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Schätze aus Latrinen am Neumarkt

Die Abfallgruben bergen Gefäße aus dem Mittelalter. Am Sonntag werden die Grabungen gezeigt.

Von Bettina Klemm

Thomas Westphalen zeigt unterschiedlich große Tonkrüge. Sie stammen wahrscheinlich aus der Zeit um 1310 und lagen in den Latrinen am Neumarkt. „Wahrscheinlich hatte Ruß die Poren so zugesetzt, dass sie nicht mehr als Kochgeschirr zu gebrauchen waren und deshalb weggeworfen wurden“, erklärt der Abteilungsleiter für archäologische Denkmalpflege.

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Am Sonntag will er zum Tag des offenen Denkmals die Grabungsergebnisse auf dem Neumarkt-Quartier hinter dem Kulturpalast vorstellen. Dann wird er nicht nur mittelalterliche Keller, sondern auch weitere Schätze aus den Abfall- und Toilettengruben präsentieren.

Seit Mai sind die Archäologen auf der 1.900 Quadratmeter Fläche zwischen Schössergasse, Sporergasse und Neumarkt tätig. Ende September wollen sie fertig sein. Seit gestern graben sie auch schon auf der Nachbarfläche vor dem Jüdenhof.

Die archäologischen Befunde spiegeln die reiche Stadtgeschichte an dieser Stelle wieder. Bis zum 15. Jahrhundert lebten dort überwiegend jüdische Bürger. Später folgten wohlhabende Beamte. „Besonders augenfällig sind die vergleichsweise gut erhaltenen Kellerreste unter dem ehemaligen Dinglingerhaus“, erklärt Westphalen. Die Keller stammen aus der Zeit um 1.400 und seien damit wesentlich älter als die 1710/11 von Matthäus Daniel Pöppelmann erbaute Ikone bürgerlicher Barockarchitektur. Der Baumeister integrierte offensichtlich die bereits vorhandene Kelleranlage eines älteren Vorgängergebäudes in sein Bauwerk. Ob die Firma Kimmerle beim Wiederaufbau des Dinglingerhauses die Keller einbeziehen wird, ist noch ungeklärt. Geschichte lässt sich auch gut in den Kelleranlagen des Trierschen Hauses aus dem späten 17. Jahrhundert nachvollziehen. Dort ist eine nachträglich eingebaute Heizanlage und Aschegrube aus modernen Industrieziegeln gut erkennbar.

Aus Sicherheitsgründen dürfen die Besucher am Sonntag aber nicht auf die Grabungsfläche. Damit sie dennoch alles gut sehen können, lassen Mitarbeiter und Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft die Vermessungsdrohne „Archäocopter“ fliegen. Deren Bilder werden dann direkt auf einen Groß-Bildschirm übertragen.

Am 8. September ist die Grabung von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Zu jeder vollen Stunde gibt es Erläuterungen.