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Sachsen

Solarbranche in Sachsen sehr zuversichtlich

Mit einer Photovoltaikanlage eigenen Strom erzeugen liegt im Trend. Hersteller in Sachsen rechnen mit Zuwachs. Ein neues altes Werk wird neu eröffnet.

Die Photovoltaikanlage für das Dach des Eigenheims könnte künftig aus Sachsen kommen.
Die Photovoltaikanlage für das Dach des Eigenheims könnte künftig aus Sachsen kommen. © Archiv/Friso Gentsch/dpa (Symbolbild)

Dresden/Freiberg. Die Solarbranche in Sachsen blickt zuversichtlich in das neue Jahr. Detlef Neuhaus, Chef des Dresdner Unternehmens Solarwatt, rechnet mit weiterem Zuwachs für die Photovoltaik durch steigende Nachfrage. Nicht zuletzt, weil durch die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) der Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 65 Prozent erhöht werden soll. Neuhaus will im dritten Quartal eine neue Fertigungslinie für Module am Standort in Betrieb nehmen und dafür mehr als 10 Millionen Euro investieren. Zudem will die Schweizer Meyer Burger Technology AG den einstigen Solarworld-Standort in Freiberg wiederbeleben und im zweiten Quartal in die Produktion von Solarmodulen einsteigen.

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In Deutschland sind im vergangenen Jahr laut Bundesverband Solarwirtschaft 184 000 neue Solarstromanlagen mit einer Leistung von rund 4,9 Gigawatt installiert worden. Das entspreche einem Leistungszuwachs um 27,6 Prozent gegenüber 2019. Besonders stark zog demnach die Nachfrage bei Eigenheimbesitzern an. Hier registrierte der Branchenverband gegenüber 2019 ein Plus von 99 Prozent - und damit fast eine Verdoppelung der Nachfrage.

Davon profitierte auch Solarwatt als Hersteller von Glas-Glas-Modulen und Energiespeichern. Im vergangenen Jahr verbuchte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge rund 120 Millionen Euro Umsatz, 2019 waren es noch 90 Millionen Euro. Der Zuwachs kommt vor allem durch Module für Häuslebauer und kleineren Gewerbetreibenden, teilweise mussten Sonderschichten gefahren werden. Solarwatt will in diesem Jahr rund 100 neue Mitarbeiter einzustellen, augenblicklich sind es rund 500.

Neuhaus spricht von einer "Zeitenwende". Sei das erste Kapitel Photovoltaik eher etwas für Ideologen gewesen, habe sich Solarstrom als "machtvolles Mittel" gegen den Klimawandel durchgesetzt. Mit Blick auf das neue EEG spricht er von einem "guten Signal". Ein großer Entwurf sei es aber nicht. "Das ist nicht die Gesetzesnovelle, die wir brauchen, um in der Geschwindigkeit und der Konsequenz in Richtung CO2-Neutralität zu gehen, die wir dringend benötigen."

Freiberger Werk soll im Mai eröffnen

Mitte Dezember hatte der Bundestag das Erneuerbare-Energien-Gesetz reformiert. Damit soll etwa der Bau von mehr Ökostromanlagen gefördert werden. Es soll günstiger werden, selbst produzierten Sonnenstrom zu verbrauchen. Dafür wurde die Leistung, ab der die Ökostrom-Umlage fällig wird, erhöht. Von der Umlage befreit sollen Anlagen bis 30 Kilowatt installierter Leistung sein, die bis zu 30 Megawattstunden Strom pro Jahr für den Eigenverbrauch liefern.

Gunter Erfurt, Geschäftsführer der Meyer Burger Technology AG, begrüßte die Regelung: "Das wäre sonst so, als wenn ich für meine selbst angebauten und eingekochten Erdbeeren Abgaben zahlen müsste." Der Schweizer Konzern will in Freiberg sowie in Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) in die Produktion von Solarmodulen einsteigen. "Wir gehen nach heutigem Stand von einer Eröffnung beider Werke im Mai aus", so Erfurt. Zunächst nimmt das Unternehmen Hausbesitzer in den Blick, mit steigender Produktionskapazität dann verstärkt größere Parks. Am 9. Juni will sich das Unternehmen auf der Messe Intersolar in München präsentieren. "Das treibt unseren Zeitplan."

In Freiberg hat das Unternehmen die vorhandene Fertigung übernommen, dennoch muss manches umgebaut und umgerüstet werden, neue Software her. Die ehemalige Solarworld-Anlage wurde 2011 in Betrieb genommen und sei was Automatisierungsgrad, Roboter- und Transporttechnik angehe, der damaligen Zeit voraus. "Es ist viel Arbeit, aber es zahlt sich aus, dass wir auf bestehende Technik aufsetzen", so Erfurt. Rund 145 Millionen Euro investiert die AG in den Aufbau der beiden Werke.

3.000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen

Bisher hat das Unternehmen vor allem Maschinen zur Produktion von Solarzellen und Solarmodulen verkauft und unterhält dafür einen größeren Standort in Hohenstein-Ernstthal. Künftig will Meyer Burger in Sachsen und Sachsen-Anhalt Solarzellen und -module mit einer Kapazität von jeweils 400 Megawatt produzieren. Langfristig soll die Kapazität auf fünf Gigawatt erweitert werden, bis zu 3.000 Arbeitsplätze entstehen.

Probleme, Fachkräfte zu bekommen, hat Meyer Burger nicht: Für die anfänglich rund 350 Stellen in beiden Werken gingen rund 850 Bewerbungen ein. Gearbeitet wird im Schichtmodell 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr. "Seit Oktober haben die erste Leute an Bord. An der Energiewende mitarbeiten, das wollen viele."

Nach Angaben des Umweltministeriums stammten in Sachsen zuletzt (2017) knapp 23 Prozent des Stroms - also gerade einmal ein Viertel - für die öffentliche Versorgung aus erneuerbaren Energien. Das entspricht einer Einspeisung in Höhe von rund 5900 Gigawattstunden. Photovoltaik macht damit 5,7 Prozent aus. Schätzungen des Instituts für Energie Leipzig gehen für 2019 von einer Steigerung auf 25,2 Prozent aus. Neuere Zahlen liegen laut Ministerium nicht vor. (dpa)

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