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Schatz, bring die Bücher auf den Kompost!

© Sven Ellger

Ein Dresdner stellt vegane Bücher aus Graspapier her. Aus einigen Exemplaren werden Blumen.

Von Sarah Herrmann

Der Geruch von grünem Tee liegt in der Luft. Doch auf der Andreas-Schubert-Straße gibt es keinen Teeladen. Stattdessen befindet sich in dem kleinen, vollgestellten Büro der HTW-Gründerschmiede ein Buchverlag. Den hat Kay Hedrich Anfang des Jahres gegründet. Der junge Unternehmer will eine kleine Rebellion auf dem Buchmarkt anzetteln – mit Gras.

Daraus stellt er seine Produkte her: aus saftigem, grünen Gras. Das wird auf der Schwäbischen Alb geerntet, sonnengetrocknet, gemahlen, zu Pellets verarbeitet, schließlich wieder aufgelöst und zu Papier gepresst. Die Idee für „Matabooks“ reifte über die Jahre. „Ich hatte schon immer mit Büchern zu tun und werde wahrscheinlich auch mit einem Buch in der Hand abtreten“, sagt Hedrich mit einem Augenzwinkern. Nach der Ausbildung zum Mediengestalter arbeitete er in einer Druckerei, studierte Buch- und Medienproduktion sowie Medienmanagement. Die Umweltbilanz bei der Papierherstellung war ihm dabei schon immer ein Dorn im Auge.

So werden jedes Jahr etwa 15 Millionen Hektar Wald abgeholzt – das ist eine Fläche, die dreimal so groß wie die Schweiz ist. Jeder fünfte Baum davon wird für die Papierherstellung verwendet. Das Holz ist im Schnitt 4 000 Kilometer unterwegs. Beim Transport wird eine Menge ausgestoßen. Zudem werden bei der Herstellung Chemikalien und große Mengen Wasser sowie Energie aufgewendet.

Beim Graspapier liegt der Energieaufwand gerade einmal bei einem Fünfzigstel von dem, was für die normale Papierherstellung notwendig ist. Beim Wasserverbrauch fällt der Unterschied sogar noch gravierender aus. Werden für eine Tonne Papier etwa 5 000 Liter Wasser verwendet, braucht man für eine Tonne Graspapier lediglich zwei Liter. Das Material ist nachwachsend und in ausreichender Menge vorhanden. „Selbst wenn alle Bücher aus Graspapier hergestellt werden würden, gebe es noch genug“, versichert Hedrich.

Ihm geht es darum, dass seine Produkte möglichst nachhaltig sind. Deswegen verwendet er auch einen Klebstoff auf Wasserbasis sowie Bio-Farben ohne tierische Bestandteile. Alle Produkte sind kompostierbar. In manchen Buch-Covern sind sogar Wildblumen-Samen eingearbeitet. Pflanzt man diese ein und gießt, sprießen sie empor. „Wir sollten von der Natur nicht nur nehmen, sondern auch etwas zurückgeben“, erklärt der Gründer. Aus Respekt vor Mutter Natur ist auch der Name entstanden. Mata ist indisch und bedeutet Mutter.

Bisher hat Hedrich nur einige Musterbücher hergestellt – alle handgebunden. Es gibt Notizbücher in verschiedenen Größen und Designs sowie den ersten Roman. Die Autorin war gerade einmal 13 Jahre alt, als sie „Das Flüstern der Rebellion“ verfasste. „Ich möchte jungen Künstlern und Autoren eine Chance geben“, so der Unternehmer. Die Muster des Romans zu binden, habe pro Exemplar zwei bis drei Tage gedauert. Nun soll es professioneller werden.

Um die ersten 1 000 Exemplare in einer Druckerei herstellen zu können, sammelt Hedrich Geld auf der sogenannten Crowdfunding-Plattform „Startnext“. Dort können Leute spenden, denen das Projekt gefällt. Dafür bekommen sie ein Geschenk, in diesem Fall je nach Betrag Postkarten, Notizbücher oder den Roman aus Graspapier. Hedrich braucht 15 000 Euro. Kommen die nicht zusammen, gibt es für die Spender das Geld zurück. Die Bücher können dann allerdings nicht gedruckt werden. In der ersten Woche wurden bereits mehr als 2 600 Euro gesammelt. Bis Ende April läuft die Kampagne noch.

Ist sie erfolgreich, kommen die Bücher dann in den Handel. Der Roman soll dann 24,90 Euro kosten, die Notizbücher knapp 17 Euro. Und Hedrich kommt seinem Traum ein Stück näher – dass es in möglichst vielen deutschen Haushalten bald heißt: Schatz, bring die Bücher auf den Kompost!