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Video-Serie: Auf Wanderschaft in Sachsen

Dicke Kluft, Ohrring und großer Stock: Wo sie auftauchen, fallen sie auf. Doch was sind Wandergesellen eigentlich für Typen? Wir haben einige von ihnen getroffen.

In vier Videos erzählen fremde und einheimische Wandergesellen von ihrem Alltag auf der Walz - und die eine oder andere kuriose Geschichte.
In vier Videos erzählen fremde und einheimische Wandergesellen von ihrem Alltag auf der Walz - und die eine oder andere kuriose Geschichte. © Tim Ruben Weimer

Leipzig. Eins haben alle Wandergesellen gemeinsam: Sie sind kaum zu erreichen. Wenn sie nicht gerade für einige Monate in einem Unternehmen arbeiten, sind sie jeden Tag woanders, lassen sich treiben und wissen nicht, wo der Weg sie als Nächstes hinführt. Für Journalisten eine Herausforderung, denn Termine lassen sich mit ihnen schlecht vereinbaren, und ohne Handy geht auch unterwegs mal anzurufen nicht.

Unsere ersten beiden Protagonisten haben wir ausgerechnet über einen Instagram-Livestream gefunden, und - ein Glück - sie hatten vor, länger bei einer einheimischen Wandergesellin in Leipzig zu bleiben. Die freireisenden Schmiedinnen Linda und Michelle sind so etwas wie ein Wanderduo. Obwohl sie sehr unterschiedlich erfahren auf der Walz sind, reisen sie gemeinsam.

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Schwarzkollm. Linda hat es angesprochen: Wandergesellen wissen meist morgens noch nicht, wohin sie abends ihren Kopf betten werden. Trotzdem haben sie an vielen Orten zentrale Anlaufpunkte, die für Außenstehende mal mehr, mal weniger geheim sind.

Dort finden Treffen von Reisenden aus demselben Schacht (so nennt man die "Vereine", in denen sich Wandergesellen organisieren) statt, und wenn Wandergesellen einfach mal ihre Ruhe haben wollen, finden sie dort auch einen Rückzugsort.

Die bekannteste schachtübergreifende Wanderherberge in Sachsen liegt auf der bekannten Krabat-Mühle in Schwarzkollm bei Hoyerswerda. Das dortige "Gesindehaus" ist ganz den Wandergesellen vorbehalten, Zutritt für Außenstehende verboten.

Budenvater Hartmut Orbanz und Budenmutti Steffi Schulze gewähren uns trotzdem einen Einblick ins Innere und zeigen, wo die wandernden Handwerker ihre Spuren hinterlassen haben.

Dresden. Wer an Wandergesellen denkt, hat meistens reisende Zimmerer, Dachdecker oder andere Berufe des sogenannten Bauhauptgewerbes auf dem Schirm. Dass das aber noch lange nicht alles ist, zeigen unsere nächsten beiden Protagonistinnen:

Ruth Paufler ist Konditorin beim Café Wippler in Dresden und war selber vier Jahre auf Wanderschaft. Dabei nutzte sie auch ungewöhnliche Fortbewegungsmittel: Von ihrer Mutter ließ sie sich ihre heißgeliebten Inliner zuschicken und skatete damit durch's Erzgebirge.

Und auch Caro, die wir leider nicht mehr persönlich beim Friseursalon Fusselkopp in Dresden antreffen konnten, ist eine besondere Wandergesellin: Nach Angaben der Dresdner Friseurinnung ist sie erst die zweite Friseurin, die je auf Wanderschaft gegangen ist.

Dresden. Fragen Sie sich jetzt, warum wir bisher nur Frauen als Wandergesellen vorgestellt haben? Wir auch. Denn obwohl der weibliche Anteil unter den Wandergesellen stetig zunimmt, nehmen besonders traditionelle Schächte wie der Fremde Freiheitsschacht oder die Freien Vogtländer weiterhin nur Männer auf. Neu gegründete Schächte wie die Vereinigten Löwenbrüder und Schwestern Europas sind da offener.

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Kurz vor Ende unserer Recherchen haben wir dann doch noch einen männlichen Wandergesellen getroffen, den wir auch auf genau dieses Thema ansprechen konnten. Außerdem spannend: Der Fremde Freiheitsbruder Bobby hat eine Freundin. Wie die Beziehung auf Tippelei (ein anderes Wort für Wanderschaft oder Walz) funktioniert, erzählen er und seine Freundin selbst.

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