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Wie die Pitchnight der sächsischen Gründer in New York lief

Neun Hochtechnologie-Firmen absolvierten das Step USA-Programm der deutsch-amerikanischen Außenhandelskammer.

Von Nora Miethke
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Die Reise des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und seiner fast 80-köpfigen Delegation endete mit einer Pitchnight der neun besten Hightech-Startups des Freistaats im Grand Central-Tech Hub an der Madison Avenue.
Die Reise des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und seiner fast 80-köpfigen Delegation endete mit einer Pitchnight der neun besten Hightech-Startups des Freistaats im Grand Central-Tech Hub an der Madison Avenue. © Nora Miethke

Wer in die Höhle des Löwen geht, muss aggressiv sein, muss die Krallen ausfahren. Das liegt den sächsischen Gründern offenbar nicht. Die Reise des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und seiner fast 80-köpfigen Delegation endete mit einer Pitchnight der neun besten Hightech-Startups des Freistaats im Grand Central-Tech Hub an der Madison Avenue. Es war zugleich auch der Höhepunkt des viertägigen Step USA-Programms der deutschen Außenhandelskammer, mit der sie deutsche Startups beim Markteintritt in den USA unterstützt. Mit dabei waren dieses Mal: deepXscan, deveritec, semron und spinncloud systems aus Dresden. Aus Chemnitz gingen BiFlow Systems und die chemmedia AG an den Start. Leipzig war vertreten mit intelligents fluids und evergreen und aus Freiberg kam enaDyne.

Drei Minuten in Englisch völlig freisprechen und die eigene Geschäftsidee – meistens eine hochkomplexe Technologie - vorstellen, das fällt auch jungen dynamischen Gründern schwer. Sie waren sichtlich aufgeregt, ein Dresdner hatte auf der Bühne einen Blackout und musste noch mal starten. Eine Gründerin - die einzige Frau in der Mannschaft - las leider vom iPad ab und sammelte damit bei der Investoren-Jury vermutlich keine Punkte. Ein Pitch ist Showtime, da wollen die Geldgeber die Persönlichkeit derjenigen sehen, denen sie ihr Geld geben sollen, ob sie selbstbewusst genug sind. „Völlig freisprechen, das ist nicht einfach. Wir erlauben den Gründern, dass sie sich bei unseren Pitches an zwei bis drei Folien festhalten dürfen“, sagt Jörg Schüler, CEO von HighTech Startbahn, der die sächsischen Gründer die Woche über in New York begleitete. Das Netzwerk organisiert jedes Jahr die Hightech Venture Days in Dresden.

Schwerwiegender als die Sprache wogen aber fehlende wirtschaftliche Kennziffern. Kaum einer der Gründer zeigte richtig auf, wie groß der Markt ist für seine Lösung, wie viel Umsatz er erwartet, ob er selbst davon gut leben kann und welches Geschäft für den Risikokapitalgeber drin ist. Genau diese Angaben wollten die Investoren David Olk von ShopKeep, Jeremy Epstein von American Family und Jason Scott von Anim aber hören, wie sie in ihren kurzen Kommentaren zu den Pitchs immer wieder herausstellten. „Sie sind alle Experten auf ihren Feldern, aber wir vermissen den Hunger“, meinten die drei Jurymitglieder später beim Netzwerken.

Philipp Hahn, Mitgründer von enaDyne nimmt es gelassen. Er hat an dem Programm vor allem teilgenommen, um Kontakte zu knüpfen. „Ich versuche, mit so vielen Leuten wie möglich zu sprechen, damit wir nicht am Markt vorbeientwickeln“, sagt Hahn. enaDyne entwickelt Plasmakatalysereaktoren zum energieeffizienten Recyceln von CO2 und Umwandlung zu nutzbringenden grünen Chemikalien oder E-Fuels. Die Reise habe sich schon gelohnt, um Brian Frumberg, den Chef der Gründerplattform VentureOut kennenzulernen, der das Programm organisiert. „Er ist irre gut vernetzt“, so Hahn.

Die deutsch-amerikanische Handelskammer hat das Programm Step USA – New York im Jahr 2014 gegründet. Seiten haben bereits über 500 Unternehmen teilgenommen und sind Teil des Alumni-Netzwerks geworden. Die Wirtschaftsförderung Sachsen hat zum zweiten Mal die Teilnahme für sächsische Gründer organisiert. Step USA bringt deutsche Start-ups mit Unternehmern aus unterschiedlichen Branchen mehrmals im Jahr zusammen und gibt ihnen die Möglichkeit an einem viertägigen Strategie-Bootcamp in New York City teilzunehmen. Sie erfahren dabei von Branchenkennern, Mentoren, Risikokapitalgebern und Business Angels, was Erfolg in den USA ausmacht.

Es gibt allerdings auch kritische Stimmen, die sagen, dass das Programm dazu dient, hochinnovative deutsche Firmen mit ihrem Firmensitz nach Amerika zu locken. Denn es kommt immer wieder vor, dass deutsche Start-ups, in die US-Investoren investieren, entweder eine amerikanische Tochtergesellschaft gründen oder gleich den Firmensitz in die USA verlegen müssen.