merken

Sanierung des „Hambi“ steht bevor

Anfang Februar soll es erste Arbeiten am Hamburger Hof geben. Die zukünftige Nutzung steht fest. Die Kosten noch nicht.

© Visualisierung/Manfred Reker

Von Marcus Herrmann

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Durchblättern und viel sparen

Frisch, lebendig und lesefreundlich. Stöbern Sie hier online in den aktuellen Magazinen und Partnerangeboten.

Meißen. Sind die Tage, in denen das baufällige Meißner Traditionshaus Hamburger Hof an der Dresdner Straße ein Dasein als Ruine fristet, gezählt? Derzeit deutet wenig darauf hin. Die Türen des ehemaligen Hotels und Restaurants sind mit Holzbrettern zugenagelt, nach wie vor bröckelt der Putz an allen Ecken, sind Fenster in jedem Stockwerk zerborsten. Die Fassade dient als Werbefläche für Sanitätshäuser oder kulturelle Veranstaltungen. An der Eingangstür ist ein Aushang angebracht worden: Darauf ist die Frage zu lesen: „Wer trägt hier die Verantwortung? Der Bürgermeister, der Stadtrat, der Baubürgermeister oder der Investor?

So wie der Schriftzug sieht auch der Rest des ehemaligen Hotels derzeit trist aus. © Claudia Hübschmann

Diese Fragen sind seit einem reichlichen halben Jahr abschließend geklärt, erste Pläne geschmiedet. Es geht voran – wenngleich in kleinen Schritten. Der neue Eigentümer ist die niedersächsische Wert-Investition und Bauträger GmbH. Diese hatte das marode Haus Ende Mai 2015 im Dresdner Amtsgericht für 75 000 Euro ersteigert. Die Zwangsversteigerung hatte die Düsseldorfer Apotheker- und Ärztebank angestrengt. Ihr schuldet der vorherige Eigentümer des Gebäudekomplexes – die Real Estate Beteiligung GmbH – noch 220 000 Euro.

Seniorenresidenz statt Hotel

Ungeachtet offener Forderungen der Bank laufen beim neuen Besitzer die Planungen zur zukünftigen Nutzung auf Hochtouren. „Wir werden es voraussichtlich nicht mehr in diesem Monat schaffen. Aber Anfang Februar wollen wir definitiv mit Sicherungsarbeiten am Gebäude beginnen, haben bereits einen Statiker beauftragt“, sagt Werner Ströer, Geschäftsführer der Wert-Investition.

Zum Gebäude

Die Schenke an der Dresdner Straße besteht seit 1814. Sie hieß zunächst „Stadt Hamburg“, seit 1896 Hamburger Hof.

Seit 1990 steht das Hotel leer. Zwischen 1960 und 1980 wurde es von der DDR-Einzelhandelsorganisation HO betrieben.

Der Immobilienfirma REID hatte das Haus seit 2008 sieben Jahre lang gehört. Deren Pläne, ein Seniorenheim im Hamburger Hof zu errichten, werden nun von der Wert-Investition GmbH verwirklicht.

1 / 3

Derzeit liefen Abstimmungen mit mehreren Bauunternehmen, die die Arbeiten durchführen könnten. „Wir sind bestrebt, eine Firma aus dem Meißner Land zu beauftragen. Sicher sagen kann ich das aber noch nicht“, so Ströer. Spruchreif sei allerdings das Konzept, was bis spätestens Mitte 2017 im Hamburger Hof passieren soll.

„Mit unserem Architekten Manfred Reker setzen wir die Idee um, eine Seniorenresidenz an der Dresdner Straße zu ermöglichen“, so der Geschäftsführer. Der Westfale Reker hat für die Wert-Investition schon einige Projekte im Bereich Altenpflege geplant. Angedacht sei nun, nicht mehr wie ursprünglich vorgesehen, 120 Betten in dem entstehenden Pflegeheim zu errichten, sondern nur 80 bis 100. Stattdessen sollen etwa 20 barrierefreie Wohnungen geschaffen werden. Dafür würden bestehende Zimmer umgebaut. „Diese stehen dann für betreutes Wohnen vor Ort zur Verfügung“, sagt Ströer, der die Zusammenarbeit mit der Meißner Stadtverwaltung ausdrücklich lobt.

Man führe häufige und zielführende Gespräche. Das bestätigt Stadtsprecher Philipp Maurer: „Die Abstimmung ist gut. Nach unserem Kenntnisstand soll in den nächsten Wochen mit Sicherungsarbeiten begonnen werden“. Er weist allerdings darauf hin, dass es sich bei dem Gebäude um Privatbesitz handelt, die Stadt keinerlei Befugnisse hat, ein Nutzungskonzept zu erarbeiten oder zeitliche Vorgaben zu machen. „Wir haben noch keine Unterlagen vom Bauherrn vorliegen, wissen nur, dass der Standort für altersgerechtes Wohnen angedacht ist“, so Maurer. Die Verwaltung sei wie die Öffentlichkeit momentan eher interessierter Beobachter als Akteur.

Betreiber wird noch gesucht

Dass endlich Bewegung in die Sache kommt, hoffen auch die Mitarbeiter der im Gebäudekomplex befindlichen Sonnen-Apotheke. Nachdem im Sommer letzten Jahres ein Gesteinsbrocken vom maroden Dach des Hauses direkt vor den Eingang fiel, sind die Apotheker mehr denn je an der raschen Sicherung und darauffolgenden Sanierung interessiert. Mit dem neuen Investor haben sie zumindest ein gutes Gefühl, sagt Mitinhaber Eckardt Guthmann.

„Es waren schon Architekten vor Ort. Sie haben den aktuellen Zustand des Hamburger Hofes begutachtet und waren auch im Inneren unterwegs, um zukünftige Nutzungsmöglichkeiten auszuloten“, sagt Guthmann.

Welcher Betreiber im geplanten Seniorenheim ans Werk geht, ist noch nicht sicher. „Wir haben vier Interessenten aus dem gesamten Bundesgebiet, drei große Pflegeketten und ein mittelständisches Unternehmen“, erklärt Ströer. Die Entscheidung solle bald gefällt werden. Was die Sanierung des Gebäudekomplexes kostet, könne er noch nicht sagen. Dafür müsse der Bau erst einmal anlaufen.