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Faustdicke Überraschung vor der Tour

Bei der Rad-Meisterschaft auf dem Sachsenring gewinnt ein Außenseiter. Doch die gute Nachricht kommt von einem, der nicht starten konnte.

Der Sieger breitet schon die Arme aus: Marcel Meisen gewinnt den Sprint auf dem Sachsenring. Favorit Pascal Ackermann (3. v. l.) wird Zweiter.
Der Sieger breitet schon die Arme aus: Marcel Meisen gewinnt den Sprint auf dem Sachsenring. Favorit Pascal Ackermann (3. v. l.) wird Zweiter. © dpa/Hendrik Schmidt

Ein Querfeldeinfahrer hat den Rad-Stars die Schau gestohlen. Marcel Meisen holte sich am Sonntag bei der deutschen Meisterschaft auf dem Sachsenring völlig überraschend den Titel und fügte dem hochfavorisierten Bora-hansgrohe-Team einen empfindlichen Dämpfer sechs Tage vor dem Tour-de-France-Start zu. Dessen Top-Fahrer Pascal Ackermann, Meister von 2018, musste sich mit Platz zwei begnügen. Dritter wurde Alexander Krieger, Teamkollege von Meisen beim Rennstall Alpecin-Fenix.

„Meisen, wer?“ Der 31-Jährige aus Stolberg ist eigentlich im Querfeldeinsport aktiv, wurde dort bereits fünfmal Meister – zuletzt Anfang des Jahres. Auf der Straße hatte ihn niemand auf der Rechnung. Nun tritt er die Nachfolge von Maximilian Schachmann an, der wegen eines Schlüsselbeinbruchs fehlte. Nachdem kein Ausreißversuch erfolgreich war, kam es nach 168 Kilometern auf dem Rundkurs zum Sprint-Finale. Wer sollte schon den Giro-Etappengewinner Ackermann schlagen?

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Für Bora ist es eine Pleite vor der am Samstag in Nizza beginnenden Tour de France, wo sie Emanuel Buchmann auf das Podium bringen wollen. Der 27-Jährige verzichtete auf eine Teilnahme, nachdem er eine Woche zuvor beim Criterium du Dauphine auf einer Abfahrt schwer gestürzt war und sich starke Prellungen an Rücken und Gesäß zugezogen hatte. Die gute Nachricht: Er trainiert wieder. „Der Schmerz in meinem Rücken ist immer noch da, aber auf dem Rad ist es besser als beim Gehen“, meldete Buchmann per Instagram aus dem Höhencamp im italienischen Livigno. „Im Moment liegt der Fokus auf Physiotherapie, aber ich bin optimistisch, dass für die Tour de France alles in Ordnung sein wird.“

Sportdirektor Enrico Poitschke dämpft jedoch die Erwartungen an den Vierten des Vorjahres. „Es kostet ein paar Prozent. Bei der Tour machen ein paar Prozent viel aus“, sagte Poitschke am Sachsenring. Man müsse so realistisch sein, „dass es ganz schwer wird, das zu erreichen, was wir vor hatten. Der Sturz ist einfach extrem negativ gewesen.“ Man müsse nicht verwundert sein, wenn das kleine Bisschen fehlt.

Zuversichtlich äußerte sich Poitschke zu einem Tour-Start von Schachmann, der bei der Lombardei-Rundfahrt von einem Auto angefahren worden war und sich das Schlüsselbein gebrochen hatte. „Es hat sich gut entwickelt. Wenn sich in den Einheiten, die von der Belastung wettkampfnah gefahren werden, nichts Negatives ergibt, denke ich, dass er starten kann“, sagte Poitschke, der seine eigene Karriere als Rad-Profi beim RSV Niesky begonnen hatte und bis 2008 international gefahren war.

Die Deutsche Meisterschaft sollte im Juni in Stuttgart ausgetragen werden. Nach der Absage wegen der Corona-Pandemie sprang wie 2019 der Sachsenring als Ausrichter ein. 1.000 Zuschauer waren zugelassen, die Fahrer mussten außerhalb des Rennens Mundschutz tragen. Bei den Frauen verteidigte Ex-Weltmeisterin Lisa Brennauer ihren Titel. Die 32-Jährige siegte nach 96 Kilometern vor Charlotte Becker und Tanja Erath. „Das war alles andere als einfach. Meine Teamkolleginnen haben viel für mich gearbeitet“, sagte sie. (dpa, mit sid)

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