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Leben und Stil

Wie schmecken die besten neuen Sachsen-Weine?

Natalie Weich war in der Jury der Landesweinprämierung und sagt, was Qualität heißt und was Trends sind.

Kommt aus Kasachstan und bestimmt die Qualität sächsischer Weine entscheidend mit: Natalie Weich (56), Kellermeisterin der Winzergenossenschaft Meißen, neben den gut gefüllten Stahltanks.
Kommt aus Kasachstan und bestimmt die Qualität sächsischer Weine entscheidend mit: Natalie Weich (56), Kellermeisterin der Winzergenossenschaft Meißen, neben den gut gefüllten Stahltanks. © Thomas Kretschel

Sie spricht mit russischem Akzent: Natalie Weich ist 1997 mit ihrer Familie und einem Diplom für Gärungsproduktion und Weinbereitung aus Kasachstan nach Deutschland gekommen. Über ein Praktikum in Meißen bei der Winzergenossenschaft wurde sie erst zweite und 2002 erste Kellermeisterin. Heute ist sie eine angesehene Weinexpertin und Jurymitglied bei deutschen Weinprämierungen. Wir treffen sie am Arbeitsplatz: im Weinkeller mit den gewaltigen 15.000-Liter Stahltanks.

Frau Weich, Sie gehören zu den wenigen, die schon alle Weine probiert haben, die zur Landesweinprämierung am Dienstag ausgezeichnet wurden. Welche sind denn Sachsens beste Weine?

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Als bester Wein wurde ein süßer Solaris vom Gut Pesterwitz ausgezeichnet.

Ein süßer Wein? Das überrascht.

Ja, süß, mit kräftiger exotischer Note. Ich erlebe das bei Weinprämierungen jetzt öfter, dass süße Weine und trockene Weine mit Restzucker gewinnen.

Liegt das am Klimawandel?

Ich glaube, die Leute mögen das einfach wieder. Das Leben ändert sich, der Geschmack auch. Als ich in Meißen angefangen habe, gab es kaum Roséweine. Das hat sich sehr geändert. Ich finde es am besten, wenn ein Wein harmonisch ist, wenn Restzucker und Säure zusammenpassen. Das ist immer dann gelungen, wenn man gar nicht ganz sicher ist, ob das ein trockener oder ein halbtrockener Wein ist.

Welche Goldmedaillengewinner sind Ihnen noch aufgefallen?

Vor allem ein sehr guter Riesling-Sekt von Wackerbarth von 2018. Vollmundig, man erkennt sofort den Riesling, sehr frisch. Ich liebe Sekt und Champagner. Von Schloss Proschwitz hat mich ein Goldriesling überzeugt. Er ist lebendig, hat eine schöne Frucht, er tanzt auf der Zunge. Toll ist ein Chardonnay vom Weingut Hanke in Jessen. Er hat eine Note von in der Sonne leicht angetrocknetem Heu – und von Honig.

Die meisten Goldmedaillen bekamen Wackerbarth, Proschwitz – und das Gut Pesterwitz.

Es ist nicht das erste Mal, dass Pesterwitz Gold bekommt. Schon seit Jahren stellen sie einen hervorragenden Bacchus her, er wurde auch dieses Jahr wieder mit Gold prämiert. Er hat Cassis, Stachelbeeren, man spürt grüne Reflexe im Mund. Sie haben dort die ideale Lage und den idealen Boden für diesen Wein.

Sie haben all die Weine selbst probiert? Wie ging es Ihnen danach?

Die Verkostungen gingen über zwei Tage, mir ging es gut, weil ich damit professionell umgehe. Ich schlucke den Wein natürlich nicht. Am Abend trifft sich die Jury und verkostet oft noch weiter.

Was zeichnet den Jahrgang 2020 aus?

Es ist ein unkomplizierter, guter Jahrgang. Die Weine haben im Schnitt deutlich höhere Noten bekommen als 2019.

Aber es gab auch dieses Jahr keine Goldmedaille für Rotwein. Warum?

Zwar schafft der Klimawandel auch in einem nördlichen Weinanbaugebiet wie Sachsen bessere Bedingungen für den Roten. Aber es fehlt noch was.

Was denn?

Es ist der Boden, aber es ist auch die Sonne. In der Pfalz oder am Kaiserstuhl wird zwei Wochen eher geerntet. Es fehlt hier einfach an der Kraft im Rotwein. Deshalb besser gute Silber- und Bronzemedaillen als schwaches Gold. Wir wollen ehrlich sein.

Außerdem beteiligen sich ja nicht alle Winzer am Wettbewerb, Martin Schwarz zum Beispiel.

Ja, er hat ein Händchen für Rotwein. Er experimentiert viel, er hat verschiedene Barriquefässer, er nutzt traditionelle französische Methoden. Er macht öfter Urlaub dort.

