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Sarrasani gibt Theaterkneipe auf

Der Magier verlässt die Goldne Weintraube an den Landesbühnen. Dabei sollte sie eigentlich für Einnahmen in den Sommermonaten sorgen.

© Arvid Müller

Von Nina Schirmer

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Radebeul. Radebeul sollte so etwas wie ein Neustart werden für André Sarrasani. Im September 2016 übernahm der Magier die Theaterkneipe Goldne Weintraube an den Landesbühnen. Zwei Monate, nachdem er mit seiner Sarrasani GmbH Insolvenz anmelden musste. Insgesamt hatten sich in seinem Unternehmen 1,2 Millionen Euro offene Zahlungen angehäuft. Er war zahlungsunfähig. Steuerschulden, weitere Verbindlichkeiten und die gefloppte Ausstellung „Real Bodies“ lasteten auf ihm.

Die Übernahme der Goldnen Weintraube war gewissermaßen wie das Licht am Ende des Tunnels. Eine neue Möglichkeit, um Einnahmen zu bekommen. Doch nun ist der Illusionist raus aus dem Geschäft. Der Pachtvertrag wurde aufgehoben. Das teilen die Landesbühnen am Dienstag in einer Pressemitteilung mit. Kurz und knapp heißt es darin: „Der Vertrag zwischen André Sarrasani, dem Geschäftsführer der Sarrasani Event GmbH, als Pächter der Theatergastronomie und der Landesbühnen Sachsen GmbH soll zum 15. März 2018 enden.“ Von welcher Seite der Vertrag gekündigt wurde, steht nicht drin. Warum das Vertragsende so plötzlich kommt, mitten in der Spielzeit, auch nicht.

Das wirft Fragen auf: Hat sich die Theaterkneipe für Sarrasani nicht rentiert? Oder konnte der insolvente Magier die Pacht nicht zahlen und die Landesbühnen mussten die Reißleine ziehen? Intendant Manuel Schöbel ist am Dienstag in Proben eingebunden und zunächst nicht zu erreichen, um diese Fragen zu beantworten. Doch André Sarrasani selbst gibt Auskunft, warum er die Theaterkneipe ab Mitte März nicht mehr betreibt. „Wir haben die Landesbühnen gebeten, vorzeitig aus dem Vertrag rauszukommen“, sagt der 45-Jährige.

Der Grund dafür sei ganz simpel. „Wir wollen uns noch mehr auf unser Kerngeschäft, das Trocadero Varieté, konzentrieren.“ Damit hat er sich am Elbepark, an der Stadtgrenze von Dresden und Radebeul, niedergelassen. Gerade ist die erste Saison beendet. Die Theatergastronomie hingegen sei schlicht nicht sein Hauptbusiness, sagt Sarrasani. Seinen Worten ist zu entnehmen, dass sich die Gaststätte wohl finanziell nicht rentiert hat. „Wir dachten, dass es eine coole Geschichte werden könnte in Radebeul.“ Aber es habe sich nicht so entwickelt, wie geplant. Solch eine Theaterkneipe lohne sich eher für jemanden, der schon zwei oder drei Kantinen hat, so der Magier.

Ursprünglich sollte die Gastronomie in Radebeul eine kontinuierliche Einnahmequelle für Sarrasani im Sommer sein. Dann, wenn seine Dinnershow keine Saison hat. „Eine Art Grundrauschen“, wollte der Illusionist mit der Goldnen Weintraube schaffen, hatte er 2016 im SZ-Interview gesagt. Daraus wurde nun nichts. Der nächste Sommer sei trotzdem abgesichert, sagt Sarrasani. „Wir sind bei vielen Veranstaltungen als Solokünstler und auch Zeltvermieter.“ Außerdem plane er, das große Zelt am Elbepark für verschiedene Events zu vermieten. Das Vertragsende mit den Landesbühnen sei auch nicht ganz plötzlich gekommen. „Wir wollten nur erst noch unsere Varieté-Saison beenden“, sagt Sarrasani. Die sei übrigens richtig gut gelaufen, fügt er hinzu.

Am Dienstagnachmittag meldet sich schließlich auch noch Landesbühnenintendant Schöbel schriftlich zu Wort. „Die Geschäftsführung der Landesbühnen Sachsen hat mit notwendigem Respekt zur Kenntnis genommen, dass die Weiterführung der Gastronomie an unserem Theater sich nicht in ausreichendem Maße für das Geschäftsmodell der Sarrasani Event GmbH eignet“, teilt er mit. Das Ende der Zusammenarbeit soll im gegenseitigen Einvernehmen passieren. In der Theaterkantine wird es trotzdem weitergehen. Dafür ist das Theater in Gesprächen mit einem anderen Pächter, der die Gastronomie kurzfristig vorübergehend übernehmen soll. Für die Zuschauer gebe es keine Einschränkungen beim gastronomischen Angebot bei den Vorstellungen. Und auch die Versorgung der Mitarbeiter sei gewährleistet.