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Feuilleton

Westfale gewinnt Dresdner Satire-Preis

Matthias Reuter ließ einen pazifistischen Hasen Waffen verkaufen und überzeugte damit Jury wie Publikum.

Matthias Reuter aus Oberhausen räumte im Friedrichstatt-Palast ab. ©  PR

Von Rainer Kasselt

Etwa fünfzig Kabarettpreise werden in Deutschland verliehen, nur jeder zehnte in den östlichen Bundesländern. Die Dresdner Kabarettisten Manfred Breschke und Thomas Schuch riefen deshalb 2014 den Dresdner Satire-Preis ins Leben. Eine Chance für Wortkünstler, die sich mit politisch-kritischen Texten an der Gesellschaft reiben. Bedingung: Sie dürfen keine Anfänger sein. Die Idee fand großen Anklang. Am Sonnabend wurde im ausverkauften Dresdner Friedrichstatt-Palast der Preis zum sechsten Mal vergeben.

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Von über 20 Bewerbern schafften es sechs ins Finale. Jeder darf nur 15 Minuten ran, dann wird ihm ohne Wenn und Aber das Licht abgedreht. Juroren und Zuschauer waren sich am Ende nach hartem Ringen einig wie selten: Jury- und Publikumspreis gehen an den virtuosen und scharfzüngigen Matthias Reuter aus Oberhausen. Er verbreitet gute Laune, findet schnell Kontakt zu den Besuchern und spottet am Klavier über die magere Qualität des NRW-Abiturs. Reuter staunt, dass Männer wie Ex-Minister und Bahnvorstand Pofalla mit diesem Zeugnis in solche Positionen gelangen. Oder gerade deshalb? Die hinreißend interpretierte Fabel vom „pazifistischen Hasen“, der heimlich Waffen verkauft und öffentlich Frieden predigt, ist eine glänzende Persiflage auf die Rüstungsindustrie. Seine Vielseitigkeit beweist der Liedermacher mit dem schwarzhumorigen Song „Rentner fischen im Hallenbad“, eine Verbeugung vor Georg Kreislers „Tauben vergiften im Park“. Das Publikum feierte den Sieger, der 1 500 Euro Preisgeld kassierte, mit lang anhaltendem rhythmischen Applaus.

Der 2019er-Jahrgang gehört zu den besten. Mit Witz, Wut und Wahn verbreiteten die Kandidaten Lust und Lachen am politischen Denken. Der singende Matrose Nagelritz (Dirk Lehmann aus Bremerhaven) geht mit Schifferklavier auf Kreuzfahrt durch „Zwölf Schurkenstaaten in vierzehn Tagen“. Martin Hoffmann aus Heidelberg fragt, „darf man heute noch Moor sagen, wenn man nicht weiß, wie es geschrieben wird“? Und das niederbayerische Energiebündel Andrea Limmer sorgt mit Attacken gegen CSU und AfD für „betreutes Freuen“. Gern würde man die quicke junge Frau mit ihrem gesamten Programm „Das Schweigen der Limmer“ kennenlernen.

Der siebente Satire-Streich folgt im April 2020. Bis zum Jahresende läuft die Bewerbung. Vielleicht ist dann auch ein Talent aus Sachsen dabei, diesmal gaben die gewitzten Westler den Ton an.