Auch die Winzergenossenschaft hat mit einem Morio Muskat Gold gewonnen. Sie gelten als die „Mutter des Morio Muskat“. Wie kam es dazu?

(Lacht) Dieser Wein mag mich und ich mag diesen Wein. Dieser kräftige und charaktervolle Tropfen gelingt uns, ob das Weinjahr nun gut oder weniger gut ist. In Speyer lassen wir daraus auch Sekt herstellen, der sehr erfolgreich ist.

Die Winzergenossenschaft ist der größte sächsische Weinerzeuger und sammelt Wein von 1.500 Kleinwinzern ein. Wie bekommen Sie da Qualität hin?

Wir haben in den vergangenen Jahren sehr an der Qualität gearbeitet. Jetzt sind es nur noch gut 1.400 Winzer, die uns beliefern. Wir haben uns von einigen getrennt, die nicht ausreichend Qualität herstellten oder mit Pflanzenschutzmittel nicht ordnungsgemäß umgingen. Der Knackpunkt ist die Weinannahme. Wir schauen da genau hin, wir gucken in jede Kiste. Es gibt da ganz Schlaue, die legen die guten Trauben obenauf, unten sind die schlechten.

Sie gelten da als sehr hart.

Ja, bei der Qualität muss ich konsequent sein, da kenne ich keine Freunde. Nur aus Qualitätstrauben entsteht Qualitätswein. Ich vergleiche das gern mit einem Eintopf. Wenn ich gute Kohlrabi und Möhren habe, aber keine guten Kartoffeln und nur matschige Tomaten, dann wird der Eintopf nicht so schmecken, wie er könnte.

Wo haben Sie das Weinmachen gelernt? In Kemerowo bei Omsk in Sibirien?

Nein, dort wächst nichts. Wir haben Wein behandelt, verschnitten und abgefüllt. Ich habe vor allem viel im Labor gelernt. Später wurde ich Haupttechnologin für eine sehr umfangreiche Spirituosenproduktion.

Jetzt sind Sie für den Keller des größten Weinerzeugers verantwortlich. Wie viele Flaschen produzieren Sie im Jahr?

Etwa eine Million Flaschen, die „Sachsenkeule“ ist das Erkennungsmerkmal. Dieses Jahr werden wir aber auch einen Großhändler beliefern, unser Wein wird dann in normalen Flaschen in Supermärkten wie Netto, Edeka und Kaufland angeboten.

Wie viele Weinsorten stellen Sie her?

24 – alles von Goldriesling über Müller-Thurgau bis zu Scheurebe und Traminer, aber auch Dornfelder, Spätburgunder und Regent. Und Rosé – die ganze Palette.

Kann man die auch alle in der Weinerlebniswelt am Bennoweg in Meißen probieren?

Ja, auch in verschiedenen Variationen, verschiedenen Weinlagen und Geschmacksrichtungen zum Beispiel.

Und welchen trinken Sie am liebsten?

Weißburgunder, er passt immer. Danach Riesling und Chardonnay. Ich mag eigentlich die ganze Vielfalt des Weins.

Das Gespräch führte Olaf Kittel.

Die Siegerweine

  • Bester Wein: Solaris Auslese süß, 2020, Pesterwitzer Jochhöhschlösschen,Gut Pesterwitz
  • Bester Schaumwein: Riesling Sekt bA, brut, 2018, Schloss Wackerbarth
  • Bester trockener Weißwein: Cabernet blanc QbA, 2020, Radebeuler Johannisberg, Weingut Hoflößnitz

Goldmedaillen:

  • Sekt rosé bA, extra trocken, „Hommage Rosé“, Schloss Wackerbarth;
  • Goldriesling QbA, trocken, 2020, Schloss Proschwitz;
  • Müller-Thurgau QbA, trocken, 2020, Jochhöhschlösschen, Gut Pesterwitz;
  • Weißwein Berg und Lust QbA, halbtr., 2020, Radebeuler Lößnitz, Hoflößnitz;
  • Weißburgunder Kabinett, trocken, 2020, Jessener Gorrenberg, WeingutHanke;
  • Chardonnay Kabinett, trocken, 2019,Jessener Gorrenberg, Weingut Hanke;
  • Kerner QbA, trocken, 2020, Weingut Aust;
  • Kerner QbA, trocken, 2020, Radebeuler Lößnitz, Weingut Hoflößnitz;
  • Bacchus QbA, trocken, 2020, Pesterwitzer Jochhöhschlösschen, Gut Pesterwitz;
  • Morio Muskat QbA, halbtrocken, 2020, Winzergenossenschaft Meißen;
  • Riesling Spätlese, lieblich, 2019, Radebeuler Paradies, Wackerbarth;
  • Blanc de Noir, Spätburgunder rosé, halbtrocken, 2019, Schloss Proschwitz

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