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Sanierung im Seifenwerk ist angelaufen

Nach der Insolvenz gibt es positive Signale für das Riesaer Unternehmen. Das erhöht nun aber die Preise.

Von Antje Steglich

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Die Zeichen stehen gut für das Riesaer Seifenwerk. Nach der Insolvenz der Muttergruppe Kappus konnten nun bereits erste Maßnahmen zum Fortbestand des Unternehmens umgesetzt werden. „Wir haben Preisverhandlungen mit unseren Kunden geführt und dabei entscheidende Preiserhöhungen vereinbaren können“, erklärte die neue Kappus-Geschäftsführerin Silvia Lackenbauer. Die Anwältin und Expertin für Insolvenzrecht aus der Offenbacher Kanzlei Mentor Societät war im September als Saniererin in die Unternehmensleitung eingestiegen, um das Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung maßgeblich mitzugestalten. „Die jetzt vereinbarten, auskömmlicheren Preise sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Sanierung“, so Silvia Lackenbauer. Denn vor allem die niedrigen Preise hatten dem Unternehmen zuletzt zu schaffen gemacht.

Im Riesaer Seifenwerk wird trotz Insolvenz weiter produziert. 8000Tonnen Seife sollen in diesem Jahr hergestellt werden. Foto: Lutz Weidler
Im Riesaer Seifenwerk wird trotz Insolvenz weiter produziert. 8000Tonnen Seife sollen in diesem Jahr hergestellt werden. Foto: Lutz Weidler

Das Problem liege nicht auf der Nachfrage-, sondern auf der Kostenseite. Laut den Zahlen des Industrieverbandes Körperpflege- und Waschmittel (IKW) sind die Umsätze bei Seifen/Syndets von 2016 zu 2017 deutschlandweit sogar leicht um knapp zwei Prozent gestiegen. Doch der Kostendruck in der Branche ist enorm. „Dafür sorgt vor allem die Konkurrenz aus Billiglohnländern“, erklärt Silvia Lackenbauer. Gleichzeitig seien in den vergangenen Jahren die Rohstoffpreise deutlich gestiegen. „Angesichts des extremen Kosten- und Konkurrenzdrucks war es allerdings nicht möglich, die Preise angemessen zu erhöhen und so die gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben. Erst nach der Insolvenzanmeldung haben wir hier wichtige Fortschritte erzielt.“ Vermutungen, dass Großkunden verloren wurden oder die Gruppe an den Kosten des Umzugs des Offenbacher Hauptsitzes leidet, dementierte die Anwältin jedoch.

Die Kappusgruppe hatte im September Insolvenz angemeldet. Betroffen sind neben dem Hauptstandort in Offenbach auch die drei Seifenwerke in Riesa, im nordrhein-westfälischen Krefeld und im baden-württembergischen Heitersheim mit insgesamt mehr als 350 Mitarbeitern. Die Geschäftsleitung arbeitet derzeit in enger Abstimmung mit den Gläubigern ein Sanierungskonzept aus, erklärte Silvia Lackenbauer. „Wir streben eine Sanierung der gesamten Gruppe an. Das heißt, wir schauen nicht isoliert auf einzelne Standorte, sondern arbeiten daran, wie wir dem Unternehmensverbund als Ganzes eine Perspektive sichern können.“ Ob Werke geschlossen oder Mitarbeiter entlassen werden müssen, dazu gibt es allerdings noch keine Auskünfte. „Zu Beginn des Verfahrens haben vor allem die Fortführung und Stabilisierung des Geschäftsbetriebs Priorität“, so die Anwältin. Das seien wichtige Voraussetzungen für die angestrebte Sanierung. „Wie es genau weitergeht, können wir erst sagen, wenn das Sanierungskonzept steht und mit den Gläubigern abgestimmt ist, denn die Gläubiger sind die Herren des Verfahrens und haben das letzte Wort.“ Dementsprechend gibt es derzeit auch noch keine Zusagen für das Werk in Riesa.

85 Mitarbeiter sind hier derzeit beschäftigt. In diesem Jahr wird eine Jahresproduktion von etwa 8 000 Tonnen Seife avisiert, das würde in etwa dem Vorjahresniveau entsprechen. Die Gespräche mit Kunden und Lieferanten verliefen sehr konstruktiv, sodass die Produktion in Riesa und an allen anderen Standorten weiterläuft, sagt Silvia Lackenbauer. Auch konnten bereits die Löhne für September und Oktober ausgezahlt werden, die Mitarbeiter erhalten diese im Rahmen von Insolvenzgeld. Grundsätzlich übernimmt das zwar die Agentur für Arbeit im vorläufigen Insolvenzverfahren. Weil die Eröffnung des Verfahrens aber erst im Dezember ansteht, sei über eine Bank eine Vorfinanzierung organisiert worden.

Den Mitarbeitern in Riesa sprach die Geschäftsführung indes ein großes Lob aus: „Wir haben in Riesa eine sehr gut ausgebildete, erfahrene und eingespielte Mannschaft“, so die Anwältin. Die Belegschaft arbeite zwar in Gebäuden, die aus den 1920er-Jahren stammen und für manchen altmodisch aussehen, die Maschinen aber entsprächen absolut dem Stand der Technik. Gerüchte, dass Technik demontiert wurde, dementierte die Geschäftsführerin.