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Sachsens Eltern drängen weniger auf Wunschschulen

Die Zahl der Widersprüche gegen die Zuweisungen ist dieses Jahr deutlich gesunken. Zwei Drittel von ihnen scheitern.

Von Andrea Schawe

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Dresden. Es scheint eine Trendwende zu sein: In diesem Schuljahr wollten weniger Eltern ihr Recht auf freie Schulwahl mithilfe eines Rechtsanwalts durchsetzen. Zu Beginn des Schuljahres haben Eltern in insgesamt 128 Fällen gegen die Aufnahmebescheide beim Wechsel an eine weiterführende Schule oder bei der Einschulung an der Grundschule Widerspruch eingelegt. In sechs Fällen haben die Eltern vor Gericht geklagt. Das geht aus einer Antwort von Kultusminister Christian Piwarz (CDU) auf eine Anfrage der Grünen hervor.

Vor allem in den Regionalstellen Dresden und Leipzig waren die Eltern nicht mit der zugewiesenen Schule einverstanden. Allein 55 Widersprüche gingen in der Landeshauptstadt ein. Die Hälfte richtet sich gegen die Einschulung an einer Grundschule: Viele Eltern wollen, dass ihr Kind auf eine Schule außerhalb des Schulbezirks geht. Das Landesamt für Schule und Bildung sah dafür allerdings keinen wichtigen Grund. So scheiterten etwa Dresdner Eltern, die ihre Kinder auf die Grundschule in Freital-Pesterwitz schicken wollten.

Einige Verfahren erledigen sich durch die Rücknahme des Widerspruchs nach einem Gespräch mit den Eltern, durch die Anmeldung an einer anderen Schule oder einen Umzug. Strittig sind vor allem die Auswahlverfahren. Wie die Schüler ausgewählt werden, entscheidet jede Schule selbst. Meist findet ein Losverfahren statt, die Länge des Schulwegs und bereits aufgenommene Geschwister spielen eine Rolle.

Fast zwei Drittel aller Widersprüche sind nicht erfolgreich. Die Schulen haben keine freie Kapazität oder das Auswahlverfahren war korrekt, heißt es in der Begründung. Insgesamt waren weniger Fälle als im Vorjahr erfolgreich. In nur 43 Fällen durfte das Kind doch auf die gewünschte Schule gehen. Meistens wurden im Nachhinein noch Plätze frei. In einigen Fällen war das Auswahlverfahren fehlerhaft – etwa am Gymnasium in Dresden-Bühlau und dem Werner-Heisenberg-Gymnasium in Leipzig. Ein Teil der Eltern hat auch eine andere Schule als die zugewiesene oder die gewünschte akzeptiert.

Bisher stieg die Zahl der Verfahren, innerhalb von zwei Jahren hatte sie sich verdreifacht. Im vergangenen Schuljahr gingen noch 232 Widersprüche ein, 39 landeten vor Gericht. Im Schuljahr 2016/17 waren es 190 Widersprüche. Das Kultusministerium will die Entwicklung in den nächsten Schuljahren abwarten. Es sei nicht so, dass die Klassen in diesem Schuljahr leerer sind oder mehr Plätze zur Verfügung stehen. Am Prozedere habe sich nichts geändert, so Sprecherin Susann Meerheim. „Vielleicht ist die Akzeptanz der Eltern gestiegen.“ Um valide Aussagen über Gründe zu treffen, sei es aber noch zu früh.