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Sachsens Frauen sind am tüchtigsten

Nirgendwo sonst in Deutschland geht ein so hoher Anteil der Frauen zur Arbeit. Vor allem eine Region fällt auf. Auch bei Frauen in Führungspositionen liegt Sachsen vorn

© Symbolfoto: dpa

Georg Moeritz

Chemnitz. Die Arbeitslosigkeit in Sachsen ist zwar höher als in Westdeutschland – aber auch die Beschäftigung. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch aussieht, erklären Arbeitsmarkt-Experten wie Iris Hoffmann mit einem Ost-West-Unterschied bei den Frauen: In Sachsen meldet sich ein höherer Anteil der Frauen als im Westen und sucht eine Stelle, sagt die Sprecherin der Agentur für Arbeit in Pirna.

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Sachsen hat die höchste Beschäftigungsquote bei Frauen: 60,8 Prozent zum Stand Dezember 2014. Seitdem dürfte sie noch etwas gewachsen sein, denn es sind zusätzliche Stellen entstanden, während die Einwohnerzahl geschrumpft ist. Die Quote gibt an, welcher Anteil der Frauen im Alter von 15 bis unter 65 Jahren eine sozialversicherungspflichtige Stelle hat.

Innerhalb Sachsens liegt der Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge an der Spitze, mit 64,8 Prozent. Iris Hoffmann nennt als Gründe die guten Kinderbetreuungsangebote und den traditionellen West-Ost-Unterschied – in der DDR war Frauen-Arbeit selbstverständlich, im Westen nicht unbedingt. Doch die Sprecherin der Arbeitsagentur Pirna weist auch darauf hin, dass in ihrem Landkreis viele Männer mit niedrigem Facharbeiterlohn wohnen. Familien seien daher auf zwei Verdiener angewiesen. Die Nähe zu Dresden macht es möglich, dass aus dieser Region viele Frauen zur Arbeit in die Großstadt pendeln.

Noch höher ist die Frauen-Beschäftigung nur im Landkreis Hildburghausen in Südthüringen. Frank Fleischmann, Sprecher der Arbeitsagentur in Suhl, kennt dafür noch einen Grund mehr als seine Pirnaer Kollegin: Von Südthüringen ist es nicht weit nach Bayern, ins Land mit der höchsten Frauen-Beschäftigungsquote im Westen. Niedrige Quoten gibt es in Städten mit hoher Arbeitslosigkeit wie Gelsenkirchen und Duisburg. Doch auch Universitätsstädte wie Heidelberg und Trier fallen auf: Dort studieren viele junge Frauen, doch sie zählen in dieser Statistik nicht mit, ebenso wie Beamtinnen und Selbstständige.

Ebenfalls in der Vorreiterrolle ist Sachen bei Frauen in Führungspositionen. 35 Prozent der obersten Führungskräfte in sächsischen Unternehmen sind weiblich. Damit liegt Sachsen im bundesweiten Vergleich an der Spitze. Das geht aus einer aktuellen Befragung im Auftrag der Bundesarbeitsagentur von 16 000 Betrieben aus ganz Deutschland hervor. In der zweiten Leitungsebene beträgt der Anteil der Frauen rund 40 Prozent. Insgesamt besetzen damit sachsenweit 45 300 Frauen auf Chefposten, in der zweiten Führungsebene sind es 20 000.

Der Frauenanteil an der Spitze der sächsischen Unternehmen liegt damit vor dem ostdeutschen Durchschnitt von 30 Prozent, im Westen sind nur 23 Prozent der Vorgesetzten weiblich. Auf Platz zwei und drei in der Länderwertung folgen mit Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ebenfalls ostdeutsche Bundesländer. Der höhere Frauenanteil in Ostdeutschland sei zum Teil historisch begründet, hieß es. (mit dpa)