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Augusto

Sächsische Industrietradition

Eines der architektonisch ungewöhnlichsten Bauwerke Dresdens steht am Rande der Friedrichstadt:

© Andreas Metallerreni

die Yenidze in der Weißeritzstraße. Heute Bürogebäude und Restaurant zeugt das von 1908 bis 1909 errichtete und orientalisch anmutende Gebäude von einstigen Glanzzeiten der Tabakindustrie in Sachsen. Allein in Dresden gab es um die Jahrhundertwende rund 60 Tabakfabriken, die meisten davon in Striesen. Auch während der DDR-Zeit blieb Dresden mit dem VEB (Vereinigte Dresdner Zigarettenfabriken) ein bedeutender Standort der Tabakindustrie. Wenig blieb von dieser Industrietradition. Bis ins Jahr 2019 produzierte der Philip Morris Konzern als einziges Unternehmen dieser Art in der sächsischen Landeshauptstadt noch Zigaretten, inzwischen jedoch lediglich Dreh- und Stopftabak. Schaut man sich in Sachsen um, finden sich noch vereinzelt kleinere Museen und Zigarren-Schauwerkstätten, unter anderem in Waldheim und im Museum Rittergut Frankenberg.

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Ein besonderes Ritual, das entspannend wirken kann

Dass Raucher durchaus nicht nur zur Zigarette greifen, belegen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis): 74 Milliarden Zigaretten setzte der Handel demnach im Jahr 2018 insgesamt ab, was im Vorjahresvergleich immerhin einem leichten Rückgang um 1,9 Prozent entspricht. Leichte Anstiege verzeichnet diese Statistik hingegen bei Feinschnitt und Pfeifentabak. Um 6,5 Prozent stieg der Absatz von Zigarren und Zigarillos – auf insgesamt rund drei Milliarden Stück. Auch wenn nach wie vor die meisten Raucher Zigaretten konsumieren – warum entscheiden sie sich zunehmend für Zigarren? Vielleicht, weil Zigarrenrauchen vom Anschnitt über das Anzünden bis hin zum ersten Zug einem Ritual gleicht. Oder weil eine gute Zigarre Geschmack und Aroma erst langsam entfaltet. Möglicherweise wollen sie sich einfach etwas Besonderes gönnen: Zigarren gelten nach wie vor als Luxusgut und werden teilweise sogar in exklusiven – und dementsprechend hochpreisigen – Sondereditionen produziert. Traditionell bestehen Zigarren aus Einlage, Umblatt und Deckblatt, von Hand kunstvoll gerollt. Im Gegensatz zu Zigaretten lassen sich Zigarren nur sehr langsam und ruhig rauchen, was so mancher als echte Entspannung empfindet.

Ein Kubaner rollt kunstvoll Zigarren – mitten in Dresden

Zu den traditionsreichsten Herkunftsländern guter Zigarren zählt Kuba. Seit Jahrhunderten entstehen hier in Handarbeit Zigarren. In Havanna und anderen Orten kann man den Zigarrendrehern – auch Torcedores genannt – in den Tabakfabriken bei der Arbeit zuschauen. Allerdings muss man als Dresdner oder Dresdnerin nicht unbedingt bis nach Kuba reisen, um dieses faszinierende Kunsthandwerk aus der Nähe zu beobachten. Ganz in der Nähe der Yenidze befindet sich in der Maxstraße die Zigarren Manufaktur Dresden mit einer Schauwerkstatt. Hier zeigt Lazaro Javier Schritt für Schritt, wie eine Zigarre entsteht. Er kam vor vielen Jahren aus Havanna nach Dresden und brachte seinen großen Erfahrungsschatz mit. Schon seine Mutter arbeitete in der Zigarrenfabrik H. Uppmann, wo auch der Habanero sich ausbilden ließ. Der leidenschaftliche Torcedor spezialisierte sich auf die Herstellung komplett handgefertigter Zigarren und arbeitete als Qualitätsmanager für Fertigprodukte in der Partagás Fabrik in Havanna. In der offenen Manufaktur, in Workshops oder anderen Veranstaltungen teilt Lazaro Javier sein Wissen gern mit Interessierten. Ganz nebenbei erzählt er viele Geschichten rund um die Zigarre und die Geheimnisse guter Tabakkompositionen.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur J.-P. Kühnert.