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Kita-Gruppen in Sachsen viel zu groß

Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung rangiert Sachsen beim Personalschlüssel weiter an vorletzter Stelle. Ihr hartes Urteil: Im Freistaat bleibt gute Qualität in der frühkindlichen Bildung auf der Strecke.

© dpa

Von Carola Lauterbach

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Das Symbol ist ein Schlüssel mit einem lachenden Gesicht. Die Devise heißt: Weil Kinder Zeit brauchen. Seit Jahren haben sich Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften und Eltern in Sachsen vereint, um für einen besseren Personalschlüssel in den Kitas zu kämpfen. Bislang wenig erfolgreich.

Rückendeckung kommt nun aus Gütersloh. Die dort ansässige Bertelsmann Stiftung, die seit sechs Jahren die Entwicklung der Kindertageseinrichtungen bundesweit beobachtet, stellt heute ihren aktuellen Ländermonitor vor. Ihr hartes Urteil: In Sachsen bleibt in der frühkindlichen Bildung gute Qualität auf der Strecke.

Die Kritik ist keinesfalls auf die Arbeit der Erzieherinnen gerichtet. Im Fokus steht der Personalschlüssel in Sachsens Kitas, der demnach „erheblich von einem kindgerechten und pädagogisch sinnvollen Betreuungsverhältnis abweicht“. Empfohlen wird bei den unter Dreijährigen ein Personalschlüssel von 1 zu 3 und bei den über Dreijährigen von 1 zu 7,5. Tatsächlich hat eine Erzieherin hierzulande in der Krippe sechs und in der Kita 13 Kinder zu betreuen, was aber auch nur ein theoretischer Wert ist. Bedingt durch Teamgespräche, Fortbildung oder Urlaub, heißt es in der Studie, könne eine Erzieherin höchstens 75 Prozent ihrer Arbeitszeit der pädagogischen Arbeit widmen. Somit ist das tatsächliche Betreuungsverhältnis etwa in Krippen 1 zu 9 . Im Ranking der Bundesländer verharrt Sachsen damit weiter auf dem vorletzten Platz. Nur noch Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern weisen schlechtere Werte auf. Eine Erzieherin in einer sächsischen Kita betreut heute doppelt so viele Kinder wie ihre Kolleginnen in Bremen oder in Baden-Württemberg.

Damit im Freistaat die von der Stiftung empfohlenen Richtwerte umgesetzt werden können, bedürfe es nach deren Berechnungen 16.700 Erzieherinnen in Vollzeit zusätzlich. Dies würde Personalkosten in Höhe von über 730 Millionen Euro entsprechen, was nahezu eine Verdoppelung der jetzigen Kosten bedeutete. „Das ist eine gewaltige Kraftanstrengung, die sich aber lohnt“, sagt Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Schließlich sei „die Kita-Qualität entscheidend für ein gutes Aufwachsen und faire Bildungschancen aller Kinder“. Politik und Praxis müssten sich auf bundesweite kindgerechte Standards einigen, die in einem Bundes-Kita-Gesetz geregelt werden sollten. Dabei sei zu definieren, welche Unterstützung der Bund leistet.