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Stimmung im sächsischen Handwerk ist "im Keller"

Eine Weihnachtsgans kann in diesem Jahr 160 Euro kosten. Denn auch Handwerker sind durch Preissteigerungen gebeutelt, nicht nur die Fleischer. Und nicht alle Betriebe können die höheren Kosten an Kunden weiterreichen.

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Knacker werden in einer Dresdner Fleischerei in die Räucherei geschoben.
Knacker werden in einer Dresdner Fleischerei in die Räucherei geschoben. © Robert Michael/dpa

Die Stimmung im sächsischen Handwerk ist angesichts gestiegener Preise bei Energie, Rohstoffen und Material "im Keller". Zu dieser Einschätzung gelangte der Handwerkstag am Montag in Auswertung einer Konjunkturumfrage. Gestandene Unternehmen hätten schon in der Vergangenheit mit Krisen leben müssen, sagte Verbandspräsident Jörg Dittrich in Dresden. "Aber was wir seit dem Frühjahr 2022 an Herausforderungen, einer Vielzahl an schwierigen Aufgaben zu stemmen haben, ist wohl ohne Beispiel." So hätten seit Jahresanfang fast 90 Prozent der Handwerksbetriebe extrem in die Höhe geschnellte Energiekosten registriert.

Laut Dittrich ist das energieintensive Lebensmittelhandwerk besonders betroffen. Die Erwartungen von Bäckern, Konditoren und Fleischern für das Weihnachtsgeschäft seien überwiegend gedämpft. Der seit längerem beobachtete Trend zu einem "Lockdown im Portemonnaie" habe ihnen seit Jahresmitte zum Teil massive Umsatzausfälle beschert.

Die meisten Betriebe sähen kaum noch einen Spielraum, die galoppierenden Mehrkosten über höhere Preise für Produkte und Dienstleistungen an die Kunden weiterzureichen. Hinzu komme ein harter Preiswettbewerb mit dem Lebensmittel-Einzelhandel und industriellen Großanbietern.

Dittrich zufolge haben Betriebe wegen der Belastungen Liquiditätsprobleme. Immer mehr Betriebsinhaber fühlten sich durch den seit drei Jahren anhaltenden Dauerkrisenmodus ausgelaugt. Um Unternehmer und Verbraucher von Kostenexplosionen zu entlasten, sei eine Begrenzung der Energiesteuern auf das europäische Mindestmaß erforderlich. Zudem brauche man Überbrückungszahlungen für den Fall, dass die Gas- und Strompreisbremse nicht schon zu Jahresbeginn wirksam wird. Für besonders bedrohte Kleinst- und Kleinbetriebe sei eine Härtefall-Fonds notwendig.

Jeder fünfte Betrieb berichtet von gravierenden Umsatzeinbrüchen

"Hatten wir nach zwei Jahren Corona zunächst die Hoffnung, dass die Binnenkonjunktur wieder Fahrt aufnimmt, so sorgte der Russland- Ukraine-Krieg für noch größere Verwerfungen auf den Märkten", erklärte Vizepräsident Tobias Neubert. Um wirtschaftlich gesunde Betriebe vor dem Ruin zu bewahren, müsse die Politik jetzt schnell und wirksam intervenieren. Man brauche nicht immer nur Hilfspakete, sondern "etwas Dauerhaftes, Zuverlässiges".

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In der Konjunkturumfrage hatten immerhin noch 49 Prozent der Betriebe einen Umsatz auf Vorjahresniveau angegeben. Allerdings berichteten mehr als ein Fünftel (23 Prozent) von teils gravierenden Umsatzrückgängen. Nur noch etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Firmen sind zuversichtlich in Bezug auf die Auftragseingänge. Im Herbst vor einem Jahr waren es noch 85 Prozent. An der Konjunkturumfrage hatten sich knapp 1.900 Betriebe beteiligt.

Mit gestiegenen Preisen müssen Verbraucher auch bei beliebten Weihnachtsleckereien rechnen. Der Christstollen soll in diesem Jahr bis zu 25 Prozent teuer sein. "Auch wir machen uns Sorgen um das Weihnachtsgeschäft", sagte Nora Seitz, Landesinnungsmeisterin für das Fleischerhandwerk. Es hänge davon ab, ob der Kunde bereit sei, für eine fünf bis sechs Kilogramm schwere Gans 160 Euro zu bezahlen. (dpa)