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„Wirtschaft muss Haltung zeigen“

© dpa

Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) fordert von Unternehmern im Freistaat mehr Engagement gegenüber Pegida.

Von Annette Binninger

Dresden. In der Auseinandersetzung mit der asylkritischen Pegida-Bewegung hat Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) die Unternehmer aufgefordert, sich stärker ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen. Das Image, das Sachsen in den vergangenen Monaten bekommen habe, sei „mehr als bedenklich“.

„Darum erwarte ich, dass es ein noch stärkeres und klareres Auftreten aus der Wirtschaft heraus gibt – auch in dem Wissen, dass sich Unternehmer damit gelegentlich der Kritik in der eigenen Firma aussetzen müssen“, sagte Dulig der SZ. „Eine Firmenleitung sollte auch den Mut haben, auf die Konsequenzen hinzuweisen, die dieses Image, das Sachsen zur Zeit nach außen spiegelt, auch für das eigene Unternehmen hat.“ In den Firmen müsse auch über Themen wie Asyl, Zuwanderung und Integration gesprochen werden. „Ich bin froh, dass viele Unternehmer sich dem stellen, aber es könnten ruhig noch ein paar mehr sein“, sagte Dulig.

Jedes Unternehmen bilde mit seiner Belegschaft den Querschnitt der Gesellschaft ab. „Darum muss es erst recht heißen: Haltung zeigen!“ Jeder müsse sich einbringen und nicht nur Lösungen von der Politik fordern. „In Westdeutschland ist das Normalität, in diesem Bereich haben wir – gerade in Sachsen – noch riesigen Aufholbedarf.“,

Solange der Pegida-Protest in dieser Art andauere, gelte es bei allen wirtschaftspolitischen Entscheidungen die Frage zu beantworten: In welcher Kultur leben wir? Sonst drohten alle Hilfen sinnlos zu werden. „Wir können Millionen investieren – Geld für Breitbandausbau ausgeben, ein Riesenpaket von Förderprogrammen schnüren oder sonstige Aktivitäten anschieben“, so Dulig. „Aber wenn wir uns nicht alle bemühen, dass es in Sachsen ein Klima gibt, in dem alle Menschen gut und sicher leben können, in dem man sich wohlfühlt – egal ob man hier geboren ist oder von anderswo herkommt–-, wenn wir also diese weltoffene Kultur nicht schaffen, dann ist alles was wir hier machen nichts wert.“

Dulig forderte die Unternehmer auf, eine Atmosphäre zu schaffen, „in der die Angst vor dem Fremden der Neugier auf andere Menschen weicht“. Dafür gebe es bereits viele Beispiele. „Sachsen braucht Zuwanderung“, so Dulig. Der Freistaat werde künftig schon aus demografischen Gründen auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sein.

Er sei sich sicher, dass „eine große Mehrheit der Sachsen“ weltoffen sei und bereits „eine echte Willkommenskultur lebt“. „Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass eine Minderheit von Unzufriedenen, die Mehrheit in den Schatten stellt und sich anmaßt, für alle Sachsen zu sprechen. Das tun diese Menschen nicht.“