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Sag’ leise Servus

Das Sanierungsgebiet Innenstadt ist nach 27 Jahren beendet worden. Ein paar Spielereien waren noch drin.

© Dietmar Thomas

Von Jens Hoyer

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Döbeln. Sozusagen die letzten Zuckungen des Sanierungsgebietes Innenstadt haben die Döbelner in der vergangenen Woche zur Kenntnis nehmen können. In der Fronstraße wurden zwei Parabolspiegel aufgestellt, über die man erst einmal rätseln kann. Es sind eine Art Flüstertüten, eine physikalische Spielerei für Kinder. Die sollen sich dank Richteffekt über 30 Meter miteinander unterhalten können. Die Stadt hat diese Spielereien mit den letzten Sanierungsmitteln angeschafft. Die meisten Hausbesitzer in der Innenstadt, in Summe 248, hatten die sogenannten Sanierungsbeträge in Höhe von insgesamt reichlich 670 000 Euro freiwillig bezahlt. Die Stadt setzte das Geld ein, um die Stadt für Familien attraktiver zu machen. Dazu waren schon Betontiere aufgestellt worden. Auch der neue Spielplatz im Braunschen Garten an der Mulde wurde damit finanziert.

Die Sanierungsbeträge hatte die Stadt aus den Wertsteigerungen berechnen lassen, die die Grundstücke im Sanierungsgebiet durch den Einsatz der Fördermittel erfahren hatten. Wer freiwillig zahlte, bekam Abschläge von 20 oder zehn Prozent. Wer nicht freiwillig bezahlt hat, bekommt voraussichtlich im neuen Jahr einen Bescheid über die volle Summe. Rund 230 000 Euro von 72 Eigentümern muss die Stadt noch eintreiben. Die Stadtentwicklungsgesellschaft (Steg), die das Sanierungsgebiet für Döbeln betreut, zieht in der Abrechnung von der Summe vorausschauend 20 Prozent wegen des Prozessrisikos ab.

Der Stadtrat hat in seiner vergangenen Sitzung den Schlussstrich unters Sanierungsgebiet gezogen – in einem formellen Akt ist nach 26 Jahren die Aufhebung der Sanierungssatzung Innenstadt beschlossen worden. In dieser Zeit wurden rund 14 Millionen Euro Zuschüsse, die je zu einem Drittel von Bund, Land und Stadt kamen, bei 56 private Sanierungen und 37 Abbrüchen eingesetzt. Dazu kamen öffentliche Vorhaben wie die Neugestaltung des Ober- und des Niedermarktes, in dessen Zuge auch die Schienen für die Pferdebahn verlegt wurden. Insgesamt seien durch diese Zuschüsse Investitionen von rund 100 Millionen Euro in der Innenstadt ausgelöst worden, sagte Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU).

Für den Baudezernenten Thomas Hanns, der das Sanierungsgebiet praktisch von den Anfängen 1991 an begleitete, ist das Projekt epochal. „Das hat es in 1000 Jahren Geschichte Döbelns noch nicht gegeben. Die Stadt war noch nie in so einem Sanierungszustand“, sagte er.

Nicht ganz so erfolgreich war Döbelns zweites Sanierungsgebiet an der Dresdner und Oschatzer Straße, das ebenfalls beendet wurde. Bescheidene Erfolge hatte es aber auch da gegeben. Seit 1996 waren rund 1,72 Millionen Euro Zuschüsse eingesetzt und damit 26 private Sanierungsvorhaben unterstützt worden. Dazu kommen zwei Vorhaben zum Sichern und Abbrechen von Gebäuden. Unter anderem wurde die Industriebrache der ehemaligen Möbelfabrik unter Einsatz von Sanierungsmitteln fürs Wohnen ausgebaut, so Christine Borstorff von der Steg. Auch den Bau eines Rückhaltebeckens im Pommlitzgrund hatte die Stadt mit Sanierungsmitteln realisiert. Das liegt zwar außerhalb des Gebietes, ist aber für den Stadtteil von großer Bedeutung, um die Hochwassergefahr einzudämmen.

Mit der Aufhebung der Satzungen können auch die sogenannten Sanierungsvermerke in den Grundbüchern getilgt werden. In den vergangenen über 20 Jahren waren die Hausbesitzer an gewisse Spielregeln gebunden. Bei jedem rechtsverbindlichen Vertrag musste eine Genehmigung erteilt werden, sagte Hanns. „Damit sollte verhindert werden, dass jemand etwas in einer Form verändert, die dem Sanierungsziel widerspricht, dass das Sanierungsverfahren erschwert wird oder dass ein Grundstück für einen Kredit mit Grundpfandrechten belastet, aber das Geld nicht für die Sanierung eingesetzt wird. In den ersten Jahren war das sehr wichtig.“