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Sagan siegt

Nach dem Aus vieler Sprinter in den Alpen rast der Slowake bei der Tour zum Tageserfolg.

© dpa

Von Manuel Schwarz und Andreas Zellmer

Freie Fahrt für den Weltmeister: Nach dem Alpen-Aus der Sprintelite ist Radprofi Peter Sagan bei der 105. Tour de France zu seinem dritten Etappensieg gerast. Der slowakische Kapitän des deutschen Bora-hansgrohe-Rennstalls zementierte die Machtverhältnisse unter den verbliebenen schnellen Fahrern im Feld und baute die Führung in der Punktewertung aus. Der sechste Gewinn des Grünen Trikots ist ihm kaum noch zu nehmen.

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Derweil verzichtete André Greipel beim Zwangsabschied auf polternde Anklagen, rang sich ein Lächeln ab und redete sich dennoch den Ärger von der Seele. Einen Tag nach seiner Aufgabe auf dem beschwerlichen Weg nach L’Alpe d’Huez kritisierte er die Verantwortlichen für eine Streckenwahl der Extreme. Erst die Kopfsteinpflaster-Schinderei nach Roubaix, dann nach einem Ruhetag drei knüppelharte Alpen-Etappen – das war zu viel für den Rostocker und vier andere Sprinter. „Für mich ist dieses Spektakel einfach zu viel gewesen in diesem Jahr“, kritisierte Greipel.

Um Sekunden kämpfende Radprofis mit verzerrten Gesichtszügen auf steilen Bergrampen, flankiert von ekstatischen Fans, und alles eingebettet in ein spektakuläres Naturpanorama: Solche Bilder und Szenen wollen die Ausrichter produzieren. Es ist normal, dass Fahrer aufgeben. Fünf der besten Sprinter mit 60 Etappenerfolgen waren ein noch nie gesehener Verschleiß. Neben dem elffachen Tagessieger Greipel erwischte es auch Marcel Kittel (14), Mark Cavendish (30), Dylan Groenewegen (drei) und Fernando Gaviria (zwei).

„Ist es richtig, dass der Kampf um den Tages- oder Gesamtsieg so erschöpfend ist, wie rechtzeitig das Ziel zu erreichen?“, fragte Greipels Adjutant Marcel Sieberg, der ebenfalls aufgeben musste. Auch Kittels Helfer Rick Zabel stieg vorzeitig aus.

Rolf Aldag kann die Aufregung um die Route nicht nachvollziehen – und das, obwohl er als sportlicher Leiter bei der südafrikanischen Mannschaft Dimension Data mit Cavendish seinen Kapitän verlor. „Die Strecke ist seit Oktober bekannt, und die Rennställe hatten bis Juli die Chance, das passende Team aufzustellen“, sagte er. „Der Parcours ist für die Organisatoren auch eine Testphase für die Zukunft.“

Die Veranstalter nahmen 2018 zwei sehr kurze Teilstücke auf. Nächste Woche folgt in den Pyrenäen eine Etappe über 65 Kilometer und drei schwere Anstiege. „Da wird dann von Anfang an Vollgas gefahren. Das ist für Sprinter natürlich schlecht“, sagte Aldag. Greipel hatte auf der 12. Etappe keine Chance. „Aus eigener Kraft hätte ich es nicht geschafft“, sagte er. „Ich habe eine Vorbildfunktion und möchte nicht, dass Leute am Straßenrand auf mich zeigen und sagen: ,Guck mal, der Greipel hält sich am Auto fest.‘“

Solche Schummeleien kommen immer wieder vor. Vincenzo Nibali ließ sich bei der Vuelta 2015 von einem Fahrzeug ziehen und wurde ausgeschlossen. Am Donnerstag gehörte er zu den großen Verlierern. Der Tour-Sieger von 2014 kam auf dem finalen Anstieg nach L’Alpe d’Huez aufgrund einer Zuschauer-Berührung zu Fall, beendete die Etappe unter Schmerzen und musste wegen eines Wirbelbruchs aufgeben. Er war genauso ein Podestkandidat hinter dem dominierenden Sky-Duo Geraint Thomas und Christopher Froome wie Rigoberto Uran. Der Tour-Zweite von 2017 stieg aufgrund der Folgen eines Sturzes auf dem Kopfsteinpflaster-Tagesabschnitt nach Roubaix aus. (dpa mit sid)