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Saddam: „Ich bin Präsident“

Irak. Der Ex-Diktator hat den Prozess für eine politische Rede genutzt.

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Von Anne-Beatrice Clasmann,Kairo

Saddam Hussein weiß, dass schon ein Wunder geschehen müsste, damit er von dem Sondertribunal in Bagdad nicht zum Tode verurteilt wird. Wenn er nicht schon für das Massaker von Dudschail hingerichtet wird, dann möglicherweise nach einem weiteren Prozess. Denn die Liste der Gräueltaten seines Regimes ist lang. Bei seiner Aussage zum Dudschail-Massaker gibt sich der Ex-Diktator ganz so, wie ihn die Iraker aus seiner langen Herrschaft kennen. Er spricht das „großartige irakische Volk“ an und ignoriert die Richter. Den Prozess bezeichnet er als „Komödie“ und verkündet: „Ich bin der Präsident des Irak.“

Die Einwürfe des Vorsitzenden Richters Rauf Raschid Abdul Rahman, der ihn immer wieder ermahnt, sich in seiner Aussage auf die Anklage zu konzentrieren, quittiert er mit einem ironischen Lächeln. Schließlich wird Saddam das Mikrofon abgestellt.

Dass Saddam seinen Auftritt vor Gericht zur Selbstdarstellung nutzt, hat Beobachter nicht überrascht. Was allerdings ausblieb, waren die erwarteten „Enthüllungen“ über Saddams einstige Zusammenarbeit mit Washington, die 1990 mit der irakischen Invasion in Kuwait ein jähes Ende gefunden hatte. Doch eine Erinnerung an diese Kooperation während des Iran-Irak-Krieges (1980–1988) würde auch gar nicht gut in Saddams heutige Verteidigungsstrategie passen. Denn er stellt sich vor allem als Opfer der US-Politik dar und lobt die Aufständischen, die gegen die amerikanischen Truppen kämpfen. (dpa)