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Sachsens Jugendliche wählen rechts

Die CDU gewinnt die U 18-Wahl in Sachsen. In einigen Wahlkreisen liegt die AfD vorn – ein Zeichen für etablierte rechte Strukturen auf dem Land.

© dpa

Von Andrea Schawe

Nach den vorläufigen Ergebnissen der symbolischen U 18-Bundestagswahl stimmten 15,4 Prozent für die AfD in Sachsen. Das ist bundesweit das zweitbeste AfD-Ergebnis nach Thüringen. Dort wählten 16 Prozent die AfD. Im Bundesdurchschnitt wählten nur 6,8 Prozent die Partei.

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Im Gesamtergebnis ist die CDU in Sachsen stärkste Partei, die SPD liegt auf dem dritten Platz hinter der AfD. Auch kleine Parteien sind bei den Kindern und Jugendlichen beliebt. Unter anderem stimmten 4,8 Prozent der Unter-18-Jährigen für die Satirepartei „Die Partei“, 5,1 Prozent für die Tierschutzpartei und knapp vier Prozent für die Piratenpartei.

„Das Wahlergebnis weist eine starke Rechtsorientierung auf“, sagt Christian Hager, der die Abstimmung in den Dresdner Wahllokalen betreute. „Das ist nicht überraschend.“ In ländlichen Regionen gebe es seit Jahren etablierte rechte Strukturen, die auch ausgebaut werden, sagt der Sozialarbeiter. Er berichtet von Bedrohung der Mitarbeiter in der Jugendarbeit. Bei der Abstimmung der Jugendlichen vor den Landtagswahlen 2014 war die NPD deutlich stärker als die AfD. In diesem Jahr liegt die rechtsextreme Partei bei etwa drei Prozent.

AfD in Bautzen stark

Stark ist die AfD in Bautzen, dem Erzgebirgskreis und dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Dort wird die Partei mit 26 und je knapp 23 Prozent stärkste Kraft vor der CDU. Auch die Direktkandidaten schneiden gut ab. Bei der Auszählung der Erststimmen liegen die Kandidaten der AfD häufig auf Platz 2 hinter der CDU, etwa in Bautzen, Nordsachsen, Meißen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Die Christdemokraten haben bei den Jugendlichen im Erzgebirge und im Vogtland ihre Hochburg. Im Chemnitzer Umland stimmten 36,7 Prozent für die CDU, im Vogtlandkreis 37,6 Prozent. Zweitstärkste Kraft ist die AfD mit 14 Prozent.

In den Großstädten ist der Anteil an SPD-, Grüne- und Linke-Wählern höher. In Leipzig liegen die Grünen mit 18,8 Prozent knapp vor SPD und CDU mit jeweils 18,1 Prozent. Im zweiten Leipziger Wahlkreis gewinnen die Grünen die U-18-Bundestagswahl mit 25 Prozent vor der Linkspartei. Für sie stimmten etwa 21 Prozent der Leipziger Jugendlichen. In Dresden liegt die CDU zwei Prozentpunkte vor den Grünen. „Häufig ist die Wahl der Jugendlichen davon geprägt, was die Eltern wählen“, erklärt Harder. Auch die Argumente für oder gegen eine Partei werden von den Eltern übernommen.

Bereits zum fünften Mal konnten Jugendliche vor einer Bundestagswahl abstimmen. Die U18-Wahl soll nicht nur das politische Meinungsbild der zukünftigen Wähler widerspiegeln, es soll Kindern und Jugendlichen auch das demokratische Prinzip näherbringen und ihr Interesse an Politik wecken. Insgesamt stimmten in Sachsen mehr als 13 700 der Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahre ab. Das sind etwa 10 Prozent der zukünftigen Erstwähler zwischen 14 und 17 Jahren. Sie konnten an 164 Orten in den Wahlkreisen wählen, unter anderem an Schulen und in Jugendclubs.