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Sanfter Ausstieg in den Ruhestand

Ex-Gewerkschaftschefin Monika Wulf-Mathies räumt ihr Büro bei der Deutschen Post, bleibtaber als Beraterin tätig.

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Von Edgar Bauer, Bonn

Bei einer Powerfrau ist es schlecht vorstellbar, dass sie sich auf einen Schlag und auf Nimmerwiedersehen ganz in den Ruhestand verabschiedet. Das trifft auch auf Monika Wulf-Mathies zu. Die Ex-ÖTV-Chefin und Ex-EU-Kommissarin wird Ende des Jahres im Rentenalter von 66 Jahren ihren Schreibtisch als weltweit aktive Direktorin im 36. Stock der Bonner Zentrale der Deutschen Post räumen. „Ich werde weiter als Beraterin für den Konzern tätig sein“, sagte sie. „Das wird ein sanfter Ausstieg – ich fahre nicht gleich von 200 Prozent auf Null zurück.“

Wulf-Mathies zählte zu den ersten Frauen, die es in Deutschland an die vorderste Machtfront schafften. Als SPD-Mitglied arbeitete sie schon Anfang der 70er Jahre unter Willy Brandt im Bundeskanzleramt. Ihre Auftritte als Chefin der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) in den 80er und 90er Jahren sind unvergessen. Später wechselte sie als EU-Kommissarin nach Brüssel, bevor sie 2001 zur Post kam. Der damalige Post-Chef Klaus Zumwinkel hatte der politisch gut vernetzten Wulf-Mathies die Rolle einer „Cheflobbyistin“ zugedacht.

Eine frühere Gewerkschaftschefin und Redenschreiberin von Brandt auf einem Managerstuhl? Für Wulf-Mathies kein Widerspruch. „Schon früher wollten mich große Konzerne als Arbeitsdirektorin haben.“ Bei der Post war sie nicht für die Tarifkonflikte mit den Gewerkschaften zuständig, sondern eine Art „Diplomatin“ in Diensten des global größten Logistik-Konzerns.

Als Nachfolgerin von ÖTV-Chef Heinz Kluncker war Wulf-Mathies allseits anerkannt für ihr Selbstbewusstsein und ihre Beharrlichkeit. Von 1982 bis 1994 führte die promovierte Historikerin die Staatsdiener-Gewerkschaft.

Obwohl als ÖTV-Chefin bestätigt, wechselte sie im Januar 1995 als EU-Kommissarin nach Brüssel, wo sie zuständig war für die Regionalpolitik – und damit auch für die Vergabe von Förder-Milliarden. Als die gesamte Kommission im März 1999 nach Korruptionsvorwürfen zurücktrat, war Wulf-Mathies von heute auf morgen ohne Job. Um weiter mit am Ball zu sein, beriet sie mehrere Monate Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in europapolitischen Fragen, bevor Zumwinkel sie zur Post holte. Die in Medien auch schon als „Superfrau“ titulierte Wulf-Mathies wird auf absehbare Zeit wohl weiter im Post-Tower ein- und ausgehen. Der neue Chef Frank Appel will auf ihren Rat nicht verzichten. (dpa)