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Sachsen

Sachsens Altersheime nicht immer online

Auch für alte Menschen wird das Internet immer wichtiger. Nicht überall aber passt die Infrastruktur zum gewünschten Mediennutzung.

© dpa/Tim Brakemeier (Symbolfoto)

Dresden. Die Seniorenresidenzen in Sachsen warten zunehmend mit Internet auf. Dabei geht es nach Angaben von Heimträgern nicht allein um den besseren Kontakt der Heimbewohner zu ihren Angehörigen und Verwandten. Auch Video-Sprechstunden der Heimbewohnern mit einem Arzt werden so einfacher. Der Anteil der Internetsurfer ist demnach jedoch relativ gering. Wie gut die Seniorenresidenzen in Sachsen landesweit mit Internet ausgestattet sind, ist nicht bekannt.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen verwies auf Studien des vergangenen Jahres: Laut einer bundesweiten Befragung bietet nur etwas über ein Drittel (37 Prozent) der befragten 575 Pflegeheime ihren Bewohnern WLAN an. Ein kostenfreies Netz gibt es demnach gar nur bei 6 Prozent.

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Dabei ist das Internet für Senioren den Studien zufolge längst nicht uninteressant: Zwar nutzten demnach nur knapp ein Drittel der Senioren das Netz für soziale Netzwerke, dafür stünden jedoch E-Mails und die Informationssuche im World Wide Web hoch im Kurs. So recherchierten 85 Prozent der Internetsurfer ab 65 Jahren im Netz nach Informationen zu Waren und Dienstleistungen, 67 Prozent lasen Online-Nachrichten und -Zeitungen. 2015 orderten 38 Prozent der Onlineeinkäufer ab 65 Jahren Arzneimittel im Onlinehandel.

In Pflegeeinrichtungen nur geringer Bedarf

Bewohner in Sachsens Seniorenresidenzen verfügen nicht immer über einen Internetanschluss. "Bei Sanierungen wird das nachgerüstet. In Neubauten ist es vorhanden" sagte der Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes in Sachsen, Kai Kranich. Das DRK betreibt in Sachsen 34 stationäre Seniorenheime mit zusammen rund 2600 Plätzen und etwa 2100 Mitarbeitern. "Wir wollen die Digitalisierung weiter voran bringen."

Mit Hilfe ambulanter Pflegedienste könnten viele Menschen bis ins hohe Alter zu Hause in den eigenen vier Wänden leben, gab Kranich allerdings zu bedenken. Wenn sie dann in die Senioren-Residenzen kämen, seien viele von ihnen sehr pflegebedürftig. Das Interesse dieser Menschen, im Internet zu surfen oder zu kommunizieren sei in der Regel gering.

So gebe es etwa in der Cafeteria einer Dresdner DRK-Einrichtung einen offenen WLAN-Zugang, berichtete Kranich. Nur zwei der 240 Heimbewohner nutzten diesen jedoch. In einen Heim in Freital bei Dresden können sich die Bewohner in ihren Zimmern einen Internet-Router installieren lassen, 5 von 116 Bewohnern hätten davon Gebrauch gemacht. Ähnlich verhalte es sich in Dippoldiswalde: eine einzige Anfrage. Im Raum Döbeln-Hainichen hingen nutzten Bewohner das Internet, um mit ihren Angehörigen im Ausland in Kontakt zu bleiben.

"Dennoch wird das Internet vor allem für die Betreuer immer wichtiger", sagte Kranich. So lasse sich über das Internet unkompliziert ein Video-Sprechstunden bei einem Arzt organisieren.

Das Web kann auch therapieren

Das Internet spiele in den Heimen zunehmend eine größere Rolle, bestätigte die Pressesprecherin der Arbeiterwohlfahrt in Sachsen, Ulrike Novy. Sie verwies auf therapeutische Möglichkeiten. So gebe es ein Projekt, bei dem Menschen mit Demenz etwa bei Musikvideos mitsingen könnten, Fotos zur Erinnerung sowie Spiele und Rätsel gezeigt würden.

Laut dem privaten Heim-Betreiber K&S verfügen in dessen Seniorenresidenzen alle Zimmer über einen internetfähigen Telefonanschluss. Künftig solle zudem an zentralen Orten wie der Cafeteria ein frei zugängliches WLAN installiert werden, hieß es. Bei weniger technikaffinen Bewohnern sei die "Hallo-Oma"-App des Betreibers sehr beliebt: Mit dieser könnten Verwandte und Freunde den Bewohnern auf digitalem Weg Nachrichten und auch Fotos senden - die dann ausgedruckt und den Empfängern in Papierform überreicht werden. (dpa)