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Wüstenstaub zieht über Sachsen

Sand aus der Sahara weht über Europa hinweg. Was das mit dem Sonnenlicht macht, erklären Leipziger Forscher. Mit Video im Artikel.

Vor fünf Tagen machte sich diese Staubwolke von der Sahara auf den Weg nach Europa, im Satellitenbild westlich von Afrika zu sehen. Seit Montag ist der saharastaub bei uns und dimmt das Licht.
Vor fünf Tagen machte sich diese Staubwolke von der Sahara auf den Weg nach Europa, im Satellitenbild westlich von Afrika zu sehen. Seit Montag ist der saharastaub bei uns und dimmt das Licht. © NASA Earth Observatory

Dresden/Leipzig. Es ist eine heftige Luftströmung, die Europa derzeit überquert. Direkt aus Nordafrika, von der Sahara kommt diese und reicht bis nach Nordeuropa. Eine Warmluftmasse ist dies, die mit ziemlicher Geschwindigkeit nach Norden zieht. Mit 60 Stundenkilometern rückt diese Luftmasse derzeit weiter und schiebt immer neue Warmluft zu uns heran, sagt Jens Oehmichen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig. Auch deshalb bleiben die Temperaturen am Mittwoch und Donnerstag bei uns weiterhin ungewöhnlich hoch.

Und es wäre noch wärmer, wäre da nicht dieser Staub in der Luft, der aus der Sahara stammt. Winzige Teilchen von mehr oder weniger 0,002 Millimetern sind dies. Unmassen davon strömen mit den Luftmassen aus Nordafrika kommend seit Montagabend auch über Sachsen hinweg. Der Staubteppich reicht derzeit von Südeuropa bis an die Ostsee, sagt Oehmichen. In Deutschland seien der Süden, aber auch Sachsen davon besonders betroffen.

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Vom Boden bis in Höhen von 6.000 Metern treibt dieser Wüstenstaub mit. Am Dienstag bis 8.000 Meter. Er sorgt für ein anderes Licht. Morgens, mittags, abends. Das tiefe Blau am Himmel verschwindet.

Wissenschaftler des Leipziger Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (Tropos) beschäftigen sich mit diesen Vorgängen in der Atmosphäre seit Jahren. Sie schicken unter anderem Laserstrahlen durch die Luftschichten nach oben und erkennen an den Reflexionen, was sich da über uns befindet: Wasser, Eis, Staub.

Andere optische Geräte messen die eintreffende Strahlung direkt und diffus. Wolkenloser Himmel über Leipzig, aber die direkte Strahlung wird um 30 bis 40 Prozent geschwächt. Das diffuse, gestreute Restlicht hellt diese Bilanz dann aber noch etwas auf. Insgesamt ergibt das bis zu 20 Prozent weniger eintreffende Sonnenenergie, also weniger Licht am Boden. Das Lidar, ein Lasergerät für die Atmosphären-Erkundung, war sogar vom vielen Saharastaub zeitweise so irritiert, das es Eiskristalle in der Luft zu erkennen glaubte.

Dieser Staub hat auch für jeden sichtbare Folgen. Am Morgen dauert es spürbar länger, bis sich die Sonne mit Licht und Wärme durchsetzen kann.

Was passiert da am Himmel?

Wer seit Dienstag mal in den Sonnenaufgang oder Untergang geschaut hat, der bekam vor allem eine milchig weiße Wand zu sehen mit einem hellen Punkt darin, der Sonne. Anders als noch am Montagabend. Doch warum?

Ulla Wandinger forscht am Tropos seit 20 Jahren an der atmosphärischen Optik und erklärt, was dort am Himmel passiert. „Wenn das Sonnenlicht lange Wege durch die hochreichenden Staubschichten zurücklegt, entsteht wie im Nebel ein weißliches Licht. Auch die Sonne selbst ist beim Auf- und Untergang eher blass.“ Die Staubteilchen sind trotz ihrer Kleinheit so groß, dass sie das gesamte sichtbare Licht streuen.

Stark farbige Sonnenuntergänge entstehen hingegen durch die Streuung an den zehn- bis hundertmal kleineren Luftmolekülen und sehr kleinen Aerosolpartikeln wie Feinstaub und Industrieabgase. Gelbes und rotes Licht wird daran weniger gestreut als blaues. Die Sonne am Horizont erscheint also rot.

Mittwoch 16.30 Uhr in Dresden Altdobritz. Keine Wolke ist am Himmel zu sehen, dennoch befindet sich die Sonne hinter einer diffusen Wand. Große Mengen Saharastaub sind in der Luft.
Mittwoch 16.30 Uhr in Dresden Altdobritz. Keine Wolke ist am Himmel zu sehen, dennoch befindet sich die Sonne hinter einer diffusen Wand. Große Mengen Saharastaub sind in der Luft. © SZ/St.Schön

Kommt dann noch Saharastaub dazu, dimmt der das Licht höchstens, macht es aber nicht farbiger. Alles sieht vielleicht ein wenig mystischer aus. Starker Wind aus dem Süden hatte am Montagabend genau diesen Lichteffekt mit viel böhmischen Smog und einer Prise Feinstaub über Sachsen gezaubert. Jetzt, ziemlich windstill am Boden, dominiert bis Donnerstagabend vor allem das milchige Weiß am Himmel nach Sonnenaufgang und wenn die Sonne am Horizont dann untergeht.

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Nach Berechnungen des DWD wird der Höhepunkt dieser sehr starken Staubströmung aus der Sahara am Donnerstag sein. Da wäre dann auch die vorerst letzte Chance, sich das noch einmal live anzuschauen. Danach wird am Freitag eine Kaltfront hier eintreffen, die auch Regen mitbringt.

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