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Saisonaus für Jenny Elbe?

Die Dreispringerin plagt sich immer noch mit einer Knieverletzung. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Von Alexander Hiller

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Jenny Elbe fühlt sich nicht richtig wohl. Und das auf ihrer Couch. Die Dreispringerin vom Dresdner SC würde sich viel lieber im Stadion oder im Kraftraum für spektakuläre Weiten schinden. Die Realität sieht für die mehrfache deutsche Meisterin bitter aus. „Vielleicht“, so sagt sie leise, „kann ich bei der deutschen Meisterschaft im August springen – oder die Saison ist ganz hin. Aber selbst wenn ich antreten könnte, wäre ich kaum konkurrenzfähig“.

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Jenny Elbe wollte nach Tokio 2020 einen Schlussstrich ziehen. Doch ein Gleitwirbel lässt der 29-jährigen Dreispringerin keine Ruhe.

Ein Blick zurück. Anfang Mai zog sich die 27-Jährige im Trainingslager eine Knieverletzung zu. „Bei mir wurde ein Knochen-Ödem diagnostiziert, das Außenband sei intakt, wenngleich einige Fasern verloren gegangen sein könnten“, sagte Elbe. Voraussichtliche Heilungsdauer: drei bis maximal sechs Wochen. Damit wäre Jenny Elbe jetzt also gesund, fast schon wieder fit. So weit die Theorie. In der Praxis hat die gebürtige Karl-Marx-Städterin noch nicht ein spezifisches Dreisprungtraining in Dresden in dieser Sommersaison absolviert. An einen Saisoneinstand ist noch nicht zu denken. Im verletzten rechten Bein tauchen immer wieder unerklärliche Schmerzen im Wadenbeinköpfchen auf. „Ich konnte aufgrund meiner Verpflichtungen im Studium auch nur wenig Physiotherapie machen“, betont die Athletin.

Also ließ Jenny Elbe vom Pirnaer Osteopathen Stefan Haustein ihren Körper durchchecken. Der Mediziner brachte die Hals- und Kopfgelenke der Athletin wieder in die korrekte Lage, nachdem er zuvor einen leichten „Shift“ – eine Schiefstellung nach einer Seite – diagnostiziert hatte. Ob diese Korrektur geholfen hat, kann Elbe für sich wohl erst am Freitag herausfinden. Derzeit muss sie die Couch vorziehen, weil sie an einer Erkältung laboriert. „Ich habe jetzt ein besseres Gefühl als vor der Visite beim Osteopathen“, sagt sie.

Dem offensichtlichen Grundproblem im Knie will sie näher auf den Grund gehen, mit der Diagnose von Anfang Mai gibt sie sich nicht zufrieden. „Ich will eine noch hochauflösendere MRT-Untersuchung machen lassen, aber es ist gar nicht leicht, einen Termin zu bekommen“, sagt Jenny Elbe. Von der neuerlichen und noch spezifischeren Magnetresonanztomografie erhofft sie sich eine treffendere Diagnose ihrer immer wiederkehrenden Beschwerden – und damit deren Behandlung. „Ich habe mir das alles einfacher vorgestellt. Aber es läuft eben nicht immer so, wie man sich das wünscht“, sagt die Springerin, die im Vorjahr ihre Bestweite auf 14,28 Meter schraubte.

An solche Leistungen ist bei Jenny Elbe derzeit nicht zu denken, zumal auch ihr Studium für Lebensmittelchemie Kraft, Zeit und Energie frisst. „Ich schreibe an meiner Arbeit, dafür ist ein experimenteller Teil notwendig. Und die Experimente gestalten sich so schwierig, dass ich sie vielleicht noch mal neu ansetzen muss“, erklärt sie. Das sei ein langwieriger Prozess, „da ich ja immer nur halbtags an der Uni sein kann“.

Es scheint fast so, als habe sich die Top-Athletin des Dresdner SC mit einer Saison ohne eigenen Leistungsnachweis bereits abgefunden. „Es gibt eben auch mal schwierige Zeiten, wer hat die nicht. Ich bin in letzter Zeit auch oft krank oder verletzt gewesen, mein Körper ist anfälliger geworden, vielleicht war das ein Zeichen“, rätselt sie. „Ich habe mir da zu wenig Zeit zur Regeneration genommen“, glaubt Elbe.

Die EM-Siebente von 2016 baut für den schlimmsten sportlichen Fall schon mal vor. „Natürlich fällt mir das schwer, nicht richtig trainieren und springen zu können. Aber eine Saison, die nicht funktioniert, wäre kein Weltuntergang. Ich weiß, dass ich meinen Sport wieder machen kann“, sagt sie. Die Frage ist nur, wann?