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So macht Porsche Sachsens Schulen digitaler

Um Lehrer fit für die Digitalisierung zu machen, holt sich ein Kamenzer Schulleiter Hilfe von einem Autobauer. Auch Schüler sollen Lehrer unterstützen.

Peter Ansorge unterrichtet Geschichte und Ethik an der Kamenzer Oberschule. Er nutzt die interaktiven Tafeln schon im Unterricht. Das sollen in Zukunft auch alle anderen Kolleginnen und Kollegen machen.
Peter Ansorge unterrichtet Geschichte und Ethik an der Kamenzer Oberschule. Er nutzt die interaktiven Tafeln schon im Unterricht. Das sollen in Zukunft auch alle anderen Kolleginnen und Kollegen machen. © Arvid Müller

Die Defizite bei der Digitalisierung an Sachsens Schulen hat die Corona-Pandemie klar gezeigt. Als die Schulen schließen mussten, fehlten nicht nur technische Geräte für den Distanz-Unterricht, sondern auch das Know-how in den Lehrerzimmern. An der Oberschule Elsteraue in Kamenz ändert sich das: Unternehmensberater des Autobauers Porsche haben die Schule unterstützt, um sie bei der Digitalisierung voranzubringen.

„Meine Vision ist, dass der Unterricht komplett digital abläuft“, sagt Schulleiter Stefan Cyriax. Es gibt keine Lehrbücher mehr, die Schüler kommen mit einem

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i-Pad in die Schule und können darüber elektronisch auf Lehrbücher und Tafelbilder zugreifen. Noch ist es allerdings nicht so weit. „Aktuell müssen wir die Lehrer dafür fit machen, dass sie interaktive Tafelbilder erstellen und diese in die Schulcloud hochladen können, damit die Schüler sie nutzen und bearbeiten können.“

15 Schulen werden unterstützt

Gemeinsam mit den Managementberatern von Porsche wurde ein Schulungskonzept erarbeitet, mit dem auch die „Digital Oldies“ unter den Lehrkräften im Umgang mit der digitalen Technologie fit gemacht werden. Denn die Kamenzer Oberschule verfügt seit der Modernisierung über moderne Klassenräume mit neuester technischer Ausstattung in Hard- und Software: digitale, interaktive Tafeln, vernetzte Klassenräume, Computer, Kameras und Schüler-PCs. Es hakte bislang aber am gelebten digitalen Wandel.

„In erster Linie erfordert die Digitalisierung einen Kulturwandel und strategische Planung wie in der Wirtschaft, um erfolgreich zu sein“, sagt Unternehmensberater Marc Ziegler. Das Projekt „Digitalturbo für Schulen“ hat Porsche Anfang 2021 gestartet. Insgesamt bekamen 15 Grund- und Oberschulen, Gymnasien und Berufsschulen in Baden-Württemberg und Sachsen – den zwei Standorten des Autobauers in Deutschland – die Unterstützung des Unternehmens.

Das Hilfsprogramm umfasst unter anderem eine Analyse des Bedarfs, Soforthilfe-Maßnahmen von der Organisation bis zu technischen Ausstattungshilfen sowie eine mittel- bis langfristige Planung. 185 Schulen hatten sich beworben.

Grüne Tafeln gibt's nicht mehr

„Ich habe Kollegen, die haben 30 Jahre lang an einer grünen Tafel gearbeitet“, sagt Cyriax. „Sie müssen sich jetzt umstellen.“ Denn grüne Tafeln gibt es nicht mehr. Von den insgesamt etwa 30 Lehrerinnen und Lehrern im Kamenzer Kollegium können 25 die Grundfunktionen bedienen. Etwa zehn kennen sich mit der Software aus, die beim Erstellen interaktiver Tafelbilder hilft.

Ziel ist es, alle, die in der Schule lehren oder lernen, so an die Technik heranzuführen, dass sie ganz selbstverständlich genutzt werden kann. „Ich hatte schon angefangen, Weiterbildungen für die Kollegen anzubieten, die sich gar nicht mit Technik auskennen“, sagt Peter Ansorge, der Geschichte und Ethik unterrichtet und das Projekt geleitet hat. „Dabei geht es darum, überhaupt erst einmal die Tafeln mit den Laptops bedienen zu können.“ Die Kolleginnen und Kollegen, die sich noch nicht so auskennen, gingen bei anderen im Unterricht hospitieren und guckten sich an, was man mit der Software alles machen kann.

Schüler sollen Lehrern helfen

Außerdem gab es fachbezogene Weiterbildungen. „Geschichte funktioniert anders als Mathe“, sagt Ansorge. Für seine Schüler hat er etwa einen digitalen Grundriss einer Burg erstellt, mit dem die Schüler arbeiten konnten. Das funktioniert für mathematische Formeln nicht. „Ich kann als Geschichtslehrer dem Mathelehrer nicht sagen, was er mit der Software alles machen kann.“ Das digitale Wissen und die besten Beispiele werden im Kollegium geteilt. In dem Konzept sind auch Schüler-Medienmentoren vorgesehen: Schüler, die sich mit Technik auskennen, helfen den Lehrern.

Zwei Monate liefen die Beratungen von Porsche Consulting. „So schnell hätten wir das allein nicht hinbekommen“, sagt Schulleiter Stefan Cyriax. Die Schulen nutzen dabei die Expertise der Unternehmensberater: die Methoden, die Geschwindigkeit, den Pragmatismus. „Jemand, der nichts mit Schule zu tun hat, hat einen anderen Blick darauf und kann ein anderes System entwickeln.“

Auch Berater Marc Ziegler sagt, dass die Schulen sehr stark von den Methoden aus der Wirtschaft profitieren. Wichtigster Erfolgsfaktor sei eine klare Vision, ein nachhaltiges Gesamtkonzept, wie die digitale Schule 2025 aussehen soll und was die konkreten Ziele auf dem Weg zur Digitalisierung sind.

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Ein Schwerpunkt ist es auch, die Kompetenzen der Lehrerinnen und Lehrer zu steigern. „Digitalisierung muss Chefsache sein“, sagt Ziegler. „Die Schulleiter müssen die Vision klar vorantreiben.“ Außerdem sei die Zusammenarbeit mit den Schulträgern ein Erfolgsfaktor. Viele Schulträger sähen keine Notwendigkeit, um in die Digitalisierung zu investieren.

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