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„Sächsisch ist gut für eine Nebenrolle“

In der Elbgalerie Riesa werden am Sonnabend Talente für Film und Fernsehen gesucht. Die SZ sprach mit dem Casting-Chef.

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© Archiv/Sebastian Schultz

Herr Nitschke, Sie haben schon im vergangenen Jahr das Casting in Riesa geleitet. Wie haben sich die Bewerber angestellt?

Der Andrang war letztes Jahr so groß, dass wir uns gar nicht alle Leute ansehen konnten. Es waren gute Teilnehmer dabei. Daher kommen wir ja auch wieder.

Ist es nicht üblich, dass Sie zweimal an denselben Ort kommen?

Das machen wir schon, aber nicht so kurz hintereinander.

Sie sagten, es seien gute Teilnehmer dabei gewesen. Ist jemand „groß rausgekommen“, der sich letztes Jahr in der Elbgalerie vorgestellt hat?

Das kann ich leider nicht sagen. Wir haben 60 bis 80 Castings im Jahr. Wir sehen also Hunderte Bewerber. Da verliert man den Überblick. Dass man später noch mal ein Gesicht wiedererkennt, das man selbst gecastet hat, kommt sehr selten vor.

Aber es kommt vor. Welches Sternchen haben Sie gecastet?

Die Gewinnern der ersten Staffel von Germany’s Next Topmodel etwa, Lena Gercke.

Haben die meisten, die sich bei Ihnen vorstellen, schon Schauspielerfahrung oder sogar eine Schauspielausbildung?

Die meisten sind tatsächlich Laien. Klar, manche, die sich vorstellen könnten, vor der Kamera zu stehen, waren früher mal in der Theater-AG in der Schule oder so. Aber das ist eher die Ausnahme.

Warum machen Sie diese aufwendigen Castings? Gibt es nicht genug arbeitslose Schauspieler und Sänger?

(lacht) Den Produktionsfirmen, die uns als Ufa-Talentbase beauftragen, ist es wichtig, auf ganz verschiedene Typen zugreifen zu können. Besonders, was kleine Sprechrollen angeht, will man ja nicht immer die gleichen Leute sehen. Für einen Roman-Polanski-Film haben wir mal 1200 Statisten gesucht.

Sie suchen also vor allem Leute, die „mal“ durchs Bild laufen?

Nein, nicht nur. Wir haben zum Beispiel vor Kurzem wieder Gesichter für die neue Serie eines Privatsenders gesucht, darunter auch Haupt- und Nebenrollen.

Nun sind wir in Sachsen. Der Dialekt ist in Filmen eher selten zu hören. Sind Sie da nicht in Riesa am falschen Ort?

Stimmt, besonders die Hauptrollen werden eher von Schauspielern besetzt, die hochdeutsch sprechen. In einer Nebenrolle könnte ich mir den Dialekt aber durchaus vorstellen. Letztlich hängt das immer vom Produzenten ab. Wer sächsisch spricht, sollte sich aber nicht davon abhalten lassen, zu uns zu kommen.

Worauf achten Sie beim Casting?

Auf das Talent natürlich. Wenn jemand schauspielern will, bekommt er zwei verschiedene Rollen, in denen der Teilnehmer aufgehen muss. Will jemand singen, achte ich natürlich darauf, dass die Person den Ton hält, aber auch darauf, dass sie einen eigenen Einfluss einbringt.

Wie sind Sie Casting-Leiter geworden?

Wir haben vor mehr als 15 Jahren Kandidaten für Talkshows gecastet. Wir haben dadurch ein großes Netzwerk aufgebaut. Irgendwann hat die Ufa eine Agentur gesucht, die Leute für ihre Film- und TV-Produktionen finden. So ist die Ufa-Talentbase entstanden. Das ist ein wahnsinnig spannender Job, bei dem man natürlich auf viele, viele verschiedene Menschen trifft.

Das Gespräch führte Britta Veltzke.

Ufa Talentbase Film- und TV Casting Show am Sonnabend, 14. Januar in der Riesaer Elbgalerie, 13-18 Uhr. Mitorganisator ist der hiesige Media-Markt.