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Sankt Tetris neben dem Neuen Rathaus

© dpa

In Leipzigs Zentrum entsteht der zurzeit größte Kirchenneubau Deutschlands. Der Architekt bittet Kritiker, bis zur Weihe in einem Jahr abzuwarten.

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Als der angehende Architekt Benedikt Schulz zu Beginn seines Studiums Bauleute naseweis belehrt, warum sie nicht dieses oder jenes noch gründlicher machten, sagt Polier Horst gelassen: „Junge, wir bauen doch keine Kirche!“ Inzwischen führt Schulz mit seinem Bruder Ansgar das angesagte Büro „schulz & schulz“ in Leipzig, er baut dort nun tatsächlich eine Kirche – und muss sich selbst Kritik anhören. Der Bau der Propstei am Martin-Luther-Ring im Herzen der Stadt, vis à vis des Neuen Rathauses, wird im Volksmund als „Bunker“ beschimpft. Oder, in Anlehnung an das Kult-Computerspiel mit einem Quader-Puzzle, als „Sankt Tetris“ veralbert – statt St. Trinitatis. Auch ein Mitglied der Preisjury, der katholische Würzburger Domkapitular und Kunstfachmann Jürgen Lenssen moniert, die Kirche wirke abweisend.

Seit ein paar Wochen zeichnet sich der Rohbau des neuen schlichten Gemeindezentrums in seinen kubischen Konturen deutlich ab, er vermittelt nun ein Bild seiner ganzen Form und Größe. Gestern wurde unter dem 50 Meter hohen Glockenturm Richtfest gefeiert. Architekt Schulz bittet seine Kritiker indes um Geduld. Wenn erst die drei Meter hohen Bauzäune fallen, werde man sehen, dass die Kirche auf Fußgängerebene sehr offen angelegt sei: mit großflächigen Fensterfronten auf Erdgeschosshöhe und einem Pfarrhof, der für alle begehbar ist. Die Fassade wird zudem mit Rochlitzer Porphyr verkleidet.

Mit der Fertigstellung des zurzeit größten Kirchenneubaus in Deutschlands sind die Bauleute allerdings im Verzug. Statt zu Weihnachten dieses Jahres ist die Weihe frühestens zu Ostern 2015 geplant. Der Termin soll nächstes Wochenende genannt werden, wenn das 5,50 Meter hohe Kreuz auf den Turm gehoben und gesegnet wird. Neben der eigentlichen Kirche wird es dort künftig auch Wohnungen für Propst und Pfarrer sowie ein großes Gemeindezentrum für 600 Besucher geben. Die Baukosten sollen bei gut 15 Millionen Euro bleiben, sagt Schulz. Mehr als sechs Millionen Euro sind bisher durch Spenden zusammengekommen, angepeilt werden sogar sieben Millionen plus x.

Die Erhaltung der bisherigen Kirche von 1980, die etwas abseits am Rosental liegt, wäre zu teuer. Sie ist bereits marode und hat Risse, weil das Erdreich nicht trägt. „Es wurde auf wässrigem Baugrund viel zu schwer gebaut“, berichtet Pfarrer Gregor Giele. Finanziert wurde der Vorgängerbau mit Hilfsgeldern aus dem Westen über das DDR-Außenhandelsprogramm Limex.

Das neue Gotteshaus entspricht zugleich dem Wachstum der Propsteigemeinde. Hatte sie 1995 nur 1.900 Mitglieder, sind es inzwischen 4.600. Es gibt mehr Zuzüge als Fortzüge und mehr Taufen als Sterbefälle, erzählt Giele. „Wir bekommen jedes Jahr etwa 150 neue Mitglieder hinzu, der Altersdurchschnitt beträgt 37 Jahre.“ St. Trinitatis ist inzwischen sogar die größte Pfarrei im Bistum Dresden-Meißen. Der neue Standort ist indes ein alter: Anno 1230 stand dort schon ein Zisterzienserinnenkloster, doch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb nur eine Wiese. Eine Minderheit dürften die Katholiken in Leipzig dennoch bleiben – mit rund vier Prozent der Bevölkerung.