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Schatten auf der Sonnenseite

Sie galt als Vorzeigebranche für erfolgreiche Industriepolitik Ost, nun steckt die Solarindustrie in der Krise. Die Branche rechnet erst 2014 mit Lichtblicken, erklärt Solar-Valley-Vorstand Hubert Aulich im Interview.

© dpa

Erfurt. Die Krise der Solarindustrie hat in Ostdeutschland tausende Arbeitsplätze gekostet. In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, wo die Sonnenenergiebranche viele Jahre durch hohe Investitionen in Fabriken als Jobmotor galt, habe sich die Zahl der Beschäftigten seit 2011 etwa halbiert, sagt der Vorstandsvorsitzende der Branchenvereinigung Solarvalley Mitteldeutschland, Hubert Aulich, im Interview in Erfurt. Vage Hoffnung auf Besserung hat er aber auch.

Herr Aulich, die Solarbranche galt als Musterknabe des industriellen Neuanfangs in Ostdeutschland. Fast die Hälfte der deutschen Produktionskapazität war in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt konzentriert. Was ist davon geblieben?

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Dumpingpreise durch enorme Überkapazitäten in China haben dazu geführt, dass die Produktion weltweit drastisch zurückgefahren werden musste. Die Zahl der Arbeitsplätze, 2011 waren es in den drei Ländern fast 20.000, hat sich etwa halbiert. Einige Unternehmen wie Sovello in Sachsen-Anhalt sind ganz von der Bildfläche verschwunden, andere wie Bosch wollen aus der Solarfertigung aussteigen. Das ist schon eine dramatische Entwicklung, die wir erleben. Aber es gibt auch Beispiele, dass Firmen aus der Krise heraus ein Neuanfang gelingt. Dafür stehen Q-Cells sowie eine Fertigung von Solarsilizium in Bitterfeld.

Ist ein Ende der Branchenkrise in Sicht?

Wir hoffen, dass sich der Weltmarkt bis Ende 2014 wieder erholt. Überkapazitäten in China werden zum Teil auf Eis gelegt, gleichzeitig werden in dem riesigen Land deutlich mehr Solaranlagen installiert. Wir erwarten, dass das den Weltmarkt entlastet. Trotz der Markterholung wird sich die Preiserholung in Grenzen halten. Aber es ist schon ein Fortschritt, wenn der Preisverfall für Solaranlagen in diesem Jahr zumindest gestoppt scheint.

Reicht das, um die im vergangenen Jahrzehnt mit hohen Investitionen in Ostdeutschland aufgebauten Fabriken für Solarsilizium, Zellen und Module zu stabilisieren?

Das jetzige Preisniveau erfordert technische Neuerungen und technologische Weiterentwicklungen, um die Produktionskosten weiter zu verringern. Zudem muss sich ein neues Geschäftsmodell bei der Solarenergienutzung etablieren: der Verbrauch des Solarstroms vor Ort statt der Einspeisung ins Netz. Die Solarbranche muss zum Komplettanbieter bis hin zur Speicherung werden.

Die immer wieder gesenkte Einspeisevergütung für Solarstrom hat in der Branche zu Protesten geführt. Was erwarten sie von der Politik?

Es wäre ein großer Fehler, wenn die Produktion von Solartechnik trotz Energiewende aus Deutschland verschwindet. Wichtig ist Unterstützung für eine Schlüsseltechnologie, die erhalten bleiben muss. Dazu gehört vor allem die Förderung von Forschung und der Entwicklung kostengünstiger Produktionstechnologien. Denkbar wäre auch eine Klausel, dass außereuropäische Firmen, die in Europa ihre Solarmodule verkaufen wollen, zumindest einen Teil hier produzieren müssen. Das wird immer wieder in der Politik diskutiert, entschieden ist in Deutschland aber bisher nichts. Meine Befürchtung ist, dass bei den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD konventionelle Energieträger wie Kohle eine zu große Rolle spielen. Ziel muss es sein, die fossilen Energieträger langfristig auf null zu fahren, um die Klimaziele zu erreichen.

Welche Rolle bei der Neuausrichtung kann künftig das Branchencluster Solarvalley Mitteldeutschland spielen?

Solarvalley steht für einen Produktions- und Forschungsverbund in den drei Ländern. Das Cluster muss weiterbestehen, es ist ein wichtiger Impulsgeber für Verbundforschung, Allianzen und übergreifende Projekte. Allerdings läuft die Spitzenclusterförderung des Bundes, die für vier Jahre gewährt wurde, Ende 2013 aus. Die Organisation Solarvalley bleibt erhalten. Sie wird mit einem begrenzten Budget die Erweiterung mit neuen Partnern in Richtung Systemtechnik vorbereiten. Wir erwarten, dass der Bund Gelder zu Fortsetzung der Forschung gibt und die Weichen dafür bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin gestellt werden. Auch die Länder müssen einen Beitrag leisten.

Das Interview führte die Nachrichtenagentur dpa mit Hubert Aulich