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Was wollen die Katholiken mit dem Sachsensofa?

Bischof Heinrich Timmerevers und Ministerpräsident Michael Kretschmer stellten das Sachsensofa vor. © Sächsische Staatskanzlei

Mit einer ungewöhnlichen Aktion soll die politische Debatte aufs Land geholt werden. Die Opposition spricht von Vorwahlkampf.

Dresden. Die katholische Kirche startet ein eigenes Dialogformat. Das Bistum Dresden-Meißen lädt ab nächster Woche zu Gesprächen auf dem „Sachsensofa“ ein. Sechs Termine sind geplant – vor allem in kleineren Gemeinden unter 5.000 Einwohnern, sagte Thomas Arnold, der Direktor der Katholischen Bildungsakademie. 

Jeweils zwei bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Medien und Zivilgesellschaft nehmen auf dem Sofa Platz und sollen mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen. Am 17. Januar diskutieren Ex-Ministerpräsident Georg Milbradt und der ehemalige Innenminister Heinz Eggert (beide CDU) in Seifhennersdorf darüber, was die Friedliche Revolution und die Wiedervereinigung den Sachsen gebracht hat.

Am 17. Januar sind der ehemalige Innenminister Heinz Eggert und Ex-Ministerpräsident Georg Milbradt (beide CDU) in Seifhennersdorf zu Gast. ©  dpa

„Es ist eine gute Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagte Bischof Heinrich Timmerevers. Zu den eingeladenen Gästen gehören der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der Politik-Professor Werner Patzelt, der Fernsehdirektor des WDR, Jörg Schönenborn, und die ehemalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Diskutiert wird unter anderem über die Funktionsweise des Politikbetriebes, Lobbyarbeit in den Parlamenten, Sicherheits- und auch Umweltpolitik.

Vertreter der Opposition kritisierten die Reihe. Es wurden nur Politiker von CDU und SPD eingeladen. Außerdem wird das „Sachsensofa“ mit 90 000 Euro aus dem Programm „Weltoffenes Sachsen“ gefördert. „Wenn nur hochrangige Vertreterinnen und Vertreter von CDU und SPD bei den Veranstaltungen auftreten können, muss ich zu dem Schluss kommen, dass sich diese Parteien Veranstaltungen im Vorwahlkampf aus Mitteln der Staatsregierung bezahlen lassen“, sagt Katja Maier (Grüne). Linke-Fraktionschef Rico Gebhardt sagte, „der Sinn des Etats für ,Weltoffenes Sachsen‘ besteht nicht darin, dass die katholische Kirche zusammen mit den Mächtigen von heute und gestern ein Podium auf dem Land finanziert bekommt.“

Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte bei der Vorstellung des Programms dafür plädiert, Oppositionspolitiker einzubinden. (SZ/dpa)