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Sang und Klang im Weißeritztal

Die Chorbewegung erreichte in der hiesigen Region beeindruckende Ausmaße. Eine Persönlichkeit stach dabei heraus.

Von Heinz Fiedler
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Kurt Hasse, Freitaler Kirchenmusiker, Chorleiter und Pädagoge, im sommerlichen Ferienzeltlager Boltenhagen bei einer singenden Urlaubsstunde mit Schülern der Deubener Pestalozzischule.
Kurt Hasse, Freitaler Kirchenmusiker, Chorleiter und Pädagoge, im sommerlichen Ferienzeltlager Boltenhagen bei einer singenden Urlaubsstunde mit Schülern der Deubener Pestalozzischule. © Foto: privat

Es lässt sich nicht bestreiten: Die Generationen von gestern und vorgestern waren sangesfreudiger als die Leute von heute. Da bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig, als einen volkstümlichen Reim von ehedem leicht abgeändert zu zitieren: „Wie die Alten sungen, so zwitschern nur selten die Jungen!“

Den Anfang machten vor 175 Jahren die Männerchöre, gemischt ging es erst später zu. Glaubt man vergilbten Presseaufzeichnungen, so wurden in Tharandt die ersten Lieder angestimmt. Die singenden Herren der Forststadt traten schon im Mai 1844 mit Konzerten an die Öffentlichkeit. In der Folgezeit nahm die Entwicklung geradezu stürmische Dimensionen an. 1847 formierte sich in Deuben der Männerchor „Liederkranz“. Kurz darauf erhöhte sich in der damals souveränen Gemeinde Niederhäslich die Anzahl der Chorgemeinschaften auf drei. Potschappel meldete die Geburt von „Saxonia“ und „Germania“. Döhlen feierte die Gründung von „Loreley“. Das noch nicht eingemeindete Hainsberg zog mit „Teutonia“ nach.

Verwaltungsbeamte, Lehrer, Bäcker, Schornsteinfeger – sie alle haben einen Chor mit wöchentlichen Probestunden und geselligen Bierrunden.

1870: der Männerchor „Vulkan“ Deuben auf Ausflugstour. In der Gemeinde existierten drei Chorgemeinschaften.
1870: der Männerchor „Vulkan“ Deuben auf Ausflugstour. In der Gemeinde existierten drei Chorgemeinschaften. © Foto: privat

Wir bilden keine Opernstars aus

Sang und Klang in Fülle im Weißeritztal, an sich eine erfreuliche Situation. Doch es gab auch kritische Stimmen. Im örtlichen Tageblatt setzte sich der angesehene Kantor Lorenz mit der seiner Meinung nach allseitig betriebenen Vereinsmeierei auseinander, die sich auf das Bemühen niveauorientierten Chorgesangs nachteilig auswirke. „Welch eine Fülle an Arbeit, Zeit und Geld wären erspart geblieben, wenn man von vornherein eine größere Einigkeit angestrebt hätte.“ Die Darlegungen des Kantors sorgen für einige Aufregung und bleiben nicht unwidersprochen.

Einige einheimische Chorvorstände bekunden schwarz auf weiß ihren Unmut: „Der Herr Kantor hat wohl übersehen, dass der Chorgesang für viele Bürger eine echte Freizeitfreude ist. Wir jedenfalls halten es mit der Weisheit unserer Väter ,Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen kennen keine Lieder‘. Und was die Qualität unseres Gesanges anbelangt, so gibt jeder aus unseren Reihen sein Bestes. Wir wollen keine Opernstars ausbilden, sondern die Freude am Gesang pflegen.“

Kantor, Lehrer, Chorleiter

Zu den herausragenden Chorleiterpersönlichkeiten unserer Heimat gehörte fraglos Kurt Hasse (1898–1974). Er war in unseren Breitengraden populär und anerkannt wie nur wenige seines Fachs. Im Posental verliefen die Jahre seiner Kindheit. Er besuchte die Deubener Pestalozzischule und später die Oberschule Plauen. 1920 trat er selbst als Lehrer in die Deubener Bildungsstätte ein. Es war längere Zeit nicht entschieden, ob es für ihn beim Schuldienst bleiben oder ob er sich der Musik zuwenden würde.

1923 nahm Hasse ein fünfjähriges Musikstudium am Dresdner Pädagogikum für Tonkunst auf. Mit im Vordergrund stand eine pianistische Ausbildung. Zu seinen bedeutendsten Lebensstationen zählte die Berufung zum Kantor an der Christuskirche Deuben. Ab 1924 bewährte sich Hasse als künstlerischer Leiter einheimischer Chöre, wie die Männerchöre Poisental und Potschappel sowie der Schwesternchor des städtischen Krankenhauses.

Unerbittlich in der Probenarbeit duldete er keine Nachlässigkeiten. Sein Grundsatz: Ein Chor, das ist wie eine Arbeitsgemeinschaft! Sein Bekenntnis: „In der Welt der Musik liebe ich das ganz Alte oder das ganz Neue, wenn es Wert und Substanz hat.“

Vor jedem Konzert wurde Hasse von heftigem Lampenfieber gebeutelt. Anspannung und Nervosität waren ständige Begleiterscheinungen seines künstlerischen Schaffens.

Lang ist die Liste seiner großen Aufführungen. Im Zusammenwirken mit der Staatskapelle Dresden, der Philharmonie der Elbestadt, Solisten der Semperoper und einheimische Chöre leitete er unvergessene Konzerte mit Werken von Bach, Schütz, Händel und Brahms in der Christuskirche. Das von ihm in den ersten Nachkriegsjahren gegründete, inzwischen leider dahin geschiedene Kammerorchester Freital, genoss einen ausgezeichneten Ruf. Kammersänger Peter Olesch und der aus Somsdorf stammende Tenor Konrad Hofmann wurden in den Anfängen ihrer bemerkenswerten Karriere in Berlin und Dresden von Kurt Hasse gefördert. Der Pädagoge bewegte sich nicht in engen Grenzen. Er fühlte sich auch für Operettenaufführungen im „Döhlener Hof“ zuständig. Wir haben allen Grund, Kurt Hasse Ehre und Dank zu erweisen. Er war ein Freitaler, dem das Kunstleben in seiner Heimatstadt wichtig war, und er hat es regelmäßig mit enormem Engagement bereichert.

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