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Schandfleck und Spekulationsobjekt

Die Innere Weberstraße 31 in Zittau soll schon wieder zwangsversteigert werden. Von der Notsicherung des maroden Hauses hängt ein viel größeres Vorhaben ab.

© Matthias Weber

Von Mario Heinke

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Zittau. Meterhoch steht das Unkraut auf dem Bürgersteig hinter der Absperrung an der Ecke Innere Weber-/Innere Oybiner Straße, mitten im Stadtzentrum. Die Gewerbetreibenden in der ehemaligen Einkaufsstraße bezeichnen den Zustand als „geschäftsschädigend“. Passanten werden mittels Schild auf die gegenüberliegende Straßenseite verwiesen. Der innerstädtische „Urwald“ befindet sich bezeichnenderweise auch noch gegenüber dem Gebäude, in dem die Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft residiert.

„Es ist eine Dreckecke“, sagt Ralph Höhne, Chef des Zittauer Bauamtes, ohne Umschweife. Seit vor einigen Jahren Teile des Gesimsbandes und des Putzes der Fassade auf den Gehweg fielen, beschäftigt sich die Bauaufsicht mit dem Haus Innere Weberstraße 31. Der Gehweg vor dem Gebäude ist seither gesperrt. Beim letzten Sturm rückte die Feuerwehr an, um offene Fenster herauszunehmen, damit die Scherben nicht herumfliegen und Passanten verletzen, erzählt Ina Kaminsky, Leiterin der Unteren Bauaufsichtsbehörde der Stadt. Ihr sind die Hände gebunden, wie so oft in ähnlichen Fällen, wenn Grundstückseigentümer sich nicht um ihre Immobilie kümmern. Im vergangenen Jahr ist das Haus zum x-ten Mal zwangsversteigert worden. Diesmal erwarb ein Pole das Grundstück. Seit der Versteigerung ist wieder nichts passiert. Nach SZ-Informationen soll das Grundstück nun in der zweiten Jahreshälfte schon wieder zwangsversteigert werden.

Die Stadtverwaltung leitete inzwischen ein bauordnungsrechtliches Verfahren ein und forderte den Eigentümer auf, das Gebäude zu sichern. Das Einschreiben ist in Polen angekommen, der Rückschein liegt vor, trotzdem meldet sich der Besitzer nicht. „Im nächsten Amtsblatt drohen wir die Ersatzvornahme an“, sagt Ina Kaminsky. Also am 10. März. Nach der öffentlichen Drohung beginnt eine achtwöchige Frist. Meldet sich der Eigentümer bis dahin nicht, kann die Stadt die Notsicherung des Gebäudes ausschreiben, durchführen und dem Eigentümer in Rechnung stellen. Vor Ende Mai wird die Straßenecke also nicht schöner. Vermutlich wachsen bis dahin die Schaufenster zu, in denen zu DDR-Zeiten Fernseh- und Radiogeräte standen. Nach der Wende zog „Fahrrad Förster“ ein. Seit der Fahrradladen schloss, steht das Gebäude leer. Baudezernent Höhne hofft, dass es bis Mai keinen Eigentümerwechsel gibt, sonst müsste die Stadt das baurechtliche Verfahren unterbrechen und unter Umständen von vorn beginnen. Die Notsicherung würde so wohl noch länger aufgeschoben. Trotzdem besteht Hoffnung, dass in diesem Jahr noch etwas passiert: Die Stadt kann mit dem grundhaften Ausbau der Inneren Weberstraße erst beginnen, wenn das marode Gebäude gesichert ist. Die Sanierung der buckligen Straße und Gehwege ist seit Jahren geplant und steht auf der Prioritätenliste der Stadt an dritter Stelle, nach der Schramm- und der Äußeren Oybiner Straße, so der Bauamtsleiter. Die Planungen zum Ausbau der Inneren Weberstraße sollen noch in diesem Jahr beginnen. Ein Vorentwurf liegt vor. Die öffentliche Auslegung der Planung und die Bürgerbeteiligung könnten im Sommer und Herbst stattfinden, so Höhne. Ob es dazu kommt, hängt davon ab, ob die Nachträge zum Haushalt 2018 den Stadtrat passieren. Am Ende der Inneren Weberstraße wird indes weiter gebaut, nach Sanierung der Nummer 37 liegt nun ein Bauantrag zum Neubau der Nummer 39 vor.