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So kommen Sachsen auf den Geschmack ihrer Heimat

Der Agrarminister hat eine Strategie: Er will junge Leute für regionalen Käse begeistern.

Geschäftsführer Tobias Kockert in der Schaukäserei der Krabat-Milchwelt bei Wittichenau: Die 240 Kühe geben so viel Milch, dass der größte Teil von der Müller-Molkerei in Leppersdorf abgeholt wird - aber ein Teil wird auf dem Hof verarbeitet.
Geschäftsführer Tobias Kockert in der Schaukäserei der Krabat-Milchwelt bei Wittichenau: Die 240 Kühe geben so viel Milch, dass der größte Teil von der Müller-Molkerei in Leppersdorf abgeholt wird - aber ein Teil wird auf dem Hof verarbeitet. © SZ/Uwe Soeder

Schulklassen kommen schon lange zur Krabat-Milchwelt, zu einem Bauernhof bei Wittichenau. Geschäftsführer Tobias Kockert zeigt den Besuchern dann die jüngsten Kälbchen und das Melkkarussell für 240 Milchkühe. Die Gäste schmecken frische Milch und erleben die landwirtschaftliche Produktion vom Futter bis zum fertigen Laib Käse.

Diese gläserne Produktion ist eine Seltenheit in Sachsen: Vor allem Städter kennen kaum Bauern persönlich und haben oft Vorurteile. Doch Lebensmittel aus der Region sollen bei Sachsen beliebter werden – mit diesem Ziel hat Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) am Montag in Dresden Werbefilme vorgestellt. Die sollen zwar nicht im Kino laufen, aber nach Angaben seines Sprechers werden vor allem Jugendliche online in den nächsten Wochen darauf stoßen.

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Minister Günther wirbt für sächsische Produkte mit dem Argument, weite Transportwege seien „nicht klimaneutral hinzubekommen“. Außerdem habe die Corona-Krise mit zeitweiligen Grenzschließungen gezeigt, wie abhängig der Handel von globalen Lieferketten geworden sei. Günther wünscht sich, „beim täglichen Brot unabhängiger zu werden“. Dann könnten auch die Landwirte in Sachsen besser verdienen. Nur zwölf Prozent des Gemüses, das in Sachsen gegessen wird, komme von hier. Das liegt freilich auch daran, dass Spreewaldgurken aus Brandenburg stammen.

Beitrag zur "Ernährungswende"

Die neue Werbekampagne für regionale Wertschöpfung stellt fünf Landwirte in Filmen vor. Agrarminister Günther hatte nach der Wahl angekündigt, dieses Thema „wirklich strategisch“ anzugehen. Ein neues Referat im Ministerium wurde eingerichtet. Produkte mit sächsischer Herkunft sollen auch für Einzelhandel, Gastronomie, Großküchen und Tourismus „große Potenziale“ erschließen.

Eine Umfrage hat dem Minister gezeigt, dass Sachsen unter 30 Jahren weniger Wert auf die regionale Herkunft ihrer Lebensmittel legen als Menschen über 30 – daher richtet sich die Kampagne vor allem an Jüngere. Auch in Supermärkten soll der Hinweis auf die sächsische Herkunft häufiger zu lesen sein.

Peter Probst hat das Landgut Naundorf bei Freiberg auf Bio-Betrieb umgestellt. Seine Hühnerställe setzt er alle paar Wochen um.
Peter Probst hat das Landgut Naundorf bei Freiberg auf Bio-Betrieb umgestellt. Seine Hühnerställe setzt er alle paar Wochen um. © Georg Moeritz

Der Milchbauer Tobias Kockert ist einer der fünf Film-Helden. Er hat schon Käse auf der Grünen Woche in Berlin ausgestellt und gehörte jahrelang zum Vorstand des Landesbauernverbandes. Nach seiner Einschätzung kann die neue Werbekampagne „nur ein Anfang sein“. Sächsische Verbraucher müssen seiner Meinung nach nicht nur auf „regionale Wertschöpfung“ hingewiesen werden, sondern auf „Wertschätzung“. Kockert ist häufig davon enttäuscht worden, wie wenig Geld es für die Milch gibt.

Der Landwirt aus Kotten bei Wittichenau weiß, dass sächsische Verbraucher gerne Ananas kaufen – aber ungern für die Transportwege bezahlen. Daher hält er es für richtig, die ökologischen Vorteile der Produkte aus der Nähe herauszustellen. Allerdings bemängelt er zugleich „Wunschdenken in der Politik“. Dass es kaum noch Schlachtstätten in Sachsen gebe, liege auch an Vorschriften und der Organisation des Marktes. Der Landesbauernverband hat mit der Planung eines neuen Schlachthofs begonnen. Von den fünf neuen Werbefilmen, darauf weist Kockert hin, beschäftigt sich aber keiner mit Fleisch.

Immerhin kommt der Milchbauer zu Wort, der große Pläne hat: Kockert möchte einen neuen Stall bauen, mit vollautomatischem Melken und Füttern. Das bringe mehr Komfort für Kühe und Arbeiter. Irgendwann möchte Kockert unabhängig von der Müller-Molkerei in Leppersdorf werden, doch noch verkauft er den größten Teil der Kuhmilch dorthin und verarbeitet nur 10 bis 15 Prozent in Wittichenau – vor allem zu sächsischem Käse.

Fanny Schiel organisiert an mehreren Orten „Marktschwärmer“: Sie bringt Kunden und regionale Gärtner zusammen.
Fanny Schiel organisiert an mehreren Orten „Marktschwärmer“: Sie bringt Kunden und regionale Gärtner zusammen. © Jürgen Lösel

„Alles Gute kommt von hier“, so wirbt auch Fanny Schiel, die an mehreren Orten unter der Marke Marktschwärmer Kunden und Händler zusammenbringt. Online wird bestellt, ein paar Tage später zum festen Termin die gepackte Gemüsekiste abgeholt. Schiel sagte, sie sei Teil der „Ernährungswende“.

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Drei weitere Landwirte sollen in den kommenden Wochen in den neuen Werbefilmen vorgestellt werden: Der Forellen- und Lachszüchter Gunther Ermisch in Langburkersdorf bei Neustadt trägt laut Minister Günther mit seinen Teichen auch zur Pflege der Kulturlandschaft bei. Peter Probst hat das Landgut Naundorf in Bobritzsch-Hilbersdorf bei Freiberg auf Bio umgestellt, hält Mutterschafe sowie 3.000 Hühner, deren Ställe alle paar Wochen auf ein anderes Stück Land geschoben werden. Katrin Leipacher vom Auenhof in Ostrau in der Lommatzscher Pflege gibt ihr Wissen auch an andere weiter.

www.regionales.sachsen.de

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