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Sauber im Bus unterwegs

Flixbus schickt ersten Elektro-Fernbus auf deutsche Straßen. Das Fahrzeug mussten sich die Manager aus China besorgen.

© Flixbus/dpa

Von Rolf Obertreis

Aquamarineblau schimmernd steht der Bus am Frankfurter Flughafen. Bereit zur Abfahrt Richtung Mannheim und Heidelberg. Nichts Besonderes eigentlich beim Fernbus-Unternehmen Flixbus. Erst bei genauerem Hinsehen fallen die Unterschiede auf und dann auch beim Hören: Ein Auspuff fehlt, und als der Fahrer den Motor startet, ist nur ein Klicken zu hören. Es ist der erste elektrische Fernbus, der in Deutschland unterwegs ist. Sauber und emissionsfrei geht es ab sofort zwischen Frankfurt Hauptbahnhof, Flughafen, Mannheim und Heidelberg täglich hin und her. „Vor 18 Monaten hatten wir die Idee“, sagt Flixbus-Geschäftsführer Fabian Stenger. „Der erste elektrische Fernbus ist für uns ein Meilenstein. Es werden bald hoffentlich mehr.“

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Ein Jahr lang wird Flixbus den Einsatz des ersten Elektrobusses testen, wobei die Fahrten für die Kunden nicht teurer sind als in einem herkömmlichen Dieselbus. Obwohl der erste E-Fernbus in der Anschaffung rund doppelt so teuer ist wie ein normaler Bus. Von 400 000 bis 500 000 Euro spricht Stenger. Geholfen bei der Anschaffung hat die Klimaschutzorganisation Atmosfair. Der Strom für den Bus kommt aus Wasser- und Windkraft von Greenpeace Energy. Die Folge: Gegenüber einem Dieselbus werden 100 Prozent der Treibhausgasemissionen vermieden.

Einzige Einschränkung des elektrischen Busses ist seine Reichweite: Mehr als 200 Kilometer sind mit einer Batterieladung nicht drin. Geladen wird zweimal täglich in Mannheim am zentralen Busbahnhof und an einer Ladesäule in Frankfurt. Bereits seit dem Frühjahr setzt Flixbus in Frankreich zwischen Paris und Amiens einen E-Fernbus ein.

Bei deutschen Herstellern ist Europas größter Fernbus-Anbieter freilich nicht fündig geworden: Der erste E-Fernbus auf deutschen Straßen kommt vom chinesischen Hersteller BYD. „Wir wollen mit unserem Schritt auch einen Impuls an die deutschen Hersteller geben“, sagt Stenger. Die konzentrieren sich derzeit auf E-Lkws und auf E-Stadtbusse. Deutlicher wird der angesehene Klimaforscher Mojib Latif, zugleich Schirmherr von Atmosfair. „Es passiert viel zu wenig. Wir können so mit Blick auf das Klima nicht weitermachen. Wir müssen endlich eine Lawine lostreten“, appelliert er indirekt an die deutschen Hersteller wie Mercedes oder MAN mehr zu tun als bislang.

BYD ist da schon ein ganzes Stück weiter, sagt ein Sprecher des Unternehmens. 32 000 E-Busse hat das Unternehmen bislang in China auf die Straßen gebracht, den Großteil davon im Stadtverkehr. Seit 2008 produziere man E-Busse. Mittlerweile gebe es Fernbusse mit einer Reichweite von 400 Kilometern. BYD montiert bereits in Ungarn E-Busse für den europäischen Markt. In Frankreich würden bereits BYD E-Fernbusse eingesetzt, demnächst kämen die Niederlande dazu.

E-Busse sind auch im Einsatz teurer

Das jetzt von Flixbus betriebene BYD-Fahrzeug mit 51 Sitzplätzen soll in der einjährigen Testphase rund 125 000 Kilometer zurücklegen. „Ein moderner Dieselbus würde für diese Distanz etwa 44 000 Liter Diesel benötigen“, rechnen Experten von Atmosfair vor. Die Produktion der Batterien eingerechnet, würden gegenüber dem Einsatz eines Diesel-Busses etwa 82 Tonnen Kohlendioxid () eingespart. Würde der Bus mit der ersten Batterie fünf Jahre fahren, würden fast 110 Tonnen -Emissionen vermieden. Allerdings ist der Betrieb eines E-Fernbusses nach Angaben von Atmosfair immer noch teurer als ein Dieselbus. Neben dem höheren Kaufpreis oder der höheren Miete schlagen noch die Kosten für die Ladestationen zu Buche, ebenso wie ein höherer Personalbedarf und höhere Wartungskosten.

Zumindest bei der Anschaffung könnte es aber günstiger werden. Würden E-Fernbusse in Serie gefertigt, hieß es bei der Vorstellung des ersten E-Fernbusses am Mittwoch, könnte der Preis auf etwa 320 000 Euro sinken. Ein moderner Diesel-Fernbus koste derzeit etwa 280 000 Euro.