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Sarrasani räumt ein

Nächste Woche startet der Varieté-Veranstalter mit seiner neuen Firma in Radebeul. Zugleich beginnt die Regelinsolvenz.

© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Radebeul. Dem Magier steht mehr als eine Schweißperle auf der Stirn. Handfeste Arbeit muss in der Theaterkneipe „Goldne Weintraube“ in Radebeul Mitte verrichtet werden. André Sarrasanis Zaubertricks helfen ihm weder beim Einräumen bei 30 Grad, noch die Insolvenz für seine Sarrasani GmbH abzuwenden.

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Radebeul soll so etwas wie der Neustart werden. Denn in Dresden sitzt Sarrasani ziemlich tief in der Tinte. Mit seiner Sarrasani GmbH musste er am 1. Juli Zahlungsunfähigkeit anmelden. Insgesamt haben sich in seinem Unternehmen 1,2 Millionen Euro offene Zahlungen angehäuft. Gründe dafür seien die schlecht gelaufene Ausstellung „Real Bodies“ in Dresden und die teure Miete für den Standort am Hauptbahnhof. Hinzu kommt eine „unerwartete Steuerschuld“ von 380 000 Euro.

Seitdem ist die Sarrasani GmbH im vorläufigen Insolvenzverfahren. Die Geschicke hat als Verwalter der Anwalt Dirk Herzig von der in Dresden ansässigen Kanzlei Schultze & Braun in der Hand. Er ist der vom Gericht bestellte Insolvenzverwalter.

Herzig musste auch sein Okay geben, damit Sarrasani in Radebeul mit einer neuen Firma, der Event GmbH, die Kneipe betreiben kann. Den Vertrag dafür hatten die Landesbühnen mit dem Zirkus- und Varietébetreiber bereits im Frühjahr geschlossen. Der bisherige Betreiber der „Goldnen Weintraube“ hatte die Gaststätte zum 31. Juli verlassen.

Aufatmen an den Landesbühnen

Die Genehmigung von Anwalt Herzig kam vor zwei Wochen. Aufatmen an den Landesbühnen. Deren neue Spielzeit beginnt am 11. September. Mitarbeiter wollen in der dann wieder betriebenen Theaterkneipe Mittag essen. Damit das was wird, packt der Maestro mit den grauen Locken über der hohen Stirn kräftig selbst mit an.

Ein großer Spiegelschrank wird von ihm und seinem ungarischen Mitarbeiter Tomas Dreska an die Stirnseite des Restaurants geschleppt. Wenig später wuchten die Männer einen neuen Tresen von der Ladefläche eines Lastwagens durch die Kneipentür.

In der Küche werden schon die Kühlaggregate hochgefahren. Montag sollen die ersten Lebensmittel eingelagert werden. Am 1. September wird die „Goldne Weintraube“ eröffnet, kündigt Sarrasani an. So steht es auch im Vertrag mit den Landesbühnen.

Vieles will der neue Betreiber anders und besser machen als der bisherige Wirt. Am Personaleingang zu den Landesbühnen steht eine kleine Box zum Zetteleinwerfen. Die Theatermitarbeiter sollten dort ihre Wünsche aufschreiben, etwa was sie gern in der Kneipe essen wollen. „Salate soll es geben. Ihre Brötchen wollen die Leute selbst belegen, Süßes wird verlangt und Vegetarisches natürlich. All dass stand auf den Zetteln“, sagt André Sarrasani.

Er will den Wünschen auch gleich zum Auftakt nachkommen. Am 1. September steht Wrap mit Hühnchenbrust, Salat, Schmorgurke mit Hackbraten und Salzkartoffeln sowie Tortellini mit Spinat auf der karte. Ab 3,50 Euro werde es Essen geben. Auch Frühstück. Von 9 bis 11 Uhr und dann wieder von 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr soll die Theaterkneipe ebenso für Besucher von außerhalb offen sein.

Der neue Betreiber hofft auf 60 bis 80 Essen, die er täglich verkaufen will. Die Kapazität der modernen Küche lässt noch mehr zu. Etwa, wenn der große Theaterball im Februar steigt und zu den Abendveranstaltungen sowieso.

Sarrasani sagt, dass er die „Goldne Weintraube“ – mehr als bisher – zu einer richtigen Theaterkneipe machen will. Passend zu den Vorstellungen soll es Länderwochen geben. Weil die Spielzeit im September beispielsweise auch mit dem Stück „Endstation Sehnsucht“ von Tennessee Williams beginnt, werde es, neben dem normalen Kartenangebot, auch amerikanisches Essen geben. Etwa einen klassischen Burger. Auch Länderabende, wie einer zu Syrien, sind in der Theaterkneipe schon fest eingeplant.

„Wie das alles angenommen wird, wissen wir noch nicht. Die ersten Zeichen aus der Theatermannschaft sind gut. Wir wollen uns richtig Mühe geben“, sagt André Sarrasani und packt wieder schwer mit an beim Tresen aufstellen.

Genau mit dem Start in Radebeul am 1. September beginnt für den Magier die offizielle Regelinsolvenz für die verschuldete Sarrasani GmbH. Das Zentrum seins Tuns wird dann auch Radebeul sein. Von hier, mit der neuen Event GmbH, will Sarrasani das Catering für seine Veranstaltungen im Varieté Trocadero bestreiten. Vorausgesetzt, er wird sich mit der Stadt Dresden über den Standort am Wiener Platz einig.

Osterüberraschung