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Schätze im Untergrund

Ein rund 35 Meter langes Stück der westlichen Stadtbefestigungsmauer wurde von Archäologen an der Wallstraße freigelegt.

© LfA/C. Schubert

Kay Haufe

Dresden.Das muss ein Kraftakt gewesen sein: riesige Steine aus Pirna und der Sächsischen Schweiz vor mehreren Hundert Jahren nach Dresden zu transportieren, um hier eine Befestigungsmauer zu bauen. Zwei Meter stark war sie und bis zu zehn Meter hoch hat sie die Stadt seit dem 16. Jahrhundert umschlossen. Ringsum von einem bis zu 25 Meter breiten Wassergraben umgeben, hat sie nicht nur im Siebenjährigen Krieg gute Dienste geleistet, um Feinde abzuwehren. Holländische und italienische Ingenieure wurden extra geholt, um sie nach den neusten Techniken zu bauen. Auf den Türmen und Vorsprüngen war sie natürlich mit Waffen bestückt.

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© Christian Juppe
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Derzeit ist ein gut 35 Meter langes Stück der westlichen Befestigungsmauer an der Wallstraße an der Ecke zum Antonsplatz zu sehen. Sie verlief zwischen den beiden Renaissance-Bastionen Merkur und Saturn. Archäologen haben den zusammenhängenden Wall auf dem Baufeld der Firmen Baywobau und CTR in acht Metern Tiefe freigelegt, bevor hier das Wohn- und Geschäftshaus Merkur III entsteht. Bis Juni arbeiten die Spezialisten weiter auf dem rund 4 000 Quadratmeter großen Areal. Überraschend war für sie, dass die Mauer mit sogenannten „Nasen“ abgefangen wurde, um den Druck abzuleiten. Das war bei den vorher gefundenen Teilstücken nicht der Fall. Die Archäologen erhoffen sich vor allem von den Flächen der innen liegenden Mauer noch einige Funde.

Merkur III entsteht

Nachdem die Befestigung Anfang des 19. Jahrhunderts abgetragen worden war, weil die Stadt wuchs, entstand auf einem größeren Areal 1893 die Markthalle, die beim Bombenangriff 1945 zum Großteil zerstört wurde. Ihre Keller und Fundamente fanden die Archäologen aber gut erhalten unter der rund einem Meter dicken Bodenplatte. Funde daraus, wie Schilder für Lebensmittel oder Sandsteinköpfe, wurde bereits bei Grabungen am benachbarten Bauvorhaben sichergestellt.

Auch dort wurden Teile der Festungsmauer gefunden. „Sie ist auf ihrer ganzen Länge von rund vier Kilometern relativ gut im Erdreich erhalten“, sagt Grabungsleiterin Susanne Schöne vom Landesamt für Archäologie. „Die Festungsmauer zog sich weiter zum Postplatz, wo die Bastion Merkur stand, über das Stadttor weiter zum Zwinger, von dort zur Brühlschen Terrasse, zwischen Synagoge und Polizeipräsidium weiter in Richtung Gewandhaus und hinter der Kreuzkirche zum heutigen Dr- Külz-Ring“, sagt Schöne. Teile davon sind zum Beispiel in der Tiefgarage am Altmarkt zu sehen. Das jetzt freigelegte Stück Festungsmauer wird allerdings nicht mehr sichtbar sein. Es sei denn, spätere Gernerationen entscheiden sich, das Haus Merkur III abzureißen. Dann stoßen sie am Boden der zweigeschossigen Tiefgarage auf den eingehausten Wall. Demnächst werden Pfeiler in die Erde getrieben, die die Ecken des schützenden Umbaus bilden.

„Wir hätten uns gefreut, wenn die Mauer sichtbar geblieben wäre, aber ihr Schutz ist schon wichtig für uns“, sagt Sachsens oberster Archäologe Thomas Westphalen. Mit der Baywobau gab es eine gute Zusammenarbeit. „Hier ist auch zu beachten, dass es Hochwassergebiet ist, wo eine weiße Wanne gebaut werden muss. Da stellt eine freiliegende Mauer mittendrin schon ein Problem dar“, sagt Westphalen.

Er hofft, dass sich möglichst viele Dresdner einen eigenen Eindruck davon holen, wie ihre Stadt früher aufgebaut war. Einige Tage sei die Mauer noch in der Baugrube sichtbar. Vielleicht auch für diejenigen, die im Haus Merkur III einziehen werden. 170 Wohnungen, ein großer Supermarkt und 187 Kfz-Stellplätze sollen hier bis zum zweiten Halbjahr 2020 entstehen.