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Sarrasani übergibt Theaterkneipe

Ein Dresdner Fleischermeister übernimmt die Goldne Weintraube in Radebeul – und will länger als der Magier bleiben.

© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Radebeul. Mit Zauberei war’s nicht zu machen. In der Gastronomie zählen harte Zahlen. Und die stimmten wohl zuletzt nicht mehr. André Sarrasani war am Freitagvormittag das letzte Mal in seiner Radebeuler Theaterkneipe Goldne Weintraube.

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Da schon nicht mehr als Betreiber, sondern zur Übergabe. Beim Rundgang durch die Küche und den Gastraum gab es vor allem noch ganz Alltägliches zu besprechen: Wie funktioniert der Herd? Wie lässt sich welches Gitter und welcher Hahn an der Theke bedienen?

Die sich das genau erklären ließen, heißen Andreas Koreng und Richard Peupelmann. Ersterer ist der neue Betreiber mit Datum 16. März. Richard Peupelmann, sein Mitarbeiter, ist der neue Betriebsleiter und Koch in der Goldnen Weintraube.

Wenige Minuten vor der Übergabe saß Andreas Koreng noch eine Etage höher im Büro bei Artemis Willms, der kaufmännischen Geschäftsführerin der Landesbühnen Sachsen, um die letzte Unterschrift unter den Vertrag zu setzen. Währenddessen kümmerte sich sein Koch bereits um die Geräte. Noch am Freitagabend hatte die neue Mannschaft die Gäste der Landesbühnenvorstellung am Abend bewirtet.

Wer ist der Neue? Andreas Koreng stammt aus Lübbenau, ist 42 Jahre und seit elf Jahren in Dresden. In der Landeshauptstadt ist der Fleischermeister vor allem in Striesen bekannt als der Mann, der die dort sehr bekannte Fleischerei Täubrich übernommen hat. Sein Catering ist gut nachgefragt – „wir müssen manchmal sogar absagen“. Er bewirtet außerdem die Kantinen der Sächsischen Immobilien- und Baumanagement SIB und neuerdings auch der Stadtreinigung Dresden.

Fünf Mitarbeiter hat Koreng in Dresden. In Radebeul sollen zwei weitere die Gastronomie vor allem für die 224 Mitarbeiter der Landesbühnen auf den Tisch bringen. Gekocht wird, wie in Dresden in der jeweiligen Kantinenküche, auch in Radebeul direkt vor Ort. Die Einrichtung ist modern. Mit dem frischen Angebot will der Neue, der von sich sagt, dass er kein Wirt, sondern Kantinenbetreiber sei, auch über die Landesbühnen hinaus Gäste finden.

Zuerst beim Mittagessen, auf jeden Fall aber auch während der Abendveranstaltungen, die in der Theaterkneipe stattfinden. Koreng: „Wir haben uns sehr schnell entschieden. Vorher aber mehrmals sehr lange zum Vertrag verhandelt, damit es auch wirklich funktioniert.“

Das mit dem Funktionieren, der Wirtschaftlichkeit, ist der Punkt. Die Landesbühnen hatten seit der Übernahme der Gaststätte mit der Goldnen Weintraube und ihren Pächtern eher kein glückliches Händchen. Erst wurde die Kneipe von 2011 bis 2014 komplett umgebaut und neu ausgestattet. 1,2 Millionen Euro hat das gekostet – auch um Gewölbe unter dem Gaststättenbau zu sichern und notwendige Belüftung einzubauen. 2014 übernahm Wirt Uwe-Jens Engelmann mit seiner Mannschaft die Gastronomie. Im Sommer 2016 löste dieser den Vertrag mit dem Theater, wegen Unwirtschaftlichkeit.

Im Prinzip die gleichen Gründe gibt auch Sarrasani an. Er hatte im Sommer 2016 übernommen und den Gastraum neu gestaltet. Länderabende sollten zu dem täglichen Essen von 60 bis 80 Portionen das Geschäft beleben. Doch das ging offenbar nicht auf. Andre Sarrasani: „Wir haben die Landesbühnen gebeten, vorzeitig aus dem Vertrag rauszukommen.“ Der Grund dafür sei ganz simpel. „Wir wollen uns noch mehr auf unser Kerngeschäft, das Trocadero Varieté im Dresdner Elbepark konzentrieren.“

Die Theatergastronomie hingegen sei schlicht nicht sein Hauptbusiness, so der 45-Jährige. Im Klartext: Die Gaststätte hat sich wohl finanziell nicht rentiert. „Wir dachten, dass es eine coole Geschichte werden könnte in Radebeul.“ Aber es habe sich nicht so entwickelt, wie geplant. Solch eine Theaterkneipe lohne sich eher für jemanden, der schon zwei oder drei Kantinen hat, so der Magier.

Als er dass vor gut zwei Wochen sagte, hatte er wohl bereits mit Andreas Koreng gesprochen. Die beiden kennen sich schon länger. Am Dienstag will Koreng mit seinem Koch Richard Peupelmann den Theaterleuten das  erste Mittagessen anbieten. Im Speiseplan, der unter www.kantinengenuss.de zu finden ist, steht dann Linseneintopf für 3,10 Euro oder Schupfnudeln mit Ofengemüse und Mozzarella für 3,95 Euro.

Montag bis Freitag sind fünf Gerichte auf dem Speiseplan, darunter mindestens zwei für Vegetarier. Die Gaststätte ist öffentlich. Gäste, die nicht zum Theater gehören, müssen für die Gerichte 50 Cent mehr zahlen.

Landesbühnen-Intendant Manuel Schöbel: „Es ist ein gutes Omen für die kommende Zusammenarbeit, dass wir uns so schnell und unkompliziert verständigen konnten.“ Koreng selbst sagt, dass er länger als seine Vorgänger bleiben wolle.

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