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Scharfe Kritik nach Abschiebung

Die Polizei holt in Bautzen eine Frau und zwei kleine Kinder ab. Mitten in der Nacht. Die Linke ist empört.

© Uwe Soeder

Bautzen. Der Kreisverband der Partei Die Linke hat am Montag die nächtliche Abschiebung einer mazedonischen Familie aus Bautzen als menschenunwürdig kritisiert. Die Polizei hatte die 25-jährige Frau und ihre beiden zehn Monate und zwei Jahre alten Kinder am 20. Januar gegen 1 Uhr nachts im Spreehotel aus dem Bett geholt und noch am gleichen Tag über Dresden und den Flughafen Baden-Baden in das Balkanland abgeschoben. Kreissprecher Felix Muster sprach von einer „überfallartigen Aktion“; dass die Mutter und die Kleinkinder „mitten in der Nacht wie Schwerverbrecher abgeführt wurden, ist skandalös.“ Die Linke lehnt nächtliche Abschiebungen ab und fordert nach thüringischem Vorbild einen Winterabschiebestopp sowie mehr Rücksicht auf Kinder durch die Polizei.

„Den Ausführungen des Herrn Muster kann die Polizeidirektion Görlitz nicht folgen“, teilte Polizeisprecher Thomas Knaup am Montag mit. In diesem Fall sei die Zuführung der Personen auch in Abhängigkeit mit den Abflugzeiten am Flughafen erfolgt. Die Ausländerbehörde habe die Abschiebung angeordnet. „Eine Nachtzeitschranke gilt hier nicht“, so Thomas Knaup weiter.

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„Die Dame wusste seit anderthalb Jahren, dass sie bis März 2015 geduldet ist und ihr die Abschiebung droht“, erklärte Spreehotel-Chef Peter Kilian Rausch. Die Mazedonierin habe somit genug Zeit zur Ausreise gehabt. Abschiebungen seien unangenehm und täten dem Asylheim-Leiter leid, doch sie seien vorhersehbar. (sts)