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Ex-Dynamo Schubert patzt gegen Bayern

Der frühere Dynamo-Torwart wirkt beim 0:5 von Schalke in München überfordert. Muss er deshalb wieder für Nübel Platz machen?

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Er ist schon wieder geschlagen, auch wenn Markus Schubert die Arme ausbreitet. Der Treffer von Bayerns Thomas Müller (r.) zum 2:0 geht jedoch nicht auf die Kappe des Schalke-Torwarts.
Er ist schon wieder geschlagen, auch wenn Markus Schubert die Arme ausbreitet. Der Treffer von Bayerns Thomas Müller (r.) zum 2:0 geht jedoch nicht auf die Kappe des Schalke-Torwarts. © dpa/Angelika Warmuth

Von Thomas Niklaus

Die blaue Kapuze seines Pullovers hatte Markus Schubert tief ins Gesicht gezogen, als er die Allianz Arena nach einem Abend zum Vergessen wortlos und mit finsterer Miene verließ. Der 21-Jährige hatte beim 0:5 von Schalke 04 bei Bayern München wohl einen Tiefpunkt seiner noch jungen Karriere erlebt – und mit einer schwachen Leistung und haarsträubenden Fehlern die heiße königsblaue Torhüterdiskussion weiter verschärft.

Trainer David Wagner steckt vor dem Auswärtsspiel bei Hertha BSC am Freitagabend in der Zwickmühle. Soll er den zu den Bayern wechselnden Alexander Nübel nach dessen abgelaufener Rotsperre wieder ins Tor stellen, oder doch weiter Schubert vertrauen? Zunächst einmal schob Wagner das brisante Thema, das die Schalker spaltet, beiseite. „Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“, sagte er lapidar. Auch die Pro-Schubert-Aussagen von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies seien „gerade keine Thematik für mich. Ganz ehrlich“, ergänzte Wagner genervt, „wir haben gerade 0:5 verloren“.

Tönnies hatte vor der Klatsche Position für Schubert bezogen. Ihn wieder auf die Bank zu setzen, „würde ihm nicht gerecht, wenn er weiter Topleistungen bringt“, sagte Tönnies bei Sky und fügte an: „Ich glaube, dass das auch die Erwartung der Fans ist.“ Von einer Topleistung war der U21-Nationalkeeper in München aber meilenweit entfernt. Das 0:1 durch Robert Lewandowski geht auf seine Kappe, weil er einen hohen Ball im Herauslaufen nicht erwischte, beim 0:5 durch Serge Gnabry sieht er unglücklich aus: Der Schuss geht durch die Beine. Auch sonst sammelte der ehemalige Dresdner, der im Sommer ablösefrei von Dynamo zu Schalke gewechselt war, kaum Argumente: Seine Strafraumbeherrschung war mangelhaft, und auch die Spieleröffnung ließ oft genug zu wünschen übrig.

Ersteres ist eigentlich seine Stärke, zumindest hat das Dynamos Torwart-Trainer ihm bescheinigt. „Markus ist ein mutiger Torhüter. Er überlegt nicht lange, geht da durch“, erklärt Brano Arsenovic vor einem Jahr, als die Wechsel-Gerüchte um das Torwart-Talent in Dresden gerade Fahrt aufgenommen hatten. Auch damals gab es vereinzelte Fehlgriffe. „Die Zeit, in der ein Torwart entscheidet, ob er rausgeht oder nicht, ist kaum messbar. Das passiert in Millisekunden. Diese Bauchentscheidungen sind schwer zu trainieren.“

So unverhofft, wie Schubert durch die Rote Karte für Nübel zu bislang fünf Bundesliga-Einsätzen gekommen ist, könnte er nun wieder draußen sein. Sein Frust war entsprechend groß. Nach Spielschluss warf er seine Trinkflasche genervt durch den Strafraum. Da halfen auch tröstende Worte von Nationaltorwart Manuel Neuer nicht. Schubert habe ja auch ein paar „überragende Bälle gehalten. Solche Erfahrungen machen alle jungen Torhüter. Es geht weiter für ihn“, sagte der Bayern-Kapitän.

Doch wie geht es kurzfristig weiter für Schubert? U21-Vizeeuropameister Nübel hat es sich auf Schalke seit seinem angekündigten Wechsel im Sommer nach München mit vielen verscherzt – ähnlich wie Schubert im vorigen Frühjahr bei Dynamo. Damals hatte ihn Trainer Cristian Fiel vorsorglich aus dem Tor genommen – um ihn zu schützen und die Unterstützung der Fans im Abstiegskampf nicht zu riskieren. Wagner reagierte ähnlich, nahm Nübel die Kapitänsbinde ab. Schubert riet ihm danach, nur seiner eigenen Entscheidung zu vertrauen. 

Und nun? Es wird eine wegweisende Entscheidung für den Rest der Saison.

Über Schubert wollte der Trainer nicht den Stab brechen. „Schubi hat einige Bälle sehr, sehr gut gehalten, war natürlich auch bei zwei Toren mit drin, das brauchen wir nicht totzuschweigen“, sagte Wagner. „Er hat wie die gesamte Mannschaft schon besser gespielt.“ (sid, SZ/-ler)

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