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Saudischer Kronprinz sieht keine Pflicht zur Verhüllung

Frauen können in dem streng religiösen Land nun auf eine Lockerung des Dresscodes hoffen.

© Ian Langsdon/EPA/dpa

Riad. Vor seinem für Dienstag geplanten Besuch in Washington macht Saudi-Arabiens Kronprinz Mohamed bin Salman wieder Schlagzeilen. Diesmal geht es nicht um neue Rüstungsgeschäfte oder Ausfälle gegen den Hauptfeind Iran, der auch für US-Präsident Trump ein rotes Tuch ist. Es geht vielmehr um inländisches Tuch: Saudische Frauen sollen, so der Kronprinz gegenüber dem US-Sender CBS, künftig nicht mehr ihren Kopf und ihr Gesicht verhüllen und lange schwarze Roben tragen müssen.

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Nach seiner Auffassung sehe die muslimische Rechtsprechung, die Scharia, gar keine Verschleierung vor. Festgelegt sei lediglich, dass Frauen „dezente und respektvolle“ Kleidung tragen müssten, ebenso wie Männer. Das setze nicht unbedingt die Abaya, also die traditionelle schwarze Robe, oder eine schwarze Kopfverhüllung voraus. „Die Entscheidung, welche dezente und respektvolle Kleidung sie tragen wollen, liegt vollständig bei den Frauen“, meinte der 32-Jährige, der längst als eigentlicher Herrscher seines Landes gilt.

In Saudi-Arabien gibt es tatsächlich kein staatliches Verschleierungsgesetz. Vorgeschrieben war bisher nur, ein weites langes Gewand zu tragen, das die Figur verhüllt. Zudem ist festgelegt, dass sich die Menschen an die Vorgaben der Scharia halten müssen. Daraus wiederum leiteten Gerichte und Polizei einen sehr strikten Dresscode ab. Das heißt: Abaya und Verschleierung von Gesicht und Haaren. Daran mussten sich alle Frauen ab der Pubertät halten. Ähnliche Regeln galten auch für nicht muslimische Ausländerinnen: Sie mussten Arme und Beine bedecken und ein weites, nicht tailliertes Gewand tragen.

Inwiefern sich nun tatsächlich die Kleiderordnung im Königreich ändert, ist noch unklar – ebenso, ob die Frauen in Saudi-Arabien sich tatsächlich auch freizügiger kleiden. Dem könnten immer noch gesellschaftliche Zwänge oder die Verbote von der Familie oder dem Mann entgegenstehen. Besonders die zentralen Provinzen Riad und Buraida gelten als sehr konservativ, hier tragen viele Frauen den Gesichtsschleier Nikab.

Damit könnten bisherige Strafen wegfallen. Diese sind nicht schriftlich festgelegt, sondern liegen im Ermessen der Richter. In vielen Fällen belästigte zudem die Religionspolizei Mutawwa Frauen, die nicht ausreichend verschleiert waren. In strenggläubigen Gebieten drohten Strafanzeigen. In der liberaleren Hafenstadt Dschidda verfolgt die Polizei hingegen schon jetzt keine Sittenverstöße bei der Bekleidung. Im September hatte bin Salman angekündigt, Frauen erstmals das Autofahren erlauben zu wollen. Auch genehmigte er erstmals Kinos und gestattete Frauen, Fußballspiele zu besuchen. (dpa/SZ/Zeit)