merken
PLUS Sachsen

Welterbe-Anlauf für Friedliche Revolution

Die CDU fordert: Dresden, Leipzig und Plauen sollen als Stätten des Revolutionsherbstes 1989 Unesco-Welterbe werden.

Im Dezember 1989 schwenkten Dresdner schwarz-rot-goldene Fahnen vor der Frauenkirche, als Kanzler Helmut Kohl sprach.
Im Dezember 1989 schwenkten Dresdner schwarz-rot-goldene Fahnen vor der Frauenkirche, als Kanzler Helmut Kohl sprach. © AP/Finck

Die gespenstischen Szenen abends am Dresdner Hauptbahnhof, als Polizisten vor Demonstranten mit Knüppeln auf Schilde schlugen – Peter Krüger erinnert sich sehr gut an die bedrohlichen Momente im Oktober 1989. Er stand den Polizisten selbst gegenüber und sagt, diese Momente werde er wohl nie vergessen.

Heute ist Peter Krüger 60 und Vorsitzender der CDU-Fraktion im Dresdner Stadtrat. In der zweiten April-Hälfte voraussichtlich, so kündigte er jetzt im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung an, wird seine Fraktion einen Antrag beim Oberbürgermeister für einen neuen Welterbe-Titel einreichen. Das Rathaus soll damit beauftragt werden, zu prüfen, wie die Schauplätze der Friedlichen Revolution des Herbstes 1989 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt werden können. Dazu sollen geeignete Erinnerungsorte benannt werden, wie die Frauenkirche, der Neumarkt oder die Dreikönigskirche. Für Krüger gehört der Hauptbahnhof auf jeden Fall dazu.

Anzeige
Im Garten ein Zuhause für Wildbienen
Im Garten ein Zuhause für Wildbienen

Mauerbienen stechen nicht, leisten aber einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung von Obstbäumen, Wildblumen und Kulturpflanzen.

Die Dresdner CDU-Fraktion schließt sich damit einem Bündnis an, das in Leipzig begründet wurde und in Plauen Mitstreiter fand. Alle drei Städte sollen nach dem Willen der Christdemokraten mit ihren Revolutionsstätten als „Orte der Friedlichen Revolution“ auf die Welterbe-Liste der Unesco. Den Anfang hatte im Januar die Leipziger CDU gemacht und einen Prüfantrag gestellt.

Leipzig als einer der bedeutendsten Orte

„Die Friedliche Revolution steht wie kaum ein anderes Ereignis unserer jüngeren Geschichte für den gewaltlosen, von den Menschen initiierten Übergang von einer Diktatur in eine freiheitliche Demokratie“, sagt deren Vize-Fraktionschef Michael Weickert – der Vater der Idee. Leipzig sei einer der bedeutendsten Orte für Deutschland und ganz Europa. „An diese Bedeutung wollen wir erinnern und sie auch für jüngere und kommende Generationen greifbar machen.“

Während Peter Krüger damals in vorderster Reihe stand, hat der 31-Jährige eine andere Verbindung zu jener Zeit: Er ist am 23. Oktober 1989 geboren – einem Montag, an dem mindestens 300.000 Demonstranten um Leipzigs Innenstadtring liefen.

Das Leipziger Rathaus hat einen Stadtratsantrag bereits gebilligt. Die Verwaltung ist bereit, die Voraussetzungen für eine Welterbe-Bewerbung und mögliche touristische, finanzielle und städtebauliche Auswirkungen zu prüfen. Der Oberbürgermeister soll zudem beauftragt werden, mit den anderen Städten wie Dresden und Plauen die Chancen einer gemeinsamen Initiative auszuloten.

Verfahren kann Jahre dauern

Bis Anfang nächsten Jahres sollen Vorschläge zum weiteren Vorgehen folgen. „Die zentrale Bedeutung Leipzigs als Stadt der Friedlichen Revolution mit einer Vielzahl an historischen Stätten ist unbestritten“, heißt es im Rathaus. Wichtig ist Weickert, dass die drei Orte der Friedlichen Revolution gemeinsam auftreten, zudem hofft er auf die Unterstützung des Freistaates. Die Bewerbung bei der Unesco, die letztlich der Bund tragen muss, solle dabei keine reine CDU-Initiative bleiben, sondern breiten Rückhalt in der Bevölkerung bekommen. „Wir wollen die anderen Parteien und Fraktionen mitnehmen.“

Grüne und Linke in Leipzig hätten schon Unterstützung signalisiert. Weickert rechnet allerdings mit einem Verfahren, das Jahre dauert. „Das wird ein Marathon.“ Auch das Plauener Rathaus hat Anfang März einen Antrag seiner CDU-Fraktion bekommen. In der Stadt waren am 7. Oktober 15.000 Demonstranten auf den Straßen. „Uns wäre sehr wichtig, den alten Konkurrenzgedanken der Revolutions-Städte beiseitezuschieben und eine gemeinsame Gedenkkultur zu entwickeln“, sagt Fraktionschef Jörg Schmidt. Er habe positive Signale aus dem Rathaus und sei optimistisch, eine Mehrheit im Stadtrat zu bekommen.

46 Natur- und Kulturerbe-Stätten stehen derzeit in Deutschland auf der Unesco-Liste. In Sachsen gehört die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří dazu – während Dresden der Titel für die Kulturlandschaft des Elbtals 2009 wegen der Waldschlößchenbrücke aberkannt wurde. Die schlechten Erfahrungen stören Peter Krüger indessen nicht. „Das sind zwei unterschiedliche Dinge“, sagt Krüger. „Die sollte man streng voneinander trennen.“

Mehr zum Thema Sachsen