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Wieso fliegen gerade Hubschrauber über Sachsens Wälder?

Sachsens Wälder leiden noch immer unter den Folgen industriebedingter Luftverschmutzung früherer Zeiten. Jedes Jahr bekommt er deshalb eine spezielle Behandlung aus der Luft.

Von Fabian Deicke
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Zwei Spezialfirmen bringen mit ihren Hubschraubern Kalk über den Wäldern in Sachsen aus. Ziel der Maßnahme ist das Entsäuern von Böden, damit darauf Pflanzen besser wachsen können.
Zwei Spezialfirmen bringen mit ihren Hubschraubern Kalk über den Wäldern in Sachsen aus. Ziel der Maßnahme ist das Entsäuern von Böden, damit darauf Pflanzen besser wachsen können. © André Schulze

Dresden. Seit Anfang Juli kreisen vermehrt Hubschrauber über Wäldern in Sachsen. Hintergrund der Flugeinsätze ist die sogenannte Bodenschutzkalkung. Das klingt zunächst unspektakulär, hat aber einen ernsten Hintergrund und ist für die Wälder so etwas wie die Gabe einer wichtigen Schutzimpfung.

Bis 31. Oktober werden etwa 20.000 Tonnen Magnesiumkalk auf einer Fläche von 6.700 Hektar zwischen Osterzgebirge und dem Vogtland ausgebracht, teilte der Staatsbetrieb Sachsenforst am Donnerstag mit. Der Kalk, der per Helikopter aus einem an Seilen befestigten Behälter gezielt über einem bestimmten Gebiet abgeworfen wird, dient der Neutralisierung übersäuerter Böden. Davon gibt es historisch bedingt in Sachsen viel, weil besonders hier früher große Mengen schwefelhaltiger Emissionen aus Kraftwerken und industriellen Anlagen als Saurer Regen niedergingen.

Kalk heilt "Wunden der Vergangenheit"

Bis heute sind die Folgen jahrzehntelanger Umweltverschmutzung spürbar, weil Böden teilweise tiefgreifend versauert und nährstoffarm sind. Sachsens Forstminister Wolfram Günther (Grüne) sagt, dass mit dem Kalken die "Wunden der Vergangenheit" geheilt würden. Die Kosten dieser Therapie für den Wald belaufen sich in diesem Jahr auf 2,95 Millionen Euro. Die Maßnahme wird vom Land Sachsen gezahlt und erfährt eine Förderung aus Mitteln des EU-Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums.

Eine positive Nebenwirkung des Kalks ist, dass dadurch der Umbau der sächsischen Wälder begünstigt wird. "Sachsen ist Waldumbaumeister", erklärte kürzlich Renke Coordes, Sprecher des Sachsenforstes, im Podcast "Thema in Sachsen" bei Sächsische.de. Um den Wald zu wappnen für sich ändernde Umwelteinflüsse im Zuge des Klimawandels, lösen in Sachsen nachhaltig angelegte Mischwälder zunehmend Monokulturen mit hohen Fichtenbeständen ab.

Betroffene Wälder werden kurzzeitig gesperrt

Für den Menschen ist der Kalk, der nach dem Abwurf wie ein feiner Sprühregen über dem Wald niederrieselt, gesundheitlich ungefährlich. Er kann leicht von gesammelten Pilzen und Beeren abgewaschen werden. Zur Sicherheit werde die Qualität des Kalks, der in der Oberpfalz in Bayern gewonnen wird, aber auch überprüft, heißt es vom Sachenforst.

Nur eine Einschränkung gibt es: Betroffene Waldflächen müssen kurzzeitig gesperrt werden. Den Anfang hat der Forstbezirk Adorf im Vogtland gemacht, als nächstes ist bis Ende Juli der Bezirk Eibenstock im Erzgebirge an der Reihe. Eine langfristige und exakte Vorhersage von Waldschließungen sei laut Sachsenforst nicht möglich, weil die Hubschrauberflüge witterungsabhängig sind. Wer also einen Waldspaziergang plant, sollte sich kurz vorher erkundigen. Die Termine sind sortiert nach Region online einsehbar.

Die Kalkung findet jedes Jahr statt. In diesem Jahr zum 38. Mal. In jeder Flugsaison werden andere Waldflächen angeflogen, schließlich entfaltet der aufgebrachte Kalk langsam und über Jahre seine Wirkung. Seit Beginn der Maßnahme sind auf diese Weise bereits rund 430.000 Hektar Wald gekalkt worden. Zum Vergleich: Das entspricht etwa 13 Mal der Fläche Dresdens.