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Zu viel Wild, zu wenige Jäger

Dem Staatsbetrieb Sachsenforst, der rund 40 Prozent der sächsischen Wälder pflegt, fehlen Jäger. Er fürchtet ansonsten um die Baumbestände. Der Landesjagdverband sieht die Lage entspannter.

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© dpa

Pirna. Die staatseigenen Wälder Sachsens dürften aus Sicht von deren Verwaltung gern mehr Grünröcke durchstreifen. Vor allem in ländlichen Regionen wie dem Erzgebirge und der Sächsischen Schweiz sei der Bedarf groß, sagte Hubert Braun, Geschäftsführer des Staatsbetriebs Sachsenforst.

Dagegen gebe es in den Ballungsräumen um Leipzig und Dresden reichlich und auch junges Jagdpersonal. „Ein gesunder Wald braucht angepasste Wildbestände. Rehe und Hirsche schlagen an Bäumen ihr Geweih ab oder fressen die Rinde - und natürliche Feinde fehlen“.

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Beim Sachsenforst, der für rund 40 Prozent der sächsischen Wälder zuständig ist, jagen derzeit auch 820 Privatjäger. Schon diese Zahl konstant zu halten, sei nicht leicht, sagte Behörden-Sprecher Daniel Thomann. Jäger aus den Städten aufs Land zu holen, sei auch keine Lösung. „Wenn ich immer erst 80 Kilometer fahren muss, dann gehe ich nicht dreimal die Woche zur Jagd.“ Der ideale Jäger sei mehrmals die Woche aktiv, das sei aber nicht der Maßstab.

Der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes, Steffen Richter, sieht die Situation auf den ganzen Freistaat bezogen weniger kritisch. „Insgesamt ist die Zahl der Jagdschein-Inhaber zuletzt gestiegen.“ 2013 habe es rund 11.000 Jäger mit Jagdlizenz gegeben. „Damit ist Sachsen an sich ganz gut aufgestellt.“

Prinzipiell kann laut Richter jeder Jäger werden. Voraussetzung seien ein polizeiliches Führungszeugnis und eine Jagdlizenz. Um die Lizenz zu erhalten, müssten Interessenten in Sachsen eine theoretische Prüfung und eine Schießprüfung bestehen, die der Landesjagdverband und verschiedene private Schulen anböten. „Früher war es die Landbevölkerung, die jagte. Heute ist es die ganze Breite der Gesellschaft, Facharbeiter, Akademiker, Jugendliche in Begleitung.“ (dpa)