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Noch mehr gesperrte Wege im Elbsandstein?

Nationalparkchef Ulf Zimmermann tritt bei einem Online-Forum Ängsten um Einschränkungen entgegen. Die wird es aber noch weiter geben.

Großer Zschand in der Sächsischen Schweiz: Der Weg ist wegen akuter Baumsturzgefahr komplett gesperrt.
Großer Zschand in der Sächsischen Schweiz: Der Weg ist wegen akuter Baumsturzgefahr komplett gesperrt. © Steffen Unger

Es war vor allem die Sperrung des Großen Zschands, die für einen Aufschrei gesorgt hat, wie es Nationalparkchef Ulf Zimmermann selbst formulierte. Die breite Forststraße, die am Wanderparkplatz an der Neumannmühle im Kirnitzschtal beginnt und zum Gasthaus Altes Zeughaus führt, ist einer der zentralen Zugänge in den hinteren Teil der Sächsischen Schweiz. Seit Ende Januar darf hier kein Wanderer, kein Kletterer und kein Radfahrer mehr passieren. Das gilt vorerst bis Ende März, wahrscheinlich aber länger.

Beim Online-Stammtisch des Tourismusverbands Sächsische Schweiz, der am Montagabend unter anderem bei Facebook live übertragen wurde, erklärte der Leiter des Nationalparks Sächsische Schweiz noch einmal, warum es soweit gekommen ist. "Im Moment ist die Gefahr sehr, sehr groß", sagte Zimmermann. In der engen Schlucht stehen die vom Borkenkäfer abgetöteten Fichten auf schmalen Felsriffen 30 Meter hoch über dem Weg. Sie können jederzeit brechen und hinabstürzen. Das passiert lautlos und ohne Warnung.

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Großer Zschand steht unter strengem Naturschutz

Um die toten Bäume mit einem Kran zu entfernen, sei die Aufstellfläche am Boden zu klein, erklärte Zimmermann. Für Waldarbeiter, die sich von oben abseilen müssten, ist das Risiko zu groß, selbst von herunterbrechenden Kronenteilen getroffen zu werden. Der Hauptgrund ist aber die unberührte Natur: Der Große Zschand steht aufgrund seines speziellen Binnenklimas schon seit 1961 unter Naturschutz. Seltene Arten wie der Stängelumfassende Knotenfuß, das Gelbe Veilchen oder der Feuersalamander sind in dem Canyon zu Hause.

Nationalparkchef Ulf Zimmermann: Er hat die Leitung des Nationalparks Sächsische Schweiz im Sommer 2020 übernommen. Zuvor arbeitete er unter anderem in einem Naturpark in der Schweiz.
Nationalparkchef Ulf Zimmermann: Er hat die Leitung des Nationalparks Sächsische Schweiz im Sommer 2020 übernommen. Zuvor arbeitete er unter anderem in einem Naturpark in der Schweiz. © Marko Förster

"Wenn wir hier eingreifen würden, würden sehr viele Lebensräume auf einmal zerstört", erklärte der Nationalparkchef. Der untere Abschnitt des Weges bleibt also vorerst gesperrt. Das Alte Zeughaus ist - auch für Rettungsfahrzeuge - über eine Umleitung durch den Kleinen Zschand erreichbar, trittsichere Wanderer können alternativ die Spitzsteinschlüchte nutzen. Wie lange diese Situation anhalten soll, ist zumindest aus Sicht des Nationalparks noch offen. Die Parkverwaltung hofft, dass sich die Gefahr auf natürlichem Wege selbst beseitigt - also dass die toten Fichten von allein umbrechen.

Nationalpark: Blockierte Wege werden freigesägt

Der große Aufschrei kam aber wohl nicht allein wegen des Großen Zschands, sondern weil die Befürchtung im Raum steht, dass dessen Sperrung erst der Anfang ist. Aktuell sind schon ein Dutzend Wanderwege im hinteren Teil der Sächsischen Schweiz durch umgestürzte Käferbäume blockiert. Der Nationalpark hat diese Wege zwar als "vorübergehend unpassierbar" deklariert, nicht als gesperrt. Für den Wanderer läuft es aber auf dasselbe hinaus - dass er dort eben nicht mehr laufen kann.

Kritiker fürchten, dass auf diese Weise über kurz oder lang ein ganzes Teilgebiet für den Besucherverkehr stillgelegt werden könnte. Dem trat der Nationalparkchef entgegen: "Es gibt ein Wegekonzept und an dem halten wir fest", sagte Ulf Zimmermann bei der Online-Veranstaltung des Tourismusverbands am Montagabend. Er versprach: "Sobald das stehende Totholz umgefallen ist, sägen wir die Wege wieder frei."

Umgestürzte Fichten blockierten Wanderweg in der Sächsischen Schweiz. Auslöser ist der Borkenkäfer.
Umgestürzte Fichten blockierten Wanderweg in der Sächsischen Schweiz. Auslöser ist der Borkenkäfer. © Nationalpark/Jan Scheffler

Ein Zeithorizont dafür lässt sich kaum vorhersagen. Es kann Monate dauern oder auch Jahre. Im Extremfall weht ein heftiger Sturm sämtliche morschen Bäume auf einmal um. Dann wären auf einen Schlag noch mehr Wege blockiert, aber die Waldarbeiter könnten die Säge ansetzen, ohne sich selbst in Gefahr zu begeben.

Der Nationalparkchef erklärte aber auch: "Wir können nicht alle Bedürfnisse erfüllen." Die Natur habe in dem Schutzgebiet Vorrang. An Alternativen für die blockierten Wanderwege, wie sie zuletzt Bad Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack (WV Tourismus) im Interview mit Sächsische.de gefordert hatte, werde noch gearbeitet.

AG Wegekonzeption hat noch nicht getagt

Über solche Alternativrouten müsste eigentlich die AG Wegekonzeption des Nationalparks diskutieren, in der neben der Nationalparkverwaltung auch der Tourismusverband, der Sächsische Bergsteigerbund (SBB), Wanderwegewarte und einige Bürgermeister sitzen. Dieses Gremium entscheidet auch über eventuelle Änderungen am erwähnten Wegekonzept, in dem festgeschrieben ist, welche Wege begangen werden dürfen und welche nicht. Doch die AG hat seit Monaten nicht getagt, wie ein Teilnehmer des Online-Stammtischs beklagte.

Ein Termin der AG soll in nächster Zeit stattfinden, kündigte Nationalparkchef Ulf Zimmermann an. Durch die Corona-Pandemie habe sich das immer wieder verschoben. Der Nationalparkchef betonte mehrfach, dass es ihm wichtig sei, gemeinsame Lösungen zu finden, im Zusammenspiel mit den Touristikern und den Kommunen.

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Vor allem in der Kommunikation nach außen hat das bisher offenbar nicht so reibungslos funktioniert. "Da hätte ich mir mehr gewünscht", sagte Bad Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack, der auch Vize-Vorsitzender des Tourismusverbands ist. Die große Frage ist: Wie werden Wegesperrungen an die Gäste kommuniziert? Das müsse möglichst noch vor Beginn der Saison passieren. Wenn die Urlauber vor einem Sperrschild stehen, sei es zu spät.

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