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Sachsens Finanzminister findet im Zwinger Millionen

Der Wallpavillon wird bis 2017 saniert. Gestern gab es dort einen spektakulären Fund.

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© sächsische zeitung

Von Peter Ufer

Zwischen seinen Fingern hält Georg Unland große Scheine. Dann gesteht der sächsische Finanzminister. „So viel Geld hatte ich noch nie in meinen Händen.“ Es sind über 200 Millionen, die der CDU-Politiker am Montag aus einer Schatulle holt. Und eine Briefmarke im Wert von einer Milliarde findet er auch noch.

Die Kupferhülsen und die Kassetten von damals und von heute.
Die Kupferhülsen und die Kassetten von damals und von heute. © sächsische zeitung
Bildhauer Manfred Wagner mit seiner Dokumentation aus dem Jahr 1963.
Bildhauer Manfred Wagner mit seiner Dokumentation aus dem Jahr 1963. © sächsische zeitung

Der Fund lag seit 1925 in einer Kupferkassette, eingemauert in dem Wallpavillon im Zwinger. Unland bleibt gefasst, als er feststellen muss, dass es sich um Scheine aus dem Jahr 1923 handelt. Die Inflation fraß damals die Werte auf und heute hat das bedruckte Papier nur noch museale Bedeutung. Aber immerhin gelang es in den 1920er-Jahren, die Schäden des Ersten Weltkrieges an dem Dresdner Denkmal zu beseitigen. Und die Kassette ist der Hinweis auf die damals abgeschlossene Sanierung.

Gefunden wurde der Schatz vor wenigen Tagen, als die Mitarbeiter der Zwingerbauhütte begannen, den Wallpavillon wieder zu sanieren. Für 4,4 Millionen Euro soll er bis 2017 erneuert werden. Immerhin ist es 52 Jahre her, dass Handwerker den Teil des Zwingers aufbauten. Wieder hatte ein Krieg das Denkmal aus dem Jahr 1715 zerstört, diesmal die Bomben am 13. Februar 1945. Und auch dazu und zum Wiederaufbau existiert ein Dokument. Doch während die Millionen aus dem Jahr 1925 nicht bekannt waren, wussten die Mitarbeiter der Bauhütte, dass ganz oben auf dem Pavillon in der Kugel des Herkules Saxonicus eine Kupferkassette liegt. Der Bildhauer Manfred Wagner kennt den Inhalt, denn seine Kollegen und er füllten die Kassette 1963. Der 77-Jährige arbeitete zehn Jahre am Zwinger, drei Jahre davon am großen Giebel des Wallpavillons. 52 Jahre später steht Wagner wieder am Zwinger und betrachtet das Öffnen der Schatulle. Der Finanzminister holt Zehn-Pfennig-Stücke heraus und ein Schreiben. Er zitiert, dass 18 Jahre lang gebaut wurde und der Arbeiter-und-Bauern-Staat zwölf Millionen DDR-Mark dafür bereitgestellt hatte. Außerdem liest er vor, dass sich die Bauleute von damals wünschten, dass nie wieder ein Krieg das Bauwerk zerstören solle. Möge Frieden diesen Ort beschützen. Mehr ist nicht in der Kassette.

Der Finanzminister kommentiert dies mit den Worten: „Sehr dürftig.“ Dabei übersieht er fast eine kleine Visitenkarte. Darauf steht der Name des Dresdner Filmemachers Ernst Hirsch. 1963 filmte er die Fertigstellung des Wallpavillons für die Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens, die Aktuelle Kamera.

Am gestrigen Tag filmt Ernst Hirsch wieder. Er dokumentiert, wie der Finanzminister und der Chef der Zwingerbauhütte Karl Schöppner Geld, Baupläne und Zeitungen in einer neuen Kassette verstauen. Georg Unland weist noch darauf hin, dass seit 1990 immerhin 63 Millionen Euro in die Sanierung des Zwingers geflossen wären. Der Freistaat investiert kräftig in den Erhalt des Barockdenkmals, das August der Starke ab 1709 unter der Leitung des Architekten Matthäus Daniel Pöppelmann und des Bildhauers Balthasar Permoser errichten ließ. Der Kurfürst plante den Zwinger als großen Festplatz und Vorhof zu einem neuen Schloss. Doch daraus wurde nichts. Ihm ging das Geld aus. Unland dagegen hofft, dass diesmal das Geld für eine Komplettsanierung reicht.