Die Kreba Fisch GmbH zum Beispiel hat bereits beschlossen, dass sie in diesem Jahr gänzlich auf ein Fischerfest verzichtet. Sie verkündet auf ihrer Internetseite: Aufgrund der aktuellen Wassersituation und der schwierigen Situation aufgrund Corona wird in diesem Jahr kein Fischerfest an der Schwarzen Lache in Kreba stattfinden.

Auch die Kulturlandschaft Moritzburg GmbH hat sich mit ihren Partnern dazu entschieden das Fisch- und Waldfest für das Jahr 2020 abzusagen. „Wir bedauern diese Absage sehr, aber das Fest in bisheriger Form und Größenordnung ist unter den gegebenen Bedingungen nicht realisierbar und auch wirtschaftlich nicht darstellbar“, so Gundula Bleul von der Kulturlandschaft Moritzburg GmbH. Die Durchführung eines kleinen Spezialmarktes im Oktober wird noch geprüft. 

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