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Sächsische Ermittler sprengen Netzwerk von Cyberkriminellen

Sie prellen ihre Mittelsmänner, kaufen mit gefälschten Kreditkarten ein und verursachen Millionenschäden. Doch sächsische Ermittler enttarnen die hinterlistigen Betrüger.

© Robert Michael

Sächsische Ermittler haben ein europaweites Netzwerk von Cyberkriminiellen aufgedeckt. Den derzeit 15 Beschuldigten wird vorgeworfen, durch betrügerische Online- Bestellungen Waren im Wert von mehr als 18 Millionen Euro erlangt zu haben, teilten das Landeskriminalamt Sachsen (LKA) und die federführende Staatsanwaltschaft Dresden am Freitag mit.

Mitte Juni wurden in Deutschland und in acht weiteren europäischen Ländern 31 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Der mutmaßliche Chef der Bande, ein Mann mit russischem und moldawischem Pass, wurde in Zypern festgenommen. Zudem gab es Haftbefehle gegen drei weitere Beteiligte. Ihnen wird Hehlerei, Geldwäsche und Computerbetrug vorgeworfen.

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Auf der untersten Stufe des „Geschäftsmodells“ stehen sogenannte Warenagenten, die via Online-Anzeigen als „Logistik-Assistent“, „Paketmanager“ oder „Versandmitarbeiter“ geworben werden. Laut LKA gehen oft Geringverdiener und Studenten auf die Offerten ein, weil ein Nebenverdienst von bis zu 1 500 Euro versprochen wird. An ihre Adresse gehen Online-Bestellungen, die zuvor mit kriminell erlangten Kreditkartendaten bei Händlern bestellt wurden.

Der „Warenagent“ packt die Ware um und schickt sie an eine Adresse ins Ausland, häufig nach Osteuropa. Dort werden die Produkte - hochwertige Elektronik und anderes - über Internetplattformen oder Händler vertrieben. Die „Warenagenten“ gehen meist leer aus, weil sie von der Spitze des Netzwerks geprellt werden, machen sich aber durch ihr Tun strafbar.

Bei dem jetzt ermittelten Fall organisierter Kriminalität hatte ein Mann aus München 2012 den Stein ins Rollen gebracht - durch eine Selbstanzeige. Er war als „Warenagent“ tätig gewesen. 2015 stieß das LKA Sachsen dann auf bandenmäßige Strukturen. „Oft gelingt es nicht, der Täter habhaft zu werden“, erklärte LKA-Chef Petric Kleine. Die Kommunikation untereinander laufe verschlüsselt, die „Warenagenten“ würden die Beschaffer der Kreditkartendaten und Besteller der Ware sowie die Ankäufer selbst gar nicht kennen. Die Täter agierten mit Spitznamen und verschlüsselten Zugängen zum Netz. Im aktuellen Fall wurden seit 2012 rund 36 000 Pakete im Wert von jeweils etwa 500 Euro ins Ausland versandt.

Kleine zufolge ist Waren- und Warenkreditbetrug in Deutschland Alltag. Allein in Sachsen wurden 2017 rund 12 500 Fälle angezeigt - im Schnitt 35 Anzeigen pro Tag. Bundesweit waren es knapp 293 000. Dass ausgerechnet die Ermittler in Dresden den Fall koordinierten - obwohl Sachsen nicht der Hotspot des Betrugs war - ist wohl dem Engagement der hiesigen Staatsanwaltschaft zu verdanken.

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Man müsse erstmal eine Staatsanwaltschaft finden, die Fälle aus anderen Ländern übernimmt, hieß es im LKA. Doch auch in Dresden waren Online-Händler betroffen. Durchsuchungen bei Tatverdächtigen fanden in Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen, in Estland, Lettland, Litauen, der Ukraine, Großbritannien, Finnland, der Schweiz und Zypern statt. (dpa)