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Sächsischer Mittelstand fürchtet Hackerangriffe

Cyberkriminalität macht vor Unternehmen im Freistaat nicht Halt. Dabei geht es eher um Bereicherung als um Sabotage.

© dpa

Von Alexander Buchmann

Dresden. Fast jedes fünfte mittelständische Unternehmen wurde bereits durch Viren oder Trojaner geschädigt. Weitere 69 Prozent sehen sich davon bedroht. Das ist ein Ergebnis der neuen Commerzbank-Mittelstandsstudie, die am Dienstag in Dresden vorgestellt wurde. Dafür waren deutschlandweit Führungskräfte von über 2 000 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 2,5 Millionen Euro befragt worden, darunter 84 in Sachsen.

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Das Ergebnis: Fast drei viertel der Unternehmer sehen Hackerangriffe als reale Bedrohung an. Neun Prozent wurden bereits angegriffen. Bei genauso vielen Mittelständlern sind Betriebsgeheimnisse gezielt ausgespäht worden und jeder Zehnte wurde schon Opfer digitaler Betrüger, die sich finanziell bereichern wollten. Gezielte Sabotage von Produktions- und Betriebsabläufen, beispielsweise durch Wettbewerber, halten indes 73 Prozent der Befragten für unrealistisch.

Trotz der Furcht vor Cyberkriminalität nutzt jeder zehnte mittelständische Betrieb noch immer keine Sicherheitsmaßnahmen wie Firewall oder Virenschutz. Deutschlandweit sind es nur halb so viele. Auch Daten-Backups und Passwortschutz werden von acht beziehungsweise 13 Prozent nicht genutzt.

Dabei sind die Angriffe auf Datennetze in Sachsen im vorigen Jahr fast ein Viertel gestiegen. Laut einer Studie des amerikanischen IT-Sicherheitsunternehmens Norton by Symantec sind 2017 deutschlandweit 23 Millionen Menschen Opfer von Cyberkriminalität geworden. Der Gesamtschaden: knapp 2,2 Milliarden Euro.

Schwerpunkt der Commerzbank-Befragung war die Nutzung von Daten, dem „Rohstoff des 21. Jahrhunderts“, wie es in der Studie heißt. In Sachsen bemühen sich mit 88 Prozent besonders viele Unternehmen darum, Daten nutzbar zu machen. Der Bundesschnitt liegt bei 79 Prozent. Bei der automatischen Auswertung der Daten belege Sachsen sogar den Spitzenwert in Deutschland, erklärt Burkhard von der Osten, Niederlassungsleiter der Commerzbank in Dresden. Erfasst werden zumeist interne Daten, zum Beispiel zur Auslastung der Ressourcen. Externe Daten über die Kundenzufriedenheit, individuelle Kundenprofile und die Produktnutzung sammeln nur 16 Prozent. Das ist aber der zweitbeste Wert im regionalen Vergleich. „Der Mittelstand in Sachsen ist bei der Nutzung von Big Data vergleichsweise gut aufgestellt“, teilt die Commerzbank mit.