merken

Sachsens Polizei im Stress

Mehr als 200 Einsätze an Asylunterkünften hat die sächsische Polizei in 20 Monaten gehabt. Die Anzahl fremdenfeindlicher Straftaten steuert erneut auf einen Rekord zu. Aber auch Asylbewerber lösten eine Menge Polizeieinsätze aus. Erschreckend ist aber eine andere Zahl.

© Roland Halkasch

Dresden. Mit der zunehmenden Zahl an Flüchtlingen sowie fremdenfeindlichen Straftaten gerät die sächsische Polizei immer stärker unter Druck. So registriert das für politisch motivierte Straftaten zuständige Operative Abwehrzentrum in Leipzig einen stetigen Anstieg von Angriffen auf Asylbewerber und ihre Unterkünfte. 2013 seien 15 Fälle dieser Art registriert worden, teilte Sprecherin Kathleen Doetsch der Sächsischen Zeitung in Dresden mit. 2014 seien es schon 44 Fälle gewesen. Diese Zahl ist in diesem Jahr bereits fast eingeholt. Bis Ende Juli stellte das Abwehrzentrum 42 solcher Straftaten fest. „Aber die Zahl ist vorläufig“, sagte Doetsch. „Es könnten noch Nachmeldungen kommen.“

Eine von der Sächsischen Zeitung durchgeführte Analyse sämtlicher Polizeiberichte der fünf sächsischen Polizeidirektionen von Januar 2014 bis Ende August 2015 fördert noch höhere Zahlen zutage. Demnach gehen fast 40 Prozent der insgesamt 213 Einsätze an und in sächsischen Asylunterkünften auf das Konto mutmaßlich rechtsextremistischer oder fremdenfeindlicher Taten. Neben tätlichen Übergriffen und Brandanschlägen registrieren die Beamten in diesen 82 Fällen auch Haus- oder Landfriedensbruch, Volksverhetzung, Sachbeschädigung sowie Verstöße gegen das Verbot, Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen zur Schau zu stellen. In mindesten drei Fällen täuschten deutsche Bürger Straftaten zulasten der Asylbewerber vor.

Anzeige
Innovationskraft erwächst aus Forschungsstärke
Innovationskraft erwächst aus Forschungsstärke

Ein Gastbeitrag von Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow

Knapp die Hälfte der 213 Einsätze lösten jedoch die Asylbewerber selbst aus. Ursache waren meist Streitereien zwischen den Flüchtlingen. Am häufigsten ging es dabei um Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Diebstahl, Notrufmissbrauch, Drogenhandel und Raub. Elf der Einsätze waren Razzien, unter anderem wegen des Verdachts auf Drogenhandel in den Heimen in Werdau und Zwickau.

Weiterführende Artikel

Brände, Schüsse, Schlägereien

Brände, Schüsse, Schlägereien

Asylbewerber und ihre Heime sind Schwerpunkt der Polizeiarbeit geworden. Streit unter Flüchtlingen und fremdenfeindliche Angriffe häufen sich. Eine Bestandsaufnahme.

Erschreckend hoch ist die Zahl der Toten und Verletzten: Zwischen Januar 2014 und August 2015 starben sieben Flüchtlinge, mehr als 200 wurden verletzt. Meist war Gewalt unter den Heimbewohnern die Ursache. Das sächsische Innenministerium teilte der Zeitung auf Anfrage mit, durch die Festlegung „bestimmter Mindeststandards bei der Auswahl und Belegung der Objekte“ ließen sich „mittelfristig positive Auswirkungen auf die Sicherheitslage erzielen“. (SZ